Bunte Häuser
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Von Grellgrün bis Rot: Auch in Unterhaching soll es künftig mehr bunte Häuser geben dürfen.

Debatte um großes Wohngebiet: Gemeinderat beschließt mehr Toleranz beim Hausanstrich

Unterhaching darf bunter werden

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Einheitsfassaden bei Privathäusern? In Unterhaching interessieren sich manche Anwohner für einen bunten Anstrich. Die Kommunalpolitik ebnet nun der Farbenvielfalt den Weg.

Unterhaching – Wer in den Mediatheken von Fernsehsendern oder im Videoportal von Youtube unter dem Stichwort „Hurtigruten“ stöbert, findet eine Reihe interessanter Reportagen über die Reise mit dem Postschiff bis zum Nordkap. Was, neben der eindrucksvollen Fjordlandschaft, ins Auge sticht, ist die Buntheit der skandinavischen Holzhäuser in Hafenorten wie beispielsweise Kirkenes.

Ein Hauch von Norwegen könnte nun auch in Unterhaching Einzug halten: Bei der kommunalpolitischen Debatte zum neuen Bebauungsplan 103B für das riesige Wohngebiet westlich der Robert-Koch-Straße ging es vor allem um die Farbgebung beim Fassadenanstrich. Einstimmiges Fazit im Bauausschuss: Unterhaching darf bunt werden.

Bis ins Jahr 2012 zurück reicht das Verfahren – um den Bedürfnissen der Anwohner in diesem Nachverdichtungsgebiet Rechnung zu tragen, konzipierte die Verwaltung einen neuen Bebauungsplan. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung wurden jetzt diverse Stellungnahmen abgearbeitet. Eine davon drehte sich um die Farbgebung der Häuser.

Es sollten künftig „sehr bunte Hausfarben genehmigt werden“, lautete der Wunsch von Anwohnern aus der Lilienthalstraße, „eine satte Farbe lockert die Umgebung auf.“

Nicht nur Nachbarschaftsfrieden

Wie knallig darf‘s denn sein? Soll die Gemeinde Vorgaben zur Fassadenfarbe machen oder nicht? Eine schwierige Abwägungsfrage, zu der Stefan Lauszat, Chef der Bauverwaltung, wertneutral sagte: „Wir haben in Unterhaching nicht nur Nachbarschaftsfrieden. Manch einer erzürnt sich am kräftigen Orange einer Hauswand oder am Hellblau eines Gartentürchens. Leben und leben lassen – oder die Farbgebung regeln?“

Stefan König (Grüne), der sogar einige fächerartige Farbmuster mitgebracht hatte, plädierte für Toleranz. „Ich denke, wir können den Bürgern mehr Farbe gönnen – dem Areal steht das gut“, fand er. Julia Mittermeier (Freie Wähler) sorgte sich dagegen, „ein Smarties Style“ könnte Einzug halten. Sie verwies auf die emotionale Farbdebatte zur Hausoptik in der Rodelbergsiedlung im Januar 2019 (wir berichteten), für den Unterhachinger Westen schlug sie allerdings vor: „Wir sollten den Leuten mehr Freiheit lassen. Es geht doch bloß um Einzelfälle, und die sind nicht dramatisch.“

Bürgermeister ist offen für Individualität

Nun ja, über Farbgeschmack lässt sich streiten. Den Antrag auf ein rosa Haus gab es schon, nach dem dunklen Gegenteil fragte Sebastian Ruppert (SPD): „Dürfte jemand, wenn wir keine Regelung treffen, sein Haus auch schwarz streichen?“ Ja, erläuterte Bürgermeister und Parteikollege Wolfgang Panzer, persönlich ein Freund des Vielerlei: „Mein Haus ist gelb und hat eine rote Tür. Und wenn jemand meint, er müsse den einen Fensterladen grün und den anderen blau streichen – ja mei, warum nicht, das ist halt Individualität.“

Wo aber liegt die Schmerzgrenze? „Es gibt auch andere hässliche Farben als schwarz“, sagte Anton Schrobenhauser (CSU). „Was, wenn jemand sein Haus neongrün streichen will?“ Kein Scherz, solche Anfragen gebe es schon, verriet Stefan Lauszat. „Neonfarben, blau strahlende Dacheindeckungen – wir werden immer wieder mit teils ganz wilden Farbkombinationen konfrontiert.“ Manchen Nachbarn sei so etwas egal, „andere fürchten einen psychischen Schaden beim Blick aus dem Fenster“, so der Bauverwaltungschef. Und nun? Der politisch bunt zusammengesetzte Bauausschuss einigte sich in der Farbfrage auf Freizügigkeit: keinerlei Vorgaben im Bebauungsplan.

Pflanzliste: Was sind heimische Arten?

Ein weiterer Aufreger: die Pflanzenliste der Gemeinde für die Gartenbegrünung. Ein Bürger hatte schriftlich moniert, hier seien zu viele „nicht-heimische Arten“ vorgegeben, als Beispiele nannte er unter anderem Crataegus larvigata oder Gleditsia triacanthos. „Diese sollten aus der Pflanzliste gestrichen und durch weitere heimische Arten ergänzt werden“, fordert der Anwohner. So einfach ist das aber nicht. „Was ist denn heimisch?“, fragte Wolfgang Panzer. Stefan Lauszat ergänzte: „Das Klima ändert sich, die falschen Bäume kommen damit möglicherweise nicht zurecht.“ In der Pflanzenfrage werde man bis zur Gemeinderatssitzung am 21. April inhaltlich „noch eine Runde drehen“. Bis dahin bleibt die Pflanzenfrage, anders als die Farbfrage, unbeantwortet.

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