„Irgendwann ist mal Feierabend“, sagt Imbiss-Ikone Emma Spannberger. Zum Abschied bekam sie dieses Schild mit den Unterschriften all ihrer Stammgäste. 
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„Irgendwann ist mal Feierabend“, sagt Imbiss-Ikone Emma Spannberger. Zum Abschied bekam sie dieses Schild mit den Unterschriften all ihrer Stammgäste. 

Rührender Abschied mit Stammgästen

Eine letzte Currywurst mit Emma: Imbiss-Ikone hört nach 50 Jahren auf

  • Laura May
    VonLaura May
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Nach 50 Jahren ist Schluss: Nach Krankheit und Corona-Krise ist „Emmas Imbiss“ in Unterhaching nun Geschichte. Die Gäste und die Besitzerin feierten einen rührenden Abschied.

Unterhaching - Mit feuchten Augen pult Emma Spannberger die Haut von ihrer Weißwurst und tunkt sie in den süßen Senf auf ihrem Teller. Im Hintergrund läuft Blasmusik. Nach 50 Jahren sitzt sie an diesem sonnigen Vormittag das letzte Mal vor ihrem Imbissstand an der Münchner Straße in Unterhaching. „Mögen tät ich schon noch“, sagt die 74-jährige Emma Spannberger, „aber ich kann nicht mehr.“ Nachdem ihr Mann vor drei Jahren zum Pflegefall wurde und sie selbst von einer Krankheit geschwächt wird, hat ihr Corona nun den Rest gegeben. „Es ist für mich ein furchtbarer Abschied.“ Nach fünf Jahrzehnten hört die Unterhachinger Imbiss-Institution also auf und geht in den Ruhestand – für viele hier geht damit eine Ära zu Ende.

„Emmas Imbiss“ nach 50 Jahren geschlossen: Unzählige Erinnerungen an ihre Gäste

Am Abschiedstag ist der kleine Imbiss bereits um elf Uhr vormittags voll mit Stammgästen. Die meisten hier teilen unzählige Erinnerung an die rote Markise und das verwitterte Holz der gemütlichen Hütte mit „Emma“, wie sie von allen genannt wird. Die Nostalgie steht der Runde ins Gesicht geschrieben und überträgt sich auf Passanten, die im Vorbeigehen von der anstehenden Schließung erfahren.

Ein Tänzchen hinter der Theke mit Stammgast Peter Stumpf. 

Viele Promis kamen zu „Emmas Imbiss“ in Unterhaching

Als 15-Jährige kam Emma Spannberger 1963 mit ihrer Schwester Maria Resch aus der Region Passau nach Unterhaching. 1971 eröffnete „Emmas Imbiss“ an der Münchner Straße. Seitdem hat sie Unterhaching mit delikaten Würsten, Schweinsbraten, Gulasch, Surbraten, Fleischpflanzerl, Kartoffelsalat und unzähligen anderen bodenständigen Delikatessen versorgt. Jeder in der Stammgast-Runde hat ein anderes „Emma-Lieblingsgericht“.

Für die Stammgäste ist der Imbiss Spannberger eine Institution im Ort. Hier trifft man sich auf einen Ratsch, auf eine gute Wurst oder ein kühles Bier. Dementsprechend schwer fiel allen der Abschied. 

Doch die fröhliche und offenherzige Frau wurde wegen weit mehr als ihren Speisen zur lokalen Ikone. Vor allem wegen ihrer lebensbejahenden Art und ihrer Gabe, Menschen zusammenzubringen ist Emma Spannberger allen so ans Herz gewachsen. „Ich hatte eine wunderbare Zeit mit meinen Kunden“, schwärmt die 74-Jährige. Sie erzählt von vergangenen Zeiten, in denen sie kein Spiel der SpVgg Unterhaching verpasste, berühmten Fußballern und Größen der Kulturbranche wie Filmemacher Joseph Vilsmaier, die bei ihr einkehrten und Menschen, die von weit her kamen, um ihre Currywurst zu essen. Einmal kam ein Schweizer, der nur Franken hatte. Sie sagte ihm, er könne das nächste Mal zahlen „Der kam tatsächlich nach Jahren zurück und zahlte seine Wurst“, freut sie sich noch heute.

Die „Rote Spezial“-Wurst war schon 2003 der Renner. Dafür kamen die Gäste sogar von weit her zu Emma Spannberger. 

Das Ende von „Emmas Imbiss“ in Unterhaching: Am liebsten würde sie weitermachen

Emma Spannberger ist sichtlich frustriert von ihren eigenen körperlichen Leiden. Früher war sie immer die Letzte auf Festen, wie ihrem jährlichen Pflichttermin, dem St. Anna-Fest in Sauerlach. „Damals habe ich von 3 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts getanzt.“ Heute ist sie sichtlich geschwächt – still sitzen kann sie aber trotzdem nicht. An ihrem Abschiedsvormittag setzt sie sich immer wieder hin, nur um gleich wieder aufzustehen und ankommende Gäste mit Weißwürsten und Brezn zu bewirten.

Beim 40. Jubiläum vor zehn Jahren entstand dieses Foto von Emma Spannberger und ihrem Mann Herbert, der inzwischen gesundheitlich sehr angeschlagen ist. Um ihn und auch um ihre eigene Gesundheit will sich die 74-Jährige nun mehr kümmern. 

So auch den Unterhachinger Arzt Paul Alberti, der ebenfalls schon seit 50 Jahren Emmas Köstlichkeiten genießt. „Damals bin ich als Abiturient hergekommen“, erinnert er sich. Heute kümmert er sich als Arzt um Emma und auch um ihren Mann. „Wir tun unser Bestes, dass wir Emma wieder hinbekommen“, sagt er.

Heute macht sich Emma Spannberger aber keine Gedanken über ihre Gesundheit, denn sie erwartet noch viele Gäste, wie etwa Bürgermeister Wolfgang Panzer. Alle wollen sich verabschieden und ihr beistehen an diesem schwierigen Tag. Am liebsten würde Emma Spannberger für immer weitermachen, auch weil sie „so viele liebe Menschen hat“, die ihr immer helfen. „Aber irgendwann ist halt Feierabend.“

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