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Das Gericht sah es als unzulässig an, dass das Kind aus dem Kindergarten geworfen wurde. 

Aus dem Gericht

Weil der Papa als Elternbeirat lästig wurde, warf Kindergarten seinen Sohn raus

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Ein Kindergarten muss den Sohn eines Elternbeirats bei sich dulden – auch wenn der Papa lästig wird. Das Münchner Amtsgericht hat einen entsprechenden Rauswurf kassiert. Der Streit dürfte aber weitergehen.

Landkreis – Der kleine Quirin kann am allerwenigsten dafür – und trotzdem flog er aus dem Kindergarten. Zumindest fast. Der Grund: Quirins Papa eckt an. Bei der Kindergarten-Leitung, bei der der Geschäftsführung und bei der Gemeinde. Der Ärger in einem Kindergarten im südlichen Landkreis dreht sich ums Essensgeld und um die Kindergarten-Kasse generell, um die Öffnungszeiten, um Protokolle von Elternbeiratssitzungen und um die Auslegung der Aufsichtspflicht. So viel verrät das Amtsgericht München, das sich mittlerweile ebenfalls mit dem Fall beschäftigen musste. Wer genau im Landkreis-Süden gegen wen streitet, bleibt dagegen Verschlusssache – Quirin und den anderen Kindergartenkindern zuliebe.

Rundbrief löst Streit aus

Verraten wird aber: Quirins Vater ist Elternbeirats-Vorsitzender. Und als solcher hat er an die anderen Eltern einen Rundbrief geschrieben, der seinen Sohn fast den Kindergartenplatz gekostet hätte. Darin rief der Vater dazu auf, sich bei Problemen nicht nur bei der Kindergarten-Leitung zu beschweren, sondern auch bei der Gemeindeverwaltung. Bis die Zusammenarbeit besser klappt – „oder sich die Gemeinde einen anderen Träger sucht“.

Dieser Aufruf stieß dem Träger, wenig überraschend, sauer auf: Er reagierte und kündigte Quirin zum 31. Juli den Kindergartenplatz – gut zwei Wochen vor diesem Termin. Die Begründung: Der Vater habe den Elternbrief eigenmächtig, ohne Absprache mit dem restlichen Elternbeirat verschickt. Die übrigen Eltern hätten sich gar nicht beschwert, sondern sich vielmehr am vermeintlichen Alleingang des Elternbeiratsvorsitzenden gestört. Deswegen sei das Vertrauensverhältnis so zerrüttet, dass eine weitere Betreuung des Sohnes nicht mehr zumutbar sei.

Quirins Eltern klagten daraufhin gegen den Rauswurf. Und bekamen im Eilverfahren Recht. Der zuständige Richter glaubte dem Vater, dass er als Elternbeirat „seine ihm vom Gesetzgeber auferlegte Funktion“ gewahrt habe, indem er die Kritik der Eltern an der Kindergartenleitung gesammelt und weitergeleitet habe.

Lästigkeit ist kein Kündigungsgrund

Den Vorwurf des Kindergartens, Quirins Vater habe ein Amt als Elternbeiratsvorsitzender aus Eigeninteresse ausgenutzt, um den Träger loszuwerden, ließ der Richter nicht gelten. Auch wenn sein drastisches Vorgehen – auch der Landeselternbeirat und das Landratsamt sind in den Ärger involviert – nicht allen Eltern gepasst habe. Im Klartext: Lästigkeit ist kein Kündigungsgrund.

Frieden nur auf dem Papier?

Quirin darf also weiter in seinen angestammten Kindergarten gehen, Quirins Mutter kann deshalb weiter halbtags arbeiten – und Quirins Vater bleibt wohl Elternbeiratsvorsitzender. Das Amtsgericht lässt aber durchblicken, dass es sich dabei um einen gerichtlich verordneten Burgfrieden handelt. Denn auch nach der nun erlassenen einstweiligen Verfügung könnte der Kindergarten auf eine andere Entscheidung klagen. Und die Stimmung zwischen Elternbeirat und der Leitung des Kindergartens dürfte ohnehin im Eimer sein.

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