Überschwemmung in Schäftlarn: Die Isar flutete gestern eine Wiese in Schäftlarn. Das Wasser stand hier knapp 4,20 Meter hoch, es floss nur knapp unterhalb der Dürnsteiner Brücke.
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Überschwemmung in Schäftlarn: Die Isar flutete gestern eine Wiese in Schäftlarn. Das Wasser stand hier knapp 4,20 Meter hoch.

Analyse der Gefahrenstellen

Hochwasserkatastrophe auch im Landkreis München möglich? Hier wird es gefährlich

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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  • Charlotte Borst
    Charlotte Borst
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Wenn die Isar ihren Höchststand erreicht, geht der Blick der Feuerwehr erst nach Schäftlarn. Auch die Isarhänge und der Hachinger Bach sind Gefahrenstellen.

Landkreis – In Schäftlarn ist die Isar am Montagabend über ihre Ufer getreten und hat die Wiesen geflutet. Doch die Überschwemmungen an der Dürnsteiner Brücke sind prognostiziert. Der Freistaat hat die Wiesen zum Hochwasserschutz erworben. Auch der Schwebelbach südlich von Oberschleißheim, der Hachinger Bach und die rutschgefährdeten Isarhänge stehen unter Kontrolle.

Hochwasser im Landkreis München: Wasserwirtschaftsamt ruft Meldestufe 2 aus

Das Wasserwirtschaftsamt München hat für die Landeshauptstadt und den Landkreis München die Hochwasser-Meldestufe 2 ausgerufen. Aus dem Sylvensteinspeicher wird Wasser abgelassen, um dort Stauraum zu gewinnen. Deswegen ist eine erhöhte Wasserabgabe an die Isar nötig. Trotz Sonnenscheins ist daher laut Wasserwirtschaftsamt noch mit länger andauerndem Hochwasser in der Isar zu rechnen. Der höchste Wasserstand im Landkreis war mit knapp 4,20 Meter in Schäftlarn am Dienstag erreicht.

Doch der Dauerregen ist vorbei, akute Gefahr herrscht nicht. „Die Lage bei uns im Landkreis ist ruhig“, sagt Kreisbrandinspektor Erwin Ettl. Es bleibt aber die Frage: Sind Überschwemmungen wie im Westen Deutschlands auch bei uns denkbar?

Osthang der Isar ist abrutschgefährdet

Die Gefahrenstellen sind aufgrund der Pfingsthochwasser von 1999 und 2013 identifiziert. „Das Augenmerk der Feuerwehren gilt bei Dauerregen zuerst dem Isartal bei Schäftlarn“, erklärt Kreisbrandinspektor Ettl. Die Verantwortlichen der Feuerwehr behalten die Situation im Blick und verfolgen interne Nachrichtenkanäle. Auch die Würm und der Hachinger Bach stünden unter besonderer Beobachtung.

Aber nicht nur von Gewässern, sondern auch von unterspülten Hängen geht Gefahr aus: Auf Grund des Starkregens sind die Isarhänge bei Schäftlarn abrutschgefährdet. Das Staatliche Bauamt Weilheim hat die St 2071 zwischen Kloster Schäftlarn und Beigarten am Freitag vollgesperrt. Seit dem Jahr 2000 überwacht es die langsamen Bewegungen im östlichen Isarhang und misst, ob sich Erdvolumen verschiebt.

Risse warnen vor Erdbewegungen

In den vergangenen Tagen hätten sich die Werte der eingebauten Messgeräte verschlechtert und Risse in der Fahrbahn verlängert, teilt das Staatliche Bauamt Weilheim mit. Die Bauvorbereitungen zum Sichern des Hangs laufen. Man will den Hang so schnell wie möglich festigen, damit die Straße wieder befahren werden kann.

Auch auf der Straße am westlichen Isarhang haben sich Risse gebildet. Die Klosterstraße, die vom Kloster hinauf nach Hohenschäftlarn führt, hat das Staatliche Bauamt Freising am Montag auf einer Strecke von 40 Metern halbseitig sperren lassen. „Wir haben die Risse vergossen“, erklärt Sprecher Thomas Jakob. Das sei eine Kontrollmöglichkeit: An den Enden der Risse werden Nägel eingeschlagen, „so können wir messen, ob sich die Risse verlängern“, sagt Jakob, „das wäre ein Anzeichen, dass sich der Untergrund bewegt.“

Studie zum Hachinger Bach noch nicht fertig

Wenn der Hachinger Bach über seine Ufer tritt, macht er nicht vor Gemeindegrenze Halt. 2013 drohten in Unterhaching ganze Anwohnergebiete überschwemmt zu werden. Die Anrainergemeinden Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching, Neubiberg und die Stadt München, die mit Ramersdorf-Perlach betroffen ist, setzen auf einen gemeinsamen Hochwasserschutz. Die Landeshauptstadt lässt auf ihre Kosten ein Gutachten erstellen, das 2017 ausgeschrieben wurde, aber noch auf sich warten lässt.

Auf Anfrage des Münchner Merkur teilte das Umweltamt der Stadt München gestern mit, dass die Studie fast fertig sei. Am 24. Juni seien die Ergebnisse den beteiligten Gemeinden auf Verwaltungsebene vorgestellt worden, berichtet Pressesprecherin Gesine Beste. Sobald der Landeshauptstadt der Abschlussbericht der Ingenieure vorliege, werde der Stadtrat über die weitere Zusammenarbeit entscheiden und Maßnahmen mit den Gemeinden am Oberlauf des Hachinger Bachs erörtern.

Maßnahmen des Landkreises im Hochwassereinsatz

Im Falle eines Hochwassers übernimmt der Katastrophenschutz im Landratsamt die Information der Bürger und Beteiligten, etwa Gemeinden, Autobahndirektion und Polizei. Wenn nötig, fordert der Katastrophenschutz Kräfte der DLRG, des THW, der Bundeswehr und der Wasserwacht an.

Aktuell hat die Wasserwacht Bayern etwa zwei Hochwasserrettungszüge ins Flutkatastrophengebiet nach Nordrhein-Westfalen versendet. Außerdem stellt die Münchner Wasserwacht einen aktiven Hochwasserrettungszug, der im Bedarfsfall auch sofort besetzt wird. Zwei Schnelleinsatzgruppen der Wasserwacht München sind 24/7 in Bereitschaft um bei Wassernotfällen sofort auszurücken.

Erreicht ein Hochwasser das Ausmaß einer Katastrophe übernimmt das Landratsamt die Führung, teilt eine Sprecherin der Kreisverwaltung mit. Vor Ort würden in der Regel örtliche Einsatzleiter bestimmt. Der Landkreis verfügt über spezielle Geräte für Hochwassereinsätze, etwa einen Hochwasser-Lastwagen, eine mobile Notunterkunft für 200 Personen und Sandsackabfüllanlage. Zudem gibt es eine Hochleistungspumpe, sie war beim Überlaufen des Deininger Weihers vor zwei Jahren im Einsatz.

Trotz des Bade- und Bootfahrverbot auf der Isar in München, paddelte ein Vater entspannt mit seiner Tochter den reißenden Fluss entlang. Dass die beiden sich dadruch in Lebensgefahr begeben, schien ihn nicht zu kümmern.

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