Seit 2015 gibt es in Unterhaching, nahe des Landschaftsparks, diese Asylbewerberunterkunft. Sie soll nun deutlich erweitert werden.
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Seit 2015 gibt es in Unterhaching, nahe des Landschaftsparks, diese Asylbewerberunterkunft. Sie soll nun deutlich erweitert werden.

116 neue Plätze für Asylbewerber geplant

Flüchtlinge: „Unterhaching erfüllt seine Quote nicht“

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Eine richtige Wahl bleibt der Gemeinde Unterhaching wohl nicht: Sie soll, auf Druck übergeordneter Behörden, die Zahl ihrer Flüchtlings-Unterkünfte mehr als verdoppeln.

Unterhaching – Die Traglufthallen an der Biberger Straße sind längst wieder abgebaut, auch auf dem angrenzenden Bundeswehrgelände des Luftwaffenmusikkorps ist es mittlerweile mucksmäuschenstill. Die temporären Übergangs-Unterkünfte für Asylbewerber in Unterhaching: Vergangenheit. Lange Zeit schlummerte das Thema vor sich hin, jetzt ploppt es wieder auf.

Und dies gleich mit einer gewissen Wucht: An der Hachinger Haid soll die Gemeinde im Auftrag des Landkreises dessen seit 2015 existierende Unterkunft von der Kapazität her mehr als verdoppeln (wir berichteten). Dass daran, trotz etwaiger Bedenken, kein Weg vorbeiführt: Dies machten die Vertreter des Landratsamts, Sabine Kohler und Sebastian Gier, in der Bauausschuss-Sitzung überaus deutlich.

„2738 zugewiesene Flüchtlinge leben aktuell im Landkreis München. Es müssten 1000 mehr sein“, sagte Sabine Kohler. „Die Gemeinde Unterhaching liegt damit, ihre Quote zu erfüllen, leider sehr weit hinten.“ Und die Regierung von Oberbayern als wiederum übergeordnete Behörde „drängt darauf, dass Unterhaching seine Quote erfüllt“. Das Landratsamt gibt den Druck von oben also weiter an die Gemeinde. Dies vor dem Hintergrund, dass der internationale Truppenabzug aus Afghanistan sich schon bald auswirken werde: „Wir suchen händeringend Räumlichkeiten für neue Flüchtlinge“, sagt Sabine Kohler.

Kleinere Variante nicht erwünscht

Über die Dimension des Ausbaus der Asylbewerberunterkunft aus dem Jahr 2015, seitdem vom Landkreis betrieben, herrschte zunächst Uneinigkeit. 75 Plätze gibt es bisher, 116 Betten in familiengerechtem Zuschnitt sollen nun hinzukommen. „Die erste Planung sah aus steuerlichen Gründen eine noch viel höhere Zahl vor“, erläuterte Sabine Kohler. In puncto Sozialverträglichkeit habe „die Gemeinde uns heruntergeholt“. Aber die Vertreterin des Landratsamts machte auch unmissverständlich klar: „Es wurde ab- und runtergespeckt. Eine weitere Reduzierung jedoch würde die Regierung von Oberbayern nicht mittragen.“ Im Klartext: Unterhaching hat im Prinzip keine Wahl.

Ungenutzte Grundstücke: Bürgermeister übt Kritik am Bund

Jenseits einzelner Bedenken im Bauausschuss zur Problematik, dass der Neubau ein bisschen im Überschwemmungsgebiet des Hachinger Bachs liegen könnte, dass es eine offensivere Beteiligung der Anwohner brauche und dass man sich eine Grünzugverbindung verbaue, kam grundsätzliche Kritik auf. Und zwar am Bund, dessen Grundstücke an der Biberger Straße zeitweise ja als Flüchtlingsunterkünfte dienten – jetzt liegen sie, trotz kompletter Erschließung, brach. „Es gäbe städtebaulich sinnvollere Lösungen als die jetzt angedachte. Speziell der Bund könnte sich hier einbringen, doch er stellt sich leider quer“, sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD).

Final beschlossen ist noch nichts. Die Beratung im Bauausschuss diene „nur zur Meinungsbildung“, hieß es, ebenso an diesem Donnerstag (8. Juli 2021, 18 Uhr, Kubiz) im Finanzausschuss. Ja oder nein? Diese Entscheidung soll erst nächste Woche der Gemeinderat treffen. Wenngleich ihm, angesichts der Gesamtkonstellation, kaum eine echte Wahl bleibt.

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