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„Für ein Leben mit Musik“ lautet das Leitmotiv der Musikschule Unterhaching. Die soll, so will es die Gemeinde, statt auf festangestellte Lehrer mehr auf Honorarkräfte setzen, um sie bei Geldmangel schneller feuern zu können. 

Hinweis von Gemeinde an Musikschule

Lehrer im Notfall schneller feuern können

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Ein kritischer Hinweis vom Rechnungsprüfungsausschuss hat im Unterhachinger Gemeinderat eine heftige Debatte ausgelöst. Es geht darum, wie sozialverantwortlich die Kommune mit der örtlichen Musikschule umgehen soll.

Unterhaching– Mit fast 700 000 Euro unterstützt die Gemeinde heuer die Musikschule, 360 000 Euro fließen an die VHS. Beide Zuschüsse sind jetzt vom Rechnungsprüfungsausschuss moniert worden. Mit knapper 11:9-Stimmenmehrheit beschloss der Gemeinderat, beide Institutionen auf mögliche Kürzungen hinzuweisen.

Bei der VHS richtete sich die Kritik dagegen, dass es im Kursangebot Überschneidungen mit den Angeboten für Senioren im Kubiz gebe. Falls diese Überschneidungen nicht abgebaut werden (was die Verwaltung anhand der Kursprogramme überprüfen soll), könnten Zuschüsse schlimmstenfalls gekürzt werden.

Etwas komplizierter liegt der Sachverhalt bei der Musikschule. Hier rügte der siebenköpfige Rechnungsprüfungsausschuss, dass die Quote der festangestellten Musiklehrer mit nahezu 100 Prozent zu hoch sei. Wörtlich hieß es im Bericht der Rechnungsprüfer, die Musikschule könne bei etwaigen Zuschusskürzungen „nicht angemessen flexibel reagieren“. Deshalb solle der „Anteil der festangestellten Dienstkräfte reduziert werden“, künftig frei werdende Planstellen seien durch Honorarkräfte zu ersetzen. Die Quotenvorgabe: nur noch 80 Prozent Festangestellte. Bei Nichteinhaltung werde der kommunale Zuschuss gekürzt.

Ins Nicht-Amtsdeutsch übersetzt bedeutet dies im Prinzip, dass die Musikschule in eine Personalkonstellation gezwungen werden soll, in der sie ein Fünftel ihrer Musiklehrer bei wirtschaftlicher schwieriger Lage unkompliziert rauswerfen kann. Ein Gedankenansatz, der die Kommunalpolitiker entzweite, teils sogar parteiintern.

Christine Helming (Grüne) sah darin „eine ganz gefährliche Entwicklung“, denn jahrelang habe man genau das Gegenteil gefordert und auf festangestellte Kräfte gepocht. „Ich warne davor, das jetzt rückgängig zu machen.“ Ihre Parteikollegin Claudia Köhler ergänzte mit hörbarer Wut: „Als Kommune sind wir ein soziales Vorbild. Die Musiklehrer bekommen nichts geschenkt, wir sollten sie anständig bezahlen.“

Auch Waltraud Rensch (SPD) schnaubte vor Ärger. „Ich rüge den Rechnungsprüfungsausschuss! Das ist lächerlich – man merkt, dass einige sich nicht richtig mit dem Thema befassen.“

Gegen diese scharfen Worte wehrten sich wiederum die SPD-Genossen Monika Kormann-Lassas und Peter Wöstenbrink, die beide im besagten Rechnungsprüfungsausschuss sitzen. Es gehe darum, die Musikschule „vor dem Risiko zu bewahren, wenn die Zuschüsse mal nicht mehr so hoch ausfallen wie heute“, sagte Kormann-Lassas. Auch Wöstenbrink verteidigte die Empfehlung ausdrücklich: „Die ist schon ganz gut – nämlich ein Frühwarnsystem an die Musikschule.“

Am Ende ging es um eine sprachliche Nuance. Statt einer „Umsetzung“ der Empfehlungen ab 2018 soll es lediglich einen „Hinweis“ darauf an VHS und Musikschule geben. Dies beschloss der Gemeinderat mit 11:9 Stimmen.

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