Ein Screenshot eines Briefs mit geschlechtergerechter Sprache oder gendern: Mitarbeiter*innen
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Wie spricht und schreibt man geschlechtergerecht? Neuester Trend ist das so genannte Gendersternchen.

Geschlechtergerechte Sprache

Beim Sprechen und Schreiben alle Geschlechter im Blick

  • Uta Künkler
    vonUta Künkler
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Binnen-I, Unterstrich, Gendersternchen: Geschlechtergerechte Sprache ist wieder Thema. MdL Claudia Köhler sagt: „Es tut uns allen nicht weh.“ Auch Landkreisbehörden finden Wege.

  • Köhler: „Worte machen Bilder.“
  • Beliebt sind auch neutrale Formen wie Team oder Lehrkräfte.
  • Besonders das Gendersternchen bezieht sich nicht nur auf Männer und Frauen, sondern auf alle Menschen.

Landkreis – „Sitzen zwei Chirurgen an der Bar. Einer ist schwanger.“ Claudia Köhler, Landtagsabgeordnete aus Unterhaching, mag diesen Witz. Er verdeutliche kurz und knapp, worum es bei geschlechtergerechter Sprache gehe. „Worte machen Bilder. Niemand denkt daran, dass einer der Chirurgen eine Frau sein könnte“, erklärt sie. „Mir ist klar, dass ich grammatikalisch mitgemeint bin, aber ich will auch mitgedacht sein.“

Die Grünen-Politikerin schreibt und spricht gendersensibel, das ist ihr ein großes Anliegen. Ihr Parteikollege Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg, hatte jüngst gewettert, er wolle sich von „Sprachpolizisten“ nicht den Mund verbieten lassen und warnte vor „Tugendterror“. Wie halten es Behörden und Politiker*innen im Landkreis? Wir haben nachgefragt.

Mir ist klar, dass ich grammatikalisch mitgemeint bin, aber ich will mitgedacht sein: Claudia Köhler

„Sprache konstruiert Wirklichkeit“, sagt Cornelia Otto, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Garching. „Wir achten sehr streng darauf, dass sich etwa in Broschüren alle angesprochen fühlen. Gerade für uns als Behörde muss sich das von selbst verstehen.“ Eine klare Leitlinie, wie die Mitarbeitenden im Rathaus formulieren, gebe es zwar nicht, allerdings Empfehlungen. Am einfachsten seien neutrale Formen, also besser Team als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Lehrkräfte statt Lehrerinnen und Lehrer, meint Otto. Beliebt sei auch das neutrale Gerundium, also Studierende statt Studenten.

Klammer, Doppelpunkt oder beide Formen: jede und jeder nach eigener Fasson.

Ob Binnen-I, Unterstrich, Gendersternchen, Klammer, Doppelpunkt oder beide Formen – auch im Landratsamt gibt es hierzu keine Vorschrift, jede und jeder nach eigener Fasson. „Es setzt sich immer mehr in den Köpfen fest“, stellt Pressesprecherin Christine Spiegel fest. Bemüht seien eigentlich alle. „Manche versuchen es auch zu sprechen.“ Aber gerade im gesprochenen Wort wird das „Gendern“ manchmal sperrig. „Bei Grußworten nutzen wir oft beide Formen.

So weit wie Anne Will, die betont von Bürger-Innen redet, sind wir noch nicht“, sagt Annette Eichinger aus der Öffentlichkeitsarbeit für die Stadt Unterschleißheim. Geschlechtergerechte Sprache sei der Kommune ein großes Anliegen. „Wir bewegen uns da in einem Prozess“, sagt Eichinger. Erst vor wenigen Wochen habe man sich im Schriftlichen auf das große Binnen-I, also LehrerInnen, geeinigt. „Das macht es kürzer, praktischer“, sagt Eichinger.

Büchler und Hahn bevorzugen die Doppelnennung.

Mit der Doppelnennung zufrieden sind der Oberschleißheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler und der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn aus Putzbrunn. Das sei „für das Auge am angenehmsten zu lesen“, meint Hahn. Auch in Reden sei für ihn die Nennung der weiblichen und männlichen Form selbstverständlich. „Es hat sich darüber auch noch nie jemand beschwert“, sagt er.

Eine Anhängerin des Gendersternchens dagegen ist Claudia Köhler. Denn gerade dieses schließe nicht nur Männer und Frauen mit ein, sondern auch alle anderen Menschen. „Das Sternchen ist doch super. Es tut uns allen nicht weh, ist aber ein Zeichen, dass wir alle bedenken, dass alle mit einbezogen sind“, sagt die Abgeordnete.

*Dieser Text ist in geschlechtergerechter Sprache geschrieben. Es hat gar nicht wehgetan.

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