Die Frischluftschneise für Münchens Süden.
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Die Frischluftschneise für Münchens Süden.

Frischluftschneise

Unterhachings zweifelhafter Spagat

  • vonAndreas Sachse
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Der Gemeinderat kritisiert die Pläne der Nachbargemeinde Taufkirchen für die Frischluftschneise – trotz eigener Bauvorhaben.

Unterhaching – In einem klaren Votum hat sich die Gemeinde Unterhaching für den Schutz der Frischluftschneise ausgesprochen. Einstimmig kritisierten die Fraktionen im Gemeinderat Pläne aus Taufkirchen, den für die Region bedeutsamen Grünzug im Hachinger Tal zu bebauen. Dabei muss Unterhaching sich selbst dem Vorwurf aussetzen, eigenen Gewerbe-Plänen Vorschub zu leisten.

Neubiberg, Unterhaching und jetzt auch noch Taufkirchen: Alle drei Kommunen rücken der Frischluftschneise auf die Pelle. Umweltschützer schlagen Alarm. Die Kritik: Durch jegliche Form der Bebauung laufe die Region bis hinauf nach München Gefahr, von Frischluftzufuhr aus den Alpen abgeschnitten zu werden.

Gemeinde verfolgt eigenen Pläne im Umfeld der Frischluftschneise

Um so größeres Gewicht fällt der jüngsten Entscheidung im Unterhachinger Ferienausschuss zu, dem von Taufkirchen geplanten „Jochen-Schweizer-Quartier“ mit Hotel, Tagungszentrum und Büros den Segen zu verwehren. Gleichzeitig verfolgt die Gemeinde aber eigene Pläne, im Umfeld der Frischluftschneise. Dieselben Fraktionen, die für den unbedingten Schutz des Grünzugs eintreten, stimmten Ende Juni für ein Gewerbegebiet im Hachinger Norden. Einzig die Grünen zogen nicht mit.

Kritiker deuten den Hachinger Spagat als Tanz auf Messers Schneide. Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Claudia Köhler, sieht sich in ein „Lehrstück in Sachen Politverdrossenheit“ versetzt. Über Monate hatte man das von Neubiberg geplante Gewerbegebiet auf dem Kapellenfeld kritisiert – nur um den Nachbarn im Norden mit eigenen Plänen zu überholen. „Neubiberg hat zumindest noch keinen Bebauungsplan“, sagte Köhler, die sich von der Politik ihrer Gemeinde verschaukelt fühlt. Sechs Wochen darauf wiederum stemmen sich die Fraktionen gegen die Taufkirchner Gewerbepläne; wobei das Rathaus die Pläne ohne Einwände durchgewunken hätte.

Simon Hötzl: „Rein rechtlich muss man sich so einem Ergebnis anschließen“

Unterhachings Rathaussprecher, Simon Hötzl, vermag in der Haltung seiner Gemeinde keinen Widerspruch zu erkennen: Taufkirchen hatte das „Jochen-Schweizer-Quartier“ in einem eigenen Gutachten als Klima-verträglich beschrieben. „Rein rechtlich muss man sich so einem Ergebnis anschließen,“ sagt er. Gleichzeitig habe man in der Beschlussvorlage zur Sitzung des Ferienausschusses sehr wohl darauf hingewiesen, den mit 25 500 Quadratmetern Bebauung und bis zu 27 Meter hohen Gebäuden anvisierten Eingriff in den regionalen Grünzug durchaus kritisch zu sehen.

Was das eigene Vorhaben betrifft, würde das Gewerbegebiet Unterhaching Nord gar nicht bis in die Frischluftschneise hinein reichen. „Die Bebauung endet am Rand des Grünzugs.“ Hötzl spricht von „maßvoller Nachverdichtung“, eine nur „punktuelle Erhöhung einiger Gebäude“. Es seien auch keine geschlossenen Gebäuderiegel vorgesehen. „Die Frischluftzufuhr bleibt gewährleistet.

Unterhaching will mit gewichtigeren Argumenten nachlegen

Trotz der Empfehlung, die Taufkirchner Pläne abzusegnen, sieht Hötzl sich dem „starken einstimmigen Signal“ der Fraktionen verpflichtet, den Grünzug nicht zu bebauen. „Wir wollen es denen so schwer wie möglich machen, die Stellungnahme zu den Akten zu legen.“

Grundsätzlich kommen Stellungnahmen von Nachbarkommunen kein sonderliches Gewicht zu. Das Votum aus Unterhaching wird man in Taufkirchen zur Kenntnis nehmen. Hötzl kündigte an, mit gewichtigeren Argumenten nachzulegen, etwa dem mikroklimatischen Gutachten (siehe Kasten). „Mal sehen, wie die dann mit unserer Stellungnahme umgehen.“

Münchens Alpine Pumpen

Die von München über Neubiberg, Unterhaching und Taufkirchen in den Alpenraum reichende Frischluftschneise versorgt vor allem den Südosten der Landeshauptstadt mit unbelasteter Luft aus den Bergen, dem sogenannten „Alpinen Pumpen“. Ohne Frischluft aus den Alpen steigt die Zahl heißer Tage nach Informationen von Klimaforschern an; die Nächte kühlen nicht ab. Im Dezember 2019 gab der Münchner Stadtrat ein mikroklimatisches Gutachten in Auftrag, die Folgen der Bebauung des Hachinger Tals „flächengenau“ zu ermitteln. Die Ergebnisse hätten Umweltschützer gern abgewartet, bevor der Hachinger Gemeinderat dem Gewerbegebiet Nord im Juni mehrheitlich zustimmte.

Aus der Gemeinde: Nach der Sanierung dürfen die Mitglieder nicht mehr in der Turnhalle des Lise-Meitner-Gymnasiums trainieren.

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