Kinderturnen beim TSV Unterhaching.
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Attraktiv und für Familien erschwinglich bleiben soll das Sportangebot des TSV Unterhaching. Der bittet die Gemeinde nun um finanzielle Unterstützung für drei Diplom-Sportlehrer, die man dringend benötige.

Sportverein kämpft um Überlebensfähigkeit und bittet Gemeinde um finanzielle Hilfe

Gefeilsche um Trainerstellen beim TSV Unterhaching

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Ein Schwund von rund 1000 Mitgliedern, weniger Einnahmen: Die Coronakrise trifft den TSV Unterhaching. Nun will der Sportverein sich zukunftsfit machen. Was teuer ist.

Unterhaching – Wie sehr die Corona-Pandemie den TSV Unterhaching beutelt, machten Vizepräsident Robert Langwieser und Geschäftsführer Mihai Paduretu im Finanzausschuss deutlich. Seit Juni 2020 schrumpft wie Mitgliederzahl von ehemals etwa 4000 auf voraussichtlich 3000 in diesem Sommer. Überdies entfallen die Gebühren durch etwa 300 Kursteilnehmer, entsprechend reduzieren sich die Beitragseinnahmen des Sportvereins, jeweils zum Stichtag 1. Juli, von 791 000 Euro (2020) auf 650 000 Euro (2021) auf 590 000 Euro (2022). Rund sieben Jahre, rechnete Langwieser vor, werde es dauern, den Schwund von 1000 Mitgliedern zu kompensieren. Dafür hat der TSV Unterhaching ein ambitioniertes Konzept entwickelt – und für das braucht der Verein die finanzielle Unterstützung der Gemeinde.

Ein Ausbau der schon bestehenden Kinder-Sportschule KiSS, neue Angebote im Outdoorbereich sowie im Gesundheits- und Seniorensport: „Wir wollen bereit sein für den Re-Start“, sagte Robert Langwieser. Gerade auch mit Blick auf die Konkurrenzsituation durch private Anbieter sowie die Nachbarvereine SV-DJK Taufkirchen und TSV Oberhaching.

Drei Diplom-Sportlehrer stehen auf der Wunschliste

Weil der TSV Unterhaching kaum noch ehrenamtliche Übungsleiter auf Honorarbasis findet, außer in den Abendstunden, will der Verein für ein attraktives Ganztags-Angebot drei Diplom-Sportlehrer einstellen. Für deren Jahresgehalt, dreimal rund 83 000 machen 250 000 Euro, beantragte der Verein einen Personalkostenzuschuss. Und löste damit unter den Kommunalpolitikern eine sehr lebhafte Debatte aus.

Flösse solch eine Investition möglicherweise auch in den Leistungs- und nicht nur in den Breitensport? Wie steht es angesichts von Corona um die Planungssicherheit, sowohl beim Sport- als auch beim Personalkonzept? Wie gut die ist Auslastung der KiSS-Sportschule im Vergleich zu anderen Vereinen?

All diese Fragen konnte der TSV Unterhaching sachlich nüchtern beantworten. Dass die Volleyball-Bundesliga finanziell über Sponsoren komplett ausgelagert sei. Dass „KiSS light“ nicht funktioniert habe. Dass der TSV, wenn er alternativ seine Rücklagen aufzehren würde, „mit dem Rücken zur Wand“ stünde, so Langwieser. Dass der TSV „mit der teuerste Verein in der Region“ sei, weil man vergleichsweise hohe Nutzungsgebühren für Sportstätten an die Gemeinde zahlen müsse.

Musikschule und VHS werden von Kommune ordentlich bezuschusst

Der letztgenannte Punkt animierte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) mehrmals zum Versuch, den Widerstand gegen den Personalkostenzuschuss für die drei Diplom-Sportlehrer zu brechen. „Durch die Hallengebühren erhalten wir viel finanziellen Rückfluss vom TSV“, sagte Panzer. Und ebenso wie die kommunal massiv unterstützte VHS und die Musikschule stehe der Sportverein „für ein Stück Lebensqualität in Unterhaching“. Wäre es also nicht gerecht, hier ähnlich großzügig sein?

Bemerkenswert am Rande war eine Zahl, die Langwieser nannte: Schon jetzt gebe der TSV aus Eigenmitteln 500 000 Euro pro Jahr für Übungsleiterhonorare aus.

Flammender Appell des Dritten Bürgermeisters Richard Raiser

Richard Raiser (CSU), Dritter Bürgermeister, hörte sich die Diskussion lange an – dann schäumte er: „Verdammt nochmal! Der TSV Unterhaching hat ein Konzept vorgelegt, um überlebensfähig zu bleiben, und das funktioniert nur mit der Einstellung von drei Diplom-Sportlehrern. Wir sollten keine fadenscheinigen Kompromisse machen. Warum senden wir nicht das Signal an den TSV, ihn ähnlich zu unterstützen wie Musikschule und VHS?“

Ein flammender Appell – doch bei aller wortreich kommunizierten Liebe zum Sport fiel das Bekenntnis dazu dünner aus. „Ich mag hier keinen türkischen Basar aufmachen“, sagte TSV-Vize Robert Langwieser, doch genau in diese Richtung tendierte die Debatte: Wieviel Sportlehrerstellen sollen dem TSV gewährt werden? In welchem Zeitrahmen erfolgen Evaluierung und Abrechnung?

Am Ende der Debatte steht ein abgespeckter Mittelweg

„Wir sollten uns nichts in die Tasche lügen“, sagte Michael Durach. Mit einem Zeitvertragspoker von Jahr zu Jahr gewinne man keine qualifizierten Kräfte, es gehe um eine klare statt prekäre Perspektive bis 2024 – spätestens dann soll die Evaluierung stattfinden. Das sah Peter Wöstenbrink (SPD) ähnlich: „Der TSV Unterhaching befindet sich in eingeschwungenem Zustand – den müssen wir stabilisieren.“

Diese Stabilisierung sieht nun so aus: Anders als beantragt soll der TSV Unterhaching nur 90 000 Euro für 2021 sowie je 180 000 Euro für die beiden Folgejahre erhalten. Ein abgespeckter Mittelweg also, bei dem sich zeigen wird, ob und inwiefern er dem Verein nützt.

Wegen Corona-Pandemie: Hallengebühren werden dem Vereins teilweise erlassen

Neben 250.000 Euro Personalkosten hat der TSV Unterhaching in zwei Anträgen auch um den Erlass sowie die Aussetzung der Gebühren für die Benutzung von Sporthallen gebeten. Dazu war der Verein 2005 von Bürgermeister Erwin Knapek gezwungen worden, was damals zum Rücktritt von TSV-Präsident Clemens Sprey führte. Rund 10.000 Euro pro Monat betragen diese Gebühren, obwohl der TSV Unterhaching die Sportstätten während des Corona-Lockdowns nicht nutzen konnte. Dies sei „unbillig“, befand der Finanzausschuss. Allerdings: Für November/Dezember 2020 hatte der TSV schon brav gezahlt, eine Rückerstattung sei steuertechnisch nicht mehr möglich. Für Januar/Februar 2021 wurde die Aussetzung der Zahlungen aber gebilligt – und die kommenden Monate seien abzuwarten. mbe

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