Zumindest finanziell hält sich der Schaden durch Corona für den Landkreis bisher noch in Grenzen.
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Zumindest finanziell hält sich der Schaden durch Corona für den Landkreis bisher noch in Grenzen.

Haushalt

Finanzlage im Landkreis: Der große Einbruch steht noch bevor

  • vonAndreas Sachse
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Zumindest finanziell hält sich der Schaden durch Corona für den Landkreis bisher noch in Grenzen. Während sich der Kreis kaum ein blaues Auge fängt, geraten einige der 29 Kreis-Kommunen in gefährliche Wasser. Spätestens 2022 soll sich Corona auch auf den Kreis-Haushalt niederschlagen.

Landkreis – Vorläufig aber sorgt der Lagebericht des Kämmerers im Finanzausschuss für Erleichterung. Mit 4,5 Millionen Euro Corona-bedingter Aufwendungen im laufenden Jahr hatte Markus Kasper im April gerechnet. Der Wert sei nur unwesentlich gestiegen, korrigiert er sich sechs Monate darauf ziemlich konkret auf 4,631 Millionen Euro.

13.400 Euro für Leichensäcke

Bei einem Haushalt über gut 900 Millionen Euro scheint die Summe verkraftbar. Zumal dem Kreis ein Teil der Kosten erstattet werden dürfte. Allein 2,8 Millionen Euro zusätzlicher Aufwendungen flossen in klassische Corona-Schutzmaßnahmen, in Einmalhandschuhe (1400 Euro), Leichensäcke (13 400 Euro) oder Mundschutz (2,7 Millionen Euro). 2,2 Millionen Euro hofft Kämmerer Kasper zurückzubekommen. Ausgaben des Katastrophenschutzes hat der Landkreis zwar selbst zu tragen. Als unzumutbare Belastung könnte Kasper aber 80 Prozent der Kosten vom Freistaat einfordern. Mitunter sind bis zu 90 Prozent aus dem Katastrophenschutzfonds möglich.

Kreisumlage bleibt stabil

Unter den Umständen bleibt der Kreis seiner Linie aus dem Frühjahr treu, die Umlage bei 48 Punkten stabil zu halten. Trotz Corona ist der Kreis weiterhin mehr als 1 Milliarde Euro wert. Für 2021 erwartet Kasper die mit 1,6 Milliarden Euro zweithöchste Umlagekraft aller Zeiten. Gegenüber dem Rekordjahr 2020 (1,2 Milliarden Euro) ist der Wert um lediglich 3,3 Prozent gesunken. Diese 3,3 Prozent kosten den Kreis zwar 19,2 Millionen Euro Umlage von den Gemeinden. Angesichts der geringen Corona-Belastungen kann man im Landratsamt damit aber leben.

Garchings Bürgermeister warnt: „Für die Gemeinden wird 2021 noch härter!“

Corona-geplagte Gemeinden freut’s. Die ein oder andere Kommune hätte sich vielleicht sogar mehr gewünscht. Um Einbußen etwa bei Einkommens- und Gewerbesteuer abzufedern, hatte man im Kreis noch im Sommer über eine Reduzierung der Kreisumlage nachgedacht. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) bat das Landratsamt, den Haushalt 2021 zumindest in Sachen Personalwünsche „mit spitzem Stift“ zu formulieren. „Jede gesparte Million hilft.“ Gruchmann warnte: „Für die Gemeinden wird 2021 noch härter!“ Bundesbeteiligungen, Ausgleichszahlungen und anderweitige Zuweisungen aus Corona-Fonds von Bund, Bezirk und Freistaat halfen, den Schaden für den Kreis zu minimieren. Spürbar erleichtert schaut Kasper auf die Entwicklung, die sein „großes Sorgenkind“, der ÖPNV, auf dem Höhepunkt der Krise einzuschlagen drohte. Dann kamen ÖPNV-Zuweisungen und Rettungsschirm: Statt 14 Millionen muss der Kreis bloß 1,4 Millionen Euro zuschießen.

Unterstützung vom Freistaat

Entgangene Gewerbesteuern gleicht der Freistaat mit einem bayernweit 2,4 Milliarden Euro schweren Topf aus. Die Zulagen werden nach Durchschnittssätzen der vergangenen drei Jahre ermittelt. „Da waren wir besonders stark.“ Kasper rechnet mit einem ordentlichen Betrag. Bei der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) erhöhte der Bund seine Beteiligung von 43 auf 72,1 Prozent. „Bringt uns dauerhaft 5,5 Millionen im Haushalt.“ In Sachen Grunderwerbsteuer legt der Kreis auch ohne Rettungsschirm um wenigstens drei Millionen Euro zu (Stand September). Ein Nachtragshaushalt ist schon lange keine Thema mehr.

Auf die kommenden Jahre hingegen blickt Kasper voller Sorgen: „Die Ausgaben werden weiter steigen.“ Spätestens 2022 dürfte Corona auch vom Kreis Tribut einfordern.

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