Friseurmeister Thomas Schweiger aus Ismaning kommt Frauen mit einfachen Haarschnitten preislich entgegen. gefö
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Friseurmeister Thomas Schweiger aus Ismaning kommt Frauen mit einfachen Haarschnitten preislich entgegen.

„Wird so bleiben“

Auch bei gleichem Haarschnitt: Warum Frauen beim Friseur immer mehr zahlen als Männer

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Frauen zahlen beim Friseur fast immer mehr als Männer - auch bei gleichem Haarschnitt. Die meisten Friseure geben das „Gender Pricing“ ungeniert zu.

Landkreis – Wenn Friseursalons nach dem langen Corona-Lockdown bald wieder öffnen dürfen, müssen Frauen für den gleichen Haarschnitt tiefer in den Geldbeutel greifen als Männer. Das zeigt eine Umfrage des Münchner Merkur. Die Preislisten der Friseure im Landkreis sprechen eine deutliche Sprache: Frauen zahlen oft zehn Euro mehr, manchmal auch 20 – für einen ähnlichen Haarschnitt.

Nach dem Corona-Lockdown: Friseure bald wieder offen - doch die Preisunterschiede bleiben

„Dass Frauen mehr zahlen war schon immer so und wird auch so bleiben“, sagt Mandy Weedermann vom Salon „bellissima“ in Oberhaching. Weibliche Kunden zahlen hier pauschal mehr Geld. Mehr Beratung, mehr Schneiden, mehr Kaffee, mehr „Quatschen“: Frauen würden mehr Zeit im Salon verbringen. Das kostet. Männer dagegen würden öfters ihre Haare schneiden lassen, dementsprechend sei der Aufwand für Friseure nicht so hoch, sagt Weedermann.

Dass Frauen mehr zahlen war schon immer so und wird auch so bleiben.

Mandy Weedermann, Inhaberin Salon „bellissima“ in Oberhaching

„Gender Pricing“ bei Friseuren: Manchmal zahlen auch Männer Aufpreis

Wie fast immer im Leben gibt es Ausnahmen – auch im Friseursalon. „Brauchen Männer länger als geplant, verlangen wir auch mehr Geld“, sagt Weedermann. Zudem müssten Frauen mit kurzen Haaren weniger zahlen als die mit langen Haaren.

Gleicher Haarschnitt, gleicher Preis. Das ist das Credo von Friseurmeister Thomas Schweiger. Er betreibt das „Monaco Cut“ in Ismaning. Männer mit langen Haaren zahlen einen Aufpreis. Frauen, deren Haarschnitte weniger Aufwand brauchen, würde man hier preislich entgegenkommen. „Unsere Kunden schätzen das“, sagt er.

Frauen beim Friseur zahlen mehr: Antidiskriminierungsstelle - „nach Unisex-Tarifen fragen“

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bezeichnet in einer Studie unterschiedliche Preise nach Geschlecht als „Gender Pricing“. Demnach bieten nur elf Prozent der Friseure gleichartige Kurzhaarschnitte auch zum gleichen Preis für Frauen an. Die Bundesbehörde empfiehlt Kundinnen „nach Unisex-Tarifen zu fragen oder auf andere Anbieter auszuweichen, die gleiche Tarife anbieten“.

Weg mit der Lockdown-Friese: Viele Friseure geben „Gender Pricing“ offen zu

Der Chef der Münchner Friseurinnung, Christian Kaiser, hat sich schon öfters mit Preisdifferenzierung auseinandergesetzt. „Das Thema kommt öfters auf“, sagt er. Immer wieder gebe es bei der Innung Beschwerden von Kundinnen wegen unterschiedlicher Preise. „Ich sehe hier keine Ungleichbehandlung von Mann und Frau“, sagt der Friseur-Obermeister.

Das Problem mit den Preisen: Die Kalkulation entstehe aus Zeit- und Materialaufwand. „Der Friseur kann nicht für jeden Kunden ein eigenes Angebot machen“, sagt Kaiser. Das würde viel zu lange dauern und Haarschnitte letztlich teurer machen. Für Männer werde eben pauschal weniger Zeit eingeplant. Wem das zu blöd ist, der kann immer noch versuchen, seine Haare selbst zu schneiden.

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