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Kämpft um die Existenz seines italienischen Restaurants „Barrissimo“ und mit der etwas zähen deutschen Bürokratie: Gastronom Carmelo Bellia, der draußen gern ein paar zusätzliche Tische aufstellen würde.

Gastronom beklagt Bürokratie

„Noch so einen Sommer überstehe ich nicht“

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Unterhaching - Auf den ersten Blick geht es nur um ein paar Tische und Stühle. Doch hinter den Problemen, mit denen das Restaurant „Barrissimo“ kämpfen muss, steckt mehr.

In Unterhaching geht es um die Frage, wie die Philosophie für die Fußgängerzone aussehen soll. Und: Wie flexibel reagiert die Gemeinde Unterhaching auf Anliegen ihrer Steuerzahler?

Wenn alles klappt, unterschreibt Carmelo Bellia nächste Woche den Vertrag. Und eröffnet ein neues Lokal, mit 400 Plätzen. Nicht in Unterhaching, sondern in Unterschleißheim. 

Was dann aus dem „Barrissimo“ wird, das der Gastronom aus Italien, der sein Handwerk bei Sterne-Koch Alfons Schuhbeck gelernt hat, seit sieben Jahren nahe des Unterhachinger Bahnhofs betreibt? Der 33-Jährige hebt etwas ratlos die Schultern: „Noch so einen Sommer überstehe ich nicht.“ 

Carmelo Bellia meint nicht das durchwachsene Wetter. Nein, ihn wurmt die deutsche Bürokratie. Die im Unterhachinger Rathaus. Nur 20 Plätze hat der gebürtige Sizilianer in seinem kleinen, gemütlichen Restaurant. Davon allein leben (und seine acht Angestellten finanzieren) kann Carmelo Bellia nicht. Er braucht das Sommergeschäft auf der Straße; Leute, die sich draußen auf einen Kaffee oder ein Weißbier hinsetzen. „Andernfalls überstehe ich den Winter nicht“, sagt er. „In diesem Jahr habe ich aus eigener Tasche 50 000 Euro draufgelegt.“ Um sein Lokal nicht schließen zu müssen. 

Die Hoffnung ruhte darauf, die Freischankfläche in der Fußgängerzone von bis dato genehmigten 32,66 auf 51,50 Quadratmeter zu erweitern (wir berichteten). Ein Ansinnen, das die Gemeinde vorerst vertagt hat. Weil genau ein Stellplatz, der nachgewiesen werden müsste, fehlt. 

Der springende Punkt, auf den Carmelo Bellia verweist, ist: Braucht eine Lokalität in unmittelbarer Nähe zu S-Bahnhof und Bushaltestelle überhaupt so viele Stellplätze? „Das ist ein übergeordnetes Thema“, erläutert Rathaus-Sprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. „Müssen wir in Bahnhofsnähe wirklich auf dem Stellplatznachweis beharren?“ Die Gemeinde wisse, „wie wertvoll Geschäftsbetriebe sind, die die Fußgängerzone beleben“. Das „Barrissimo“ gehöre explizit dazu, man stehe dem Ansinnen auf erweiterten Freischank wohlwollend gegenüber. Aber, so Hötzl: Es gelte, in Ruhe eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Stellplatzpflicht oder eine Befreiung davon, die Frage laute: „Wie weit ziehen wir den Radius um den Bahnhof?“ Spätestens bis zum Frühjahr wolle man „eine Perspektive geben“, so Hötzl. Immerhin deutete er an: „Wir wollen, dass Betriebe wie das ,Barrissimo‘ überleben.“ 

Carmelo Bellia wird dies gern hören, denn heuer musste er schon Stammgäste wegschicken, weil alle Plätze belegt waren und er keine zusätzlichen Tische in der Fußgängerzone aufstellen durfte. „Dabei heißt es doch Bahnhofsweg und nicht Bahnhofstraße“, wünscht er sich mehr Flexibilität und nicht monatelange Verzögerung. Die politischen Ziele der Gemeinde sind ihm schleierhaft: „Ich verstehe es, wenn man eine Linie überschreitet – aber das habe ich nicht getan.“ Trotzdem würden ihm immer wieder „Stöcke zwischen die Beine geworfen“. Auf Dauer könne er das nicht durchhalten und erwartet deshalb eine klare Positionierung der Gemeinde: „Entweder wir beleben diese Fußgängerzone, oder ich packe meine Möbel ein und ziehe mit meinen Angestellten weiter."

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