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Geben die Hoffnung nicht auf: (v.l.)  Tamara, Tamina, Franz und Fabian Bronold.

Familie aus Unterhaching hofft auf Spenden für Therapie

Delfine sollen Fabian (12) helfen

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Unterhaching - Fabian (12) ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Mit einer Delfintherapie hofft seine Familie, sein Leben zu verbessern – und sucht Spender.

Zum Abschied hebt Fabian kurz eine Hand, ein Lächeln scheint aus seinen Augen hervorzublitzen, ein paar Töne entfahren seinem Mund. Nicht zu verstehen, aber immerhin: eine Regung. „Er lautiert“, benutzt Vater Franz Bronold (57) den Fachterminus.

Eine Kommunikation über Laute, Bewegungen, Blicke: Alltag bei den Bronolds. Ein schwieriger. „Wir wissen überhaupt nicht, was bei ihm ankommt“, sagt Franz Bronold. „Aber er erkennt uns wohl schon.“

Acht Monate lang lief alles gut. Die erste Phase nach der Geburt: unauffällig, normal. Aber dann fiel den Eltern von Fabian etwas Merkwürdiges auf. Die Finger des Babys begannen flatterartig zu zittern, immer wieder. Franz Bronold und seine Frau Tamara ließen ihren Sohn in der Haunerschen Kinderklinik in München untersuchen. „Das EEG war sehr auffällig“, erinnern sie sich. Aus dem Fingerzittern wurden epileptische Anfälle, Medikamente machten sie nur noch schlimmer.

Die Diagnose der Ärzte traf die Bronolds wie ein Keulenschlag. Fabian ist schwer behindert, würde es für immer bleiben. Ein Schock.

Viel geändert hat sich seitdem nicht. Bloß, dass Fabian gewachsen ist, mit zwölf Jahren 23 Kilo wiegt, immerhin schon allein sitzen kann. Mit einer Spezialmaschine namens Innowalk, in dem die Beine festgeschnallt und der Oberkörper gestützt werden, übt Fabian zu laufen. Wenn er Hunger hat, füttern ihn seine Schwester Tamina (8) oder die Eltern. Bis zu einer Stunde lang dauert das. Das ganze Haus der Bronolds ist für das Leben mit einem behinderten Kind eingerichtet, im Wohnzimmer dient ein rund sechs Quadratmeter großes Hochbett tagsüber als Aufenthalts- und Ruhebereich. Mit Spielsachen für Babys.

2015 haben die Bronolds genetische Tests machen lassen. Das Ergebnis: keins. „Es gibt eine Liste von Symptomen, aber keinen Namen für die Krankheit“, sagt der Vater. Drei- bis viermal pro Tag erleidet Fabian Krampfanfälle, knapp eine halbe Minute lang, manchmal mit Atemstillstand. Die Eltern und Schwester Tamina sind permanent in Alarmbereitschaft.

Ob sie Hoffnung haben? „Man ist dauernd am Denken, hört nicht auf zu suchen, jeden Impuls zu prüfen“, sagt Mutter Tamara (45). Eines dieser kleinen Hoffnungsfünkchen könnte nun eine Delfintherapie sein. Die Ärzte im Kinderzentrum haben sie Fabian empfohlen. Und in der Phönix-Schule im Münchner Stadtteil Oberföhring, einem konduktiven Förderzentrum für Kinder wie Fabian, hat eine Freundin des Zwölfjährigen bemerkenswerte Erfolge mit solch einer Delfintherapie gemacht.

Svenja, so heißt das Mädchen aus Fabians Klasse, war schon dreimal bei der Delfintherapie auf der Karibikinsel Curacao. Ihr Fall ist ähnlich gelagert wie der von Fabian, dessen Familie berichtet: „Sie ist seit der Therapie wacher, hat sich im Kontakt zu anderen deutlich mehr geöffnet.“

Im Wohnzimmer in Unterhaching sitzt Fabian auf dem Schoß seiner Mutter, Speichel tropft aus dem Mundwinkel aufs hellblaue Frottee-Lätzchen, die Augen wirken abwesend. Genau dieses Entrücktsein wollen die Bronolds mittels Delfintherapie ändern: „Wir wollen mehr Zugang im kognitiven Bereich zu Fabian finden, die Kommunikation verbessern. Denn irgendwann wird Fabian ja erwachsen.“ Momentan sei er nicht nur entwicklungsverzögert, sondern stehe an einer gewissen Schwelle, an der es nicht mehr recht vorangehe: „Nicht mal mit dem Krabbeln.“ Aber auch alltägliche Fragen wie die nach dem Essen („Bei Eis würgt es ihn, Pfannkuchen mag er je nach Tagesform“) sind eine ewige Rätselei.

Krankenkassen übernehmen die enormen Kosten für eine Delfintherapie (insgesamt rund 15 000 Euro) nicht, denn es existiert keine Erfolgsgarantie. Wohl aber gibt es positive Erfahrungsberichte von Betroffenen, denen die Interaktion mit Delfinen geholfen hat. Überdies setzen die Bronolds auf den Erfahrungsschatz der Ärzte, denn weltweit sind nur vier Delfintherapiezentren zertifiziert. Und dorthin kommen Kinder wie Fabian, denen sonst offenbar nichts mehr hilft.

Ganz so einfach geht es freilich nicht. Im Delfintherapie-Center in Curaçao (CDTC) wurde Fabians Fall zunächst fachlich geprüft. Jetzt, nach einem halben Jahr, hat er einen Therapieplatz bekommen. Im August 2017.

Weil sie die 15 000 Euro dafür nicht aufbringen können, sind die Bronolds auf Spenden angewiesen. Flora (8), eine Freundin von Fabians Schwester Tamina, hat zu Hause eine Kasse aufgestellt. Jeder, der zu Besuch kommt, muss etwas einzahlen, gut 100 Euro hat das Mädchen schon gesammelt. Reichen wird dieses Engagement nicht, sodass die Familie hofft, über ein Spendenkonto bei der Hilfsorganisation „Dolphin Aid“ unterstützt zu werden. Damit Fabian, vom Gemüt her ein eher heiterer Typ, nicht mehr so traurig schaut wie oft in seinem bisherigen Leben.

Spendenkonto

Wer Fabian unterstützen mag, kann über die Organisation „Dolphin Aid“ eine Spende überweisen. Empfänger: Dolphin Aid e.V.,

Bank: Stadtsparkasse Düsseldorf, IBAN: DE 52 3005 0110 0020 0024 24, BIC: DUSSDEDDXXX

Verwendungszweck: Fabian Bronold

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