E-Ladesäulen
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20 ultraschnelle Ladepunkte entstehen derzeit im Gewerbegebiet. Simulation: EnBW

Einmal Vollladen in 20 Minuten

Deutschlands größter öffentlicher Schnellladepark für E-Autos entsteht in Unterhaching

  • Martin Becker
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Noch ist Baustelle auf dem Kundenparkplatz zwischen Edeka-Simmel und Hagebaumarkt, aber bis zur Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung am 7. September in München soll hier Deutschlands größter öffentlicher Schnellladepark für E-Autos entstehen.

Der Energieversorger EnBW baut einen sogenannten Flagship-HyperHub mit 20 ultraschnellen HPC-Ladepunkten (High Power Charging). Standort und Dimension der Anlage, die mit einer Ladeleistung von bis zu 300 Kilowatt zur stärksten Leistungsklasse gehört, sind bewusst gewählt. Das Gewerbegebiet punkte einerseits mit seiner unmittelbaren Nähe zur weniger als einen Kilometer entfernten A 995 sowie zur A 8, andererseits mit einer starken Einkaufs-Frequentierung von bis zu 40 000 Kunden pro Tag, erklärt Timo Sillober, Chief Sales & Operations Officer für die Elektromobilität bei EnBW.

„Ein idealer Knotenpunkt für das Schnellladenetz im Fernverkehr“, zugleich ein attraktives Angebot für Supermarktbesucher aus der Region – diese Kombination passe perfekt in die Strategie von EnBW, Elektromobilität unkompliziert in den Alltag der Nutzer zu integrieren. „Für die Kunden aus dem Münchner Umland bedeutet das: Sie stellen ihr Fahrzeug ab und schließen es an einen Schnelllader an, kaufen ein und kehren nach dem Einkauf zu ihrem geladenen Fahrzeug zurück. Fertig“, sagt Timo Sillober. „In nur 20 Minuten sind, je nach Fahrzeug, schon 400 Kilometer Reichweite mit 100 Prozent Ökostrom hinzugewonnen. Im Vergleich dazu ist Tanken richtig umständlich.“

E-Mobilität soll alltagstauglich sein

Der Strom wird teilweise direkt vor Ort bezogen. Das Dach über den 20 Schnellladesäulen bietet nicht nur Schutz vor schlechter Witterung, sondern ist bestückt mit einer großflächigen Photovoltaik-Anlage – die fünf Solarmodule können eine Leistung von bis zu 46 Kilowatt erzeugen. Der E-Ladepark soll eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir möchten in Deutschland alle 200 Kilometer große HyperHubs wie den in Unterhaching errichten. Alle 40 bis 50 Kilometer sollen kleinere Standorte entstehen“, erklärt Timo Sillober.

Egal ob für den Ladestopp beim Einkaufen oder beim Ausflug in die Berge. Es reiche nicht, „wenn sich Elektromobilität als Ersatztechnologie verstanden wissen will“. Sie müsse „den Anspruch haben, die bessere Form der Mobilität sein“, sagt der EnBW-Manager und meint dies nicht nur in puncto Nachhaltigkeit, „sondern gerade auch mit Blick auf die Alltagstauglichkeit“.

Die A 99 ist eine der meistbefahrenen Straßen Europas. Nun wird der Autobahn-Halbring weiter ausgebaut – zu einer durchgehenden, achtspurigen Straße.

Viele Firmen haben Interesse am Standort Unterhaching

Im Unterhachinger Rathaus wird das kommerzielle Projekt überwiegend positiv, aber mit einer Spur Skepsis gesehen. „Die Anlage ist eine gute Ergänzung zu unserem kommunalen Ladenetz mit 14 neuen E-Ladesäulen, die wir seit Mai in Betrieb genommen habe“, sagt Gemeinde-Sprecher Simon Hötzl. Mit diesen 28 Lademöglichkeiten (zwei pro Station) verfüge Unterhaching „über das größte E-Ladenetz im ganzen Landkreis“. Bedenken waren aber schon im März im Gemeinderat geäußert worden: Nützt der HyperHub von EnBW möglicherweise vor allem dem überörtlichen Verkehr und zieht diesen, beispielsweise Fern- und Durchreisende, sogar an? „Kommunal sind wir gut aufgestellt. Die politische Frage ist, ob wir in Unterhaching weitere E-Lade-Standorte über überregionalen Fernverkehr finden wollen“, sagt Hötzl. „Wir haben diesbezüglich wahnsinnig viele Anfragen bekommen, weil Unterhaching eben so verkehrsgünstig zwischen zwei Autobahnen liegt.“ Unter anderem interessiere sich „ein großes Unternehmen aus den USA“ dafür, eine ähnliche Anlage wie die von EnBW nahe der Anschlussstelle Unterhaching-Ost an der A 8 zu bauen.

Ersatzpflanzung für gefällte Bäume

Zuerst wird nun die Stromtankstelle von EnBW abgewickelt. Dazu gehört auch die Neupflanzung einiger Bäume, weil diese für die Anlage im Gewerbegebiet hatten gefällt werden müssen. Die Gemeinde drängt bei den Ersatzpflanzungen darauf, dass es große Bäume und keine „dürren Stangerl“ werden. „Wir sind“, so Hötzl, „mit EnBW in sehr konstruktiven Gesprächen.“ Für den Konzern allein aus Imagegründen eine Selbstverständlichkeit, die finanziell kaum ins Gewicht fällt: Bis 2025 investiert EnBW jährlich rund 100 Millionen Euro in den Ausbau der für die E-Mobilitätswende nötigen Ladeinfrastruktur.

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