Die Frischluftschneise für Münchens Süden.
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Die Frischluftschneise für Münchens Süden.

Bürgerinitiative ist skeptisch

Frischluftschneise: München gibt Klimagutachten in Auftrag

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Ins heftig umstrittene Thema, die Frischluftschneise im Nordosten von Neubiberg und Unterhaching zu bebauen, kommt Bewegung.

Neubiberg/Unterhaching/Taufkirchen – Fürs Hachinger Tal hat die Landeshauptstadt München jetzt ein Klimagutachten in Auftrag gegeben; in „Modul 6“ ist auch die Abstimmung mit den betroffenen Nachbarkommunen Neubiberg und Unterhaching vorgesehen, die bei Bedarf eventuell „Korrekturen und Nachbesserungen“ verlangen können.

Der Zeitplan ist recht straff. Bis Montag, 23. November, können Gutachter bei der Stadt München ihre Angebote einreichen. Für das Gutachten selbst ist dann ab dem zweiten Quartal 2021 ein Zeitraum von neun Monaten vorgesehen.

Zunächst stehen eine Analyse der Ist-Situation und klimaökologische Auswirkungen der Planungsvarianten auf der Agenda, anschließend die Entwicklung von planerischen Vorgaben zum Erhalt des Luftaustausches und der bioklimatischen Situation. Anschließend, nach Zusammenstellung und Übergabe der Ergebnisse, sind die Übertragung der Nutzungsrechte und eine Detailabstimmung mit Neubiberg und Unterhaching vorgesehen. 2022 werde das Gutachten, so heißt es, abgeschlossen sein. Wie berichtet, soll das Kapellenfeld nördlich des Infineon-Campus in Neubiberg teilweise bebaut werden.

Sprecher der Bürgerinitiative sieht Gutachten mit Skepsis

Thomas Kiesmüller, Sprecher der „Bürgerinitiative Frischluftzufuhr für München“, an der sehr viele Neubiberger und Unterhachinger Bürger beteiligt sind, sieht die aktuelle Ausschreibung des Klimagutachtens mit großer Skepsis. Die Möglichkeit für „Korrekturen und Nachbesserungen“ lasse „nichts Gutes erahnen“, sagt Kiesmüller: „Wir beobachten mit offenen Augen und Ohren den weiteren Fortgang.“

Zunächst sei die Bürgerinitiative durchaus zufrieden damit, „dass durch unsere unermüdliche Informationsarbeit bei den Politikern und zuständigen Institutionen dieses Klimagutachten in Gang gesetzt wird“. Stutzig machen Kiesmüller und seine Mitstreiter aber „der zweimalige Hinweis“ auf „Korrekturen und Nachbesserungen“. Dies stimme ihn, „gerade nach der Vorgeschichte des Strukturkonzeptes Hachinger Tal, etwas misstrauisch“. Selbstverständlich sei es legitim für den Auftraggeber, in einem Gutachten zu einzelnen Themen tiefergreifende Aussagen zu verlangen. „Korrekturen an fachlichen Erkenntnissen auf naturwissenschaftlicher Basis dürfen jedoch nicht verlangt werden“, meint Kiesmüller.

Klima hört nicht an Stadt- und Gemeindegrenze auf

Es gehe bei der Entwicklung im Grünzug Hachinger Tal ja nicht nur um das Vorhaben bei Unterbiberg, sondern auch um weitere Planungen der Nachbargemeinden Unterhaching und Taufkirchen, dort beispielsweise im Bereich der Jochen-Schweizer-Arena. „Das Klima hört nicht an den Grenzen der Stadt und der Gemeinden auf, wie die jüngste Stadtklima-Studie des Deutschen Wetterdienstes eindrucksvoll zeigt“, betont der Sprecher der Initiative. „Deshalb müssen, trotz kommunaler Planungshoheit, die übergeordneten Ziele des Regionalplans und des Landesentwicklungsprogramms beachtet werden, besonders wenn es um die Beeinträchtigung der natürlichen Lebensgrundlagen geht.“ Das Allgemeinwohl habe „Vorrang vor Einzelinteressen der Gemeinden“.

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