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Berührender Auftritt: Hugo Strasser im Unterhachinger Kubiz.

Konzert mit Hugo Strasser

„Behalten Sie mich a bissl in Erinnerung“

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Unterhaching - Hugo Strasser (93) greift im Rollstuhl zur Klarinette und genießt die Ovationen des Unterhachinger Publikums.

Er gilt als Legende der deutschen Swing- und Jazzmusik. Hugo Strasser (93), der Gentleman mit der Klarinette und ehemalige Bandleader, ist trotz schwerer Krankheit in Unterhaching aufgetreten. Am Ende des umjubelten Konzerts mit der Bigband „Teacher’s Groove“ sagt der Stargast leise: „Behalten Sie mich a bissl in Erinnerung.“ 

So oft schon hat der legendäre Klarinettist sein Publikum bestens unterhalten. Natürlich mit seiner Musik, aber auch mit seiner charmanten Art, Anekdoten und Geschichten zu erzählen.

Diesmal ist alles etwas anders. Hugo Strasser, der am 7. April 94 Jahre alt wird, ist schwer krank. Er kann nicht stehen und wird als Gaststar der Grassauer Band „Teacher’s Groove“ im Rollstuhl auf die Bühne des Kubiz geschoben. 

Strasser hat eine Operation hinter sich, er war im Krankenhaus, hat sich aber am Nachmittag mit der Band zum Soundcheck eingefunden, „wo wir schon viel Spaß gehabt haben“, erzählt Bandleader und Schlagzeuger Michael Keul. „Ich finde es ganz toll, wie er alle Kräfte mobilisiert hat.“ Viel Applaus. 

Hugo Strasser spricht mit leiser Stimme ins Mikro. „Ihr seid so lieb zu mir.“ Es wird sehr, sehr still im ausverkauften Kubiz-Saal, als er sagt: „Es ist nicht zu beschreiben, wie das ist. Mit einem Schlag kriegt man Krebs.“ 

Seine Lebensgefährtin Eva Gehring ist während des Auftritts die ganze Zeit neben ihm und kümmert sich liebevoll. Sie gibt dezent das Zeichen zum Einsatz, reicht während der Spielpausen Wasser. 

Wenn Strasser spielt, ist er wieder präsent, dieser unverwechselbare Ton, der weiche, wunderbare Klang seiner Klarinette. Strasser spielt unter anderem „Misty“, in einem Arrangement, das Paul Kuhn für ihn geschrieben hat. Seine Musik an diesem Abend „ist so wie man sie kennt“, sagt Keul. Der Bandleader und Hugo Strasser kennen sich gut, seit Jahren tritt die Band aus dem Chiemgau mit dem Klarinettisten auf. 

Diesmal erzählt nicht Strasser, sondern Keul dem Publikum eine kleine Geschichte: Im Krankenhaus habe der 93-Jährige seine Klarinette dabei gehabt, um zu spielen und zu üben. Das sei den anderen Patienten nicht verborgen geblieben: Schließlich hätten sie verlangt, dass von ihren Zimmern die Türen geöffnet werden, damit sie die Musik besser hören können. „Da zeigt sich auch“, sagt Keul, „welche gute Medizin die Musik ist.“

Als „homöopathische Dosis“ verabreichen die Band und Hugo Strasser „Moonglow“ von Benny Goodman. Auch zwischen Strassers Auftritten erweisen sich „Teacher’s Groove“ als souveräne und versierte Musiker, die den Saal mit diversen Standards unterhalten. Die Band, bestehend aus Musiklehrern, hat gute Solisten und mit Tobias Heinz auch einen guten Sänger, der unter anderem mit „Mack The Knife“ und, nachträglich zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra, mit „I Got You Under My Skin“ begeistert. 

Für Hugo Strasser schließlich gibt es im zweiten Konzertteil stehende Ovationen. Er spielt „Creole Love Call“ mit zwei Solisten und „Lady Be Good To Me“. Für den Beifall bedankt sich an seiner Stelle Lebensgefährtin Eva Gehring und zitiert Strassers 2015 verstorbenen Weggefährten, den Saxophonisten und Bigband-Leader Max Greger: „Standing Ovation ist nicht lobenswert, aber es tut gut.“ 

Als Zugabe und „kleine Überraschung“ für den Klarinettisten präsentiert die Band Louis Armstrongs legendäres „What A Wonderful World“, gesungen von Tobias Heinz und Trompeter Heinz Dauhrer. Strasser greift zur Klarinette und spielt mit.

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