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Stefan Schraut ist seit 2008 Polizeichef der Inspektion in Unterhaching.

Unterhaching - 1860

Ausnahmezustand in Haching: Das sagt der Polizeichef vor dem „Wiesn-Derby“

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SpVgg Haching gegen TSV 1860 München, das gab es zuletzt 2006. Jetzt also wieder - in der 3. Liga. Was sagt der Polizeichef zum Ausnahmezustand beim Wiesn-Derby?

Unterhaching – Ausnahmezustand in Unterhaching am Mittwoch: Erstmals seit dem 1. Dezember 2006 ist das Fußballstadion wieder ausverkauft. Der Gegner damals ist der gleiche wie morgen Abend: der TSV 1860 München. Über die Sicherheitslage rund ums Drittliga-Derby (Anstoß ist um 19 Uhr) haben wir mit Stefan Schraut (55) gesprochen, seit 2008 Chef der Polizeiinspektion 31 in Unterhaching – er leitet den Einsatz.

Zum Auftakt des Oktoberfests hat Münchens OB Dieter Reiter heuer glatt vergessen, „eine friedliche Wiesn“ zu wünschen. Jetzt kommt es während der Wiesn zum Fußballderby – erwarten Sie ein friedliches Drumherum?

Alle Anzeichen sprechen dafür: Die Fans beider Lager haben vorab versprochen, dass es friedlich bleiben wird.

Rechnen Sie mit Pyrotechnik im Stadion?

Wir treffen Vorkehrungen, damit keine Pyrotechnik ins Stadion reinkommt, aber die Erfahrung zeigt: Unmöglich ist gar nichts. In der Allianz-Arena hat man ein paar Jahren mal die Leute einzeln in Umkleidekabinen ausgezogen – sowas brauchen wir nicht. Wenn’s einer schafft. Pyrotechnik reinzuschmuggeln: Gratulation, dann hat er ein Jahr lang spielfrei, also bundesweit Stadionverbot.

Über die Hälfte der Zuschauer werden 1860-Fans sein. Wie schätzen Sie beim Derby das Risiko-Potenzial für Ausschreitungen ein?

Fans brauchen ja ein Gegenüber, wenn sie Ärger machen wollen. Wir gehen davon aus, dass sich beide Fan-Lager ganz gut leiden können, es gibt sogar Fan-Freundschaften. Daher glaube ich nicht, dass es zu Schlägereien kommt. Aber alkoholbedingte Aussetzer kann man nie vermeiden.

Stichwort Alkohol, die SpVgg Unterhaching lässt sogar zusätzliche Bierbuden aufbauen, um den Durst der Löwen-Fans zu stillen. Gibt es eine Promillegrenze?

Es gibt Sichtkontrollen. Wenn einer auf allen Vieren, mit der Eintrittskarte in den Zähnen, auf die Ordner zukrabbelt, dann soll der seinen Rausch lieber draußen ausschlafen. Aber grundsätzlich: Nüchternheit wird nicht verlangt im Stadion.

Wie groß wird das Einsatzaufgebot sein?

Das darf ich Ihnen natürlich nicht sagen. Aber der Ordnungsdienst und die Polizei sind gut aufgestellt. Bei Bedarf würden wir innerhalb kürzester Zeit zusätzliche Unterstützung bekommen.

Wie werden die Fan-Ströme kanalisiert?

Ich hoffe, dass es großer Teil mit der S-Bahn kommt. Bei der Abfahrt wird es eine zusätzliche Sonder-S-Bahn geben, sodass wir innerhalb einer halben Stunden fast 4000 Fans nach München bringen können. Wünschenswert wäre, dass möglichst wenige mit dem Auto kommen – beim Pokalspiel gegen Leverkusen 15. Dezember 2015; d. Red.) kamen rund 12 000 Leute, da ist der Verkehr in Unterhaching kurzzeitig vollkommen zum Erliegen gekommen. Auch wenn Infineon diesmal Parkplätze zur Verfügung stellt, in dieser Größenordnung sind Parkplätze einfach rar. Deshalb hoffe ich, dass die meisten öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Werden die Fans bei der Anreise schon getrennt?

Nein, eine echte Fan-Trennung bringen wir nicht her. Das wird sich durchmischen, sowohl bei der Anreise als auch im Biergarten vorm Sportpark. Wir hoffen, dass alles friedlich bleibt.

Beim jüngsten Heimspiel gegen Würzburg kamen viele der 3200 Zuschauer auf den letzten Drücker und deshalb verspätet auf ihre Plätze. Was raten Sie im Hinblick auf die Einlasskontrollen?

Um 17 Uhr ist Stadionöffnung. Wer eine mindestens Stunde vorher da ist, kommt geschmeidig rein. Aber wer meint, eine Viertelstunde reicht, der wird wohl den Anstoß von draußen erleben.

Es heißt, 30 000 Karten hätten verkauft werden können. Wie agieren Sie gegenüber Schwarzmarkthändlern?

Bis zu drei Karten sind erlaubt, die kann jemand auch verkaufen. Sind es mehr, greifen wir ein.

Wie halten Sie es persönlich, fiebern Sie als Unterhachinger Polizeichef auch mit der SpVgg?

Ich bin seit jeher Bayern-Fan, ein bisschen Haching-Fan – und, zum Trost für die Löwen-Fans: Ich trage eine blaue Uniform.

Käpt’n-Gipfel vorm Stadt-Derby: Löwe Weber und Hachings Welzmüller im Interview

Am Mittwoch ab 19 Uhr: Live-Ticker - Haching gegen die Löwen

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