„Alles ist drin.“ Der Bundestagskandidat der Grünen, Anton Hofreiter, nach seiner flammenden Rede und erfolgreichen Wahl.
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„Alles ist drin.“ Der Bundestagskandidat der Grünen im Landkreis, Anton Hofreiter, nach seiner flammenden Rede und erfolgreichen Wahl.

Grüne wählen Hofreiter mit 95,4 Prozent zum Bundestagskandidaten

Anton Hofreiter kämpferisch: „Alles ist drin“

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Landkreis – Die Grünen im Landkreis haben Anton Hofreiter mit 95,4 Prozent zum Direktkandidat für die Bundestagswahl gewählt.

Bei der digitalen Aufstellungsversammlung des Kreisverbands erhielt der 51-Jährige am Samstagvormittag 62 von 65 Stimmen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Flammende Rede für „echten und vor allem schnellen Klimaschutz“

In seiner leidenschaftlichen Bewerbung trat der inzwischen profilierteste Politiker aus dem Landkreis für „echten und vor allem schnellen Klimaschutz“ ein. „Alles ist drin“, sagte er und meinte damit: „Die Klimawende ist möglich“ – ebenso eine „führende Rolle“ der Grünen in der Bundesregierung.

Grüne wollen der CSU das Direktmandat abspenstig machen

Mit seinem Kreisverband will der Unterhachinger „das beste und eindrucksvollste Ergebnis erzielen, das die Grünen je hatten“: „Wir haben ein sehr gutes Wahlprogramm und wir sind das Original.“ Die Grünen sehen die Chance, der CSU das Direktmandat abzujagen. „Wir nehmen das Duell mit Florian Hahn auf“, sagte Kreisvorsitzender Volker Leib.

Es war die erste digitale Aufstellungsversammlung für den Kreisverband und auch für Hofreiter, der zum fünften Mal kandidiert. Er ist seit knapp 16 Jahren im Bundestag, seit 2013 führt er mit Katrin Göring-Eckardt die grüne Bundestagsfraktion an. Hofreiter machte klar, dass die Grünen für eine tief greifende politische Wende in den Bereichen Energie, Agrar und Mobilität kämpfen. Als Partner wünscht er sich, „möglichst keine konservative Partei, weil es dann langsamer geht.“

Im weißen Hemd und dunkelgrauen Jackett vor dem Bildschirm sprach er in seiner siebenminütigen Rede viele Krisen an: Coronakrise, Demokratiekrise, Mängel bei Digitalisierung und Bürokratie. Nichtsdestotrotz wirkte er zuversichtlich und progressiv: „Die Probleme sind nicht alles beherrschend. Lösungen sind erkennbar, nie zuvor haben Menschen über so viel Wissen verfügt.“

„Wir Menschen haben es in der Hand, wie viel CO2 wir in die Luft blasen.“

Hofreiter setzt auf Wissenschaft, denn weder mit dem Klima noch mit dem Virus lasse sich verhandeln. „Die Corona-Pandemie verdeutlicht, wie wichtig die Wissenschaft für unser Leben und für die Politik ist. Die Lehren daraus müssen wir nun dringend auch auf die Klimakrise anwenden.“ Die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien sei sichtbar: Wind, Sonne, Geothermie. „Wie Menschen haben es in der Hand, wie viel CO2 wir in die Luft blasen.“

Hofreiter machte klar, dass es nicht zu viele Zugeständnisse geben dürfe. Aber auch dass die Bereitschaft zu Veränderungen da sei. „Ich habe im Sommer eine Industrie-Tour gemacht“, erzählte er. Sogar die Stahlindustrie setze auf „grünen Stahl“ und baue Windkraftanlagen. „Wir werden die Energiewende kräftig beschleunigen und Hindernisse aus dem Weg räumen.“

Schon vor Jahren, als er noch im Kreistag war, sei über Windräder im Landkreis debattiert worden. „Jetzt endlich wird es konkret. Das Ziel Klimaneutralität und 100 Prozent erneuerbare Energie haben wir fest vor Augen.“

Gerade Vater geworden

Der promovierte Botaniker, der in Sauerlach aufgewachsen ist, steht auch für internationale Solidarität: „Ich habe als Biologe viele Länder bereist.“ Er wisse, wie ungerecht es in vielen Teilen der Welt zugehe, „warum wir viel verändern müssen.“

Hofreiter, der eigentlich um sein Privatleben nicht viel Aufhebens macht, hat geheiratet und ist gerade Vater eines Sohnes geworden. „Es ging mir schon immer darum, unsere Lebensgrundlage zu erhalten“, sagte er am Ende der Rede, „mit einem kleinen Kind wird es einem noch deutlicher: Es geht schlichtweg darum, dass wir die Erde nur von unseren Kindern gepachtet haben.“

Penibel auf Rechtssicherheit bedacht

Die Grünen hatten sich für eine digitale Aufstellung entschieden, „auch aus Solidarität mit den Künstlern, Kulturschaffenden, Einzelhandel und Gastwirten“, sagte Volker Leib aus Oberhachingl. Mit der Co-Vorsitzenden Sabine Pilsinger aus Gräfelfing ging er Punkt für Punkt aller Formalitäten durch, was länger dauerte als die Rede des Kandidaten, penibel auf Rechtssicherheit bedacht. Nun muss die schriftliche Schlussabstimmung als Briefwahl folgen.

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