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Ein Tag mit dem Bademeister: Die letzte echte Respektsperson

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Von: Stefan Weinzierl

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Er wacht über sein Reich: Marcel Wellisch ist seit September 2020 Schichtleiter im Unterhachinger Freibad.
Er wacht über sein Reich: Marcel Wellisch ist seit September 2020 Schichtleiter im Unterhachinger Freibad. © Stefan Weinzierl

Wie verbringen Menschen aus dem Landkreis ihren Arbeitstag? Wir begleiten sie bei ihrem Schaffen. Heute: der Fachangestellte für Bäderbetriebe, Marcel Wellisch. Ein Besuch im Unterhachinger Freibad.

Unterhaching – Wenn Marcel Wellisch mit einem Badegast spricht, kommt es nur selten vor, dass er ihm auch in die Augen schaut. Das ist aber kein Ausdruck von Unhöflichkeit. Der 23-Jährige macht einfach seinen Job. Im Visier hat er ständig die umliegenden Becken. Dort tummeln sich die Badegäste. Und Marcel Wellisch passt mit Argusaugen darauf auf, dass ihnen nichts passiert.

Es ist ein herrlicher Augusttag im Freibad in Unterhaching. Marcell Wellisch hat eben seinen Posten unten am Springerbecken bezogen. Geschützt unter einem großen Sonnenschirm, die dunkle Sonnenbrille auf der Nase, beobachtet der Fachangestellte für Bäderbetriebe, den in der Umgangssprache viele einfach Bademeister nennen, Turm und Becken der eben von ihm geöffneten Sprungturm-Anlage. Während vom 5-Meter-Brett am linken Turm unter anderem eine ehemalige Kunstspringerin ihr Können zeigt, stehen am rechten Turm hauptsächlich Kinder für einen Sprung vom Ein-Meter-Brett Schlange.

„Der beste Job, den man haben kann“

Plötzlich entdeckt er einen Buben, der direkt vor seiner Nase im Wasser am Beckenrand lehnt und den anderen Springern mit großen Augen zuschaut. „He Junge, jetzt aber bitte schnell raus aus dem Wasser“, ruft Wellisch, „das ist schließlich kein Schwimmerbecken.“ Der Kleine macht ein verdutztes Gesicht und verlässt in Windeseile seine Stellung.

Er liebt seinen Job: Marcel Wellisch.
Er liebt seinen Job: Marcel Wellisch. © Stefan Weinzierl

Wellisch muss lächeln. „Ich und meine Kollegen sind vielleicht noch die letzten echten Respektspersonen, die es gibt“, philosophiert er. Während mittlerweile selbst Feuerwehrleute und Polizisten bei Einsätzen angegangen werden, spuren die Badegäste fast ausnahmslos, wenn Wellisch oder einer seiner Kollegen eine Ansage machen.

Doch das ist nicht der Grund, warum der 23-Jährige, der aus Fürstenfeldbruck stammt und seit September 2020 als Schichtleiter im Unterhachinger Freibad, seinen Job „grandios“ findet. Es ist die Nähe zum Wasser, der Kontakt zu den Menschen, vor allem aber die Vielzahl an verschiedenen Aufgaben, für die Wellisch verantwortlich ist. „Ich mag diese Vielfalt. Für mich ist das der beste Job, den man haben kann.“

Der erste Kontrollgang um 6 Uhr

Denn die Beckenaufsicht ist nur ein Bruchteil dessen, was der Schichtleiter heute zu erledigen hat. Bereits um 6 Uhr hat der 32-Jährige das Gelände betreten, nach dem ersten Kontrollgang verteilt er die Aufgaben an sein Team. Während seine Mitarbeiter oben das Schwimmbadgelände samt Becken auf Schäden und Verunreinigungen kontrollieren, geht Wellisch selbst in den Untergrund. Er steigt die Treppen hinunter in den großen Technikraum, überprüft am Computer, ob Warnhinweise zu den einzelnen Becker eingegangen sind und ob die Wasserqualität der DIN-Vorschrift entspricht. Chlorwerte, pH-Werte und Redoxwerte (letztere zeigen die desinfizierende Wirkung des Chlors an) werden gecheckt. Wellisch verlässt sich aber nicht nur auf die moderne Mess- und Regeltechnik. Im Strahl der Taschenlampe überprüft er das Wasser in den einzelnen Filter. „Beim Filter des Kinderbeckens ist jetzt bald eine Spülung fällig“, sagt er.

Hochkonzentriert; Gerade am Strömungskanal kann es immer mal wieder zu Gefahrensituationen kommen.
Hochkonzentriert; Gerade am Strömungskanal kann es immer mal wieder zu Gefahrensituationen kommen. © Stefan Weinzierl

Ein weiterer Kontrollgang führt in den langen unterirdischen Gang, der ums Schwimmerbecken verläuft. Durch ein Bullauge kann er von unten direkt ins Becken sehen und die Wasserqualität prüfen. „Alles ist klar und sauber, das passt.“ Dass vor dem Schwimmbetrieb alles lupenrein ist – vom Becken bis zum Haar- und Fasersieb sei wichtig, erklärt er. „Denn dann läuft die Anlage tagsüber besser und umweltschonender, weil sie weniger Strom verbraucht.“

Keiner darf zwei Becken auf einmal beaufsichtigen

Um 8 Uhr, wenn die ersten Badegäste kommen, unterstützt er die Kassendamen, die durch die pandemiebedingten Einschränkungen immer wieder auch den Unmut von Badegästen zu spüren bekommen. „Da passe ich auf, dass alles reibungslos abläuft.“ Dann geht’s zurück an die Pools, sein Team ist schon aufgeteilt und wacht über die jeweiligen Becken. „Jeder übernimmt ein Becken. Keiner darf zwei Becken auf einmal beaufsichtigen.“ Zudem sollte die Aufsicht alle drei Minuten den Standort wechseln, um einen anderen Blickwinkel zu haben.

Im Technikraum: Wellisch untersucht einen Filter.
Im Technikraum: Wellisch untersucht einen Filter. © Stefan Weinzierl

Auch Wellisch beaufsichtig heute wieder ein Becken, dazwischen unternimmt er aber weitere Kontrollgänge, weist die Reinigungskräfte an – und schaut immer wieder im Technikraum nach dem Rechten, damit auch während des Betriebs nichts passiert. Hat er Spätschicht, kommt abends noch die Reinigung hinzu: Mit den Beckensaugern werden zum Beispiel Verunreinigungen vom Beckenboden aus dem Wasser geholt. Zum Schluss folgt der Kontrollgang in den Chlorgasraum. „Wir müssen kontrollieren, ob alles dicht ist und leere Flaschen gegebenenfalls austauschen“, erzählt Wellisch, „das macht man aus Sicherheitsgründen immer zu zweit.“

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