Die Kreissparkasse an der Hauptstraße in Unterhaching
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Ob das jeder versteht? Nach dem Willen der Planer sollen Kunden, die mit dem Auto kommen, künftig vor der Kreissparkasse wenden und nach einer 180-Grad-Drehung auf der Nordseite des Gebäudes rückwärts in Buchten einparken.

Komplizierte Parkplatz-Idee

Erst wenden und dann rückwärts fahren: Hindernisfahrt zur Kreissparkasse

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Für eine hitzige Debatte im Unterhachinger Gemeinderat haben jetzt die Pläne der Kreissparkasse gesorgt. Die will nämlich ihre Filiale an der Hauptstraße umbauen und stößt erneut mit einer komplizierten Parkplatz-Idee auf Unverständnis. 

Unterhaching – Man könnte fast meinen, die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg haben den britischen Sketch „Dinner for one“, alle Jahre wieder ein TV-Klassiker zu Silvester, um ein paar Wochen vorverlegt. „The same procedure as every year“, wie Miss Sophie in der legendären Komödie zu sagen pflegt, gilt anscheinend auch für die Pläne der Kreissparkasse, ihre Filiale in der Hauptstraße 28 in Unterhaching umzubauen. Mit dem Unterschied, dass dieses Thema alles andere als lustig ist: Genau ein Jahr, nachdem die Kreissparkasse im Bauausschuss mit ihren Plänen abgeblitzt war, sorgte die Neuauflage auch jetzt wieder für genervtes Augenrollen bei Kommunalpolitikern und Anwohnern.

Architekten sollen „Sinn und Unsinn“ ihrer Pläne erläutern

„Selten hat man das Wort ,Bedenken‘ so oft gehört wie heute“, fasste der CSU-Fraktionsvorsitzende Korbinian Rausch die Debatte zusammen. Am Ende, um dieses vorwegzunehmen, standen weder Ablehnung noch Zustimmung für die Tektur des im Dezember 2019 durchgefallenen Bauantrags, sondern eine Vertagung: Im Januar 2021 sollen die Architekten „Sinn und Unsinn ihrer Pläne“, wie es hieß, dem Bauausschuss erläutern.

Gemeinderäte bewerten Vorhaben als „unmöglich“ bis „sehr kritisch“

Knackpunkt als Auslöser der Skepsis bleibt die Parkplatzsituation. Für ihre ursprüngliche Idee, Kundenparkplätze in den öffentlichen Straßenraum zu verlagern, hatte die Kreissparkasse vor einem Jahr jede Menge Spott geerntet, von „dreist“ bis „abenteuerlich“ lauteten damals die Kommentare. Diesen Bauantrag hat die Kreissparkasse im Oktober zurückgenommen und im November einen neuen gestellt. Über 2020er-Version urteilten die Kommunalpolitiker nun kaum milder: „Unmöglich“, fand Franz Felzmann (CSU), Stefan König (Grüne) bewertete das Vorhaben als „sehr kritisch“, Gertraud Schubert (Freie Wähler) war „etwas erschüttert“.

Bedenken bei Tiefgarage

Es geht um zwei Dinge. Erstens die Tiefgarage – 13 Mitarbeiter-Stellplätze sind dort ausgewiesen, 27 Schreibtische hat Stefan König indes den Bauplänen entnommen: Der Grünen-Sprecher sieht eine zu große Diskrepanz. Hinzu kommt, dass die Zufahrt zur Tiefgarage hinter dem Gebäude liegen über eine steile Rampe erreichbar sein soll – um diese zu erreichen, muss man einmal ums Gebäude drumrumfahren auf einem Weg, den zugleich die Anwohner dahinter benutzen. Bei einem kleinen Teil der Tiefgaragenzufahrt ist obendrein die Frage, wem das Grundstück gehört, unklar.

Erst wenden und dann rückwärts fahren

Noch komplizierter aber wird es mit dem Einparken in die drei Kundenparkplätze, die auf der Nordseite des Gebäudes, parallel zur Tiefgaragenzufahrt, angedacht sind. Die sind nämlich nur rückwärts anfahrbar – Kunden sollen im Bereich der jetzigen Stellplätze wenden und sich nach einer 180-Grad-Drehung in die Parkbucht manövrieren.

Gefahr für Schulkinder

Lebensfremd, kundenfeindlich, unpraktikabel, für Anwohner unerträglich und für Schulkinder auf der Hauptstraße gefährlich: Im Bauausschuss hagelte es Kritik für die neuen Pläne. Die sich allerdings, wie Stefan Lauszat als Chef der Bauverwaltung darlegte, „innerhalb einer gewissen Grauzone“ bauordnungsrechtlich gerade noch am Rande der Legalität bewegen würden. „Wenn die Mindestvoraussetzungen erfüllt sind, gibt es planungsrechtlich keine Ablehnungsgründe“, sagte Lauszat. „Wir können ein Vorhaben nicht ablehnen, bloß weil es uns nicht gefällt.“

Deshalb wählte Korbinian Rausch eine andere Strategie, der CSU-Fraktionsvorsitzende appellierte an die „ortsnahe Verantwortung“ der Kreissparkasse und daran, nicht nur Baurecht bis zum letzten Millimeter juristisch auszureizen, sondern auch an die Kundenzufriedenheit zu denken. Ob dieser Argumentationsstrang zieht? Im Januar sollen die Architekten die Flut der Sorgen ausräumen.

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