Stücke des alten Dachstuhls aus der Kirche St. Korbinian. Der Denkmalschutzbeauftragte Unterhachings, Harald Nottmeyer, kümmert sich darum, dass sie einen verdienten Platz im Museum einnehmen werden.
+
Stücke des alten Dachstuhls aus der Kirche St. Korbinian. Der Denkmalschutzbeauftragte Unterhachings, Harald Nottmeyer, kümmert sich darum, dass sie einen verdienten Platz im Museum einnehmen werden.

Malereien verzücken Kenner und Kunsthistoriker

Im Dachstuhl von St. Korbinian: Jahrhundertealte Fresken eine Sensation

  • Marc Schreib
    VonMarc Schreib
    schließen

Rund vierhundert Jahre bedeckte Bauschutt die Malereien, die jetzt in der Kirche St. Korbinian in Unterhaching gefunden wurden. Ein Sensationsfund, da sind sich alle Experten einig.

Unterhaching – Ob die Malereien langfristig aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, das ist noch nicht geklärt. Bislang hat noch keine baugeschichtliche Untersuchung stattgefunden. Der Denkmalschutzbeauftragte und Leiter des Heimatmuseums Harald Nottmeyer sieht dafür jetzt die Chance: „Wir sind eine ansehnliche Gemeinde, die nicht am Hungertuch nagt. Ich halte es für wichtig, für unsere Nachkommen das kulturelle Erbe zu bewahren.“

Damit hat niemand gerechnet

Auf dem Speicher des Pfarrhauses von St. Korbinian liegen sakrale Gegenstände, die Harald Nottmeyer gemeinsam mit weiteren Mitstreitern der Heimatpflege vor ein paar Monaten sichten wollte. Die Frage war, ob man sie im Museum ausstellen sollte, statt sie dort oben vergammeln zu lassen. In diesem Rahmen wollte die Gruppe sich auf Initiative von Nottmeyer auch noch mal in der Kirche umschauen. Also stieg er gemeinsam mit Kirchenpfleger Hermann Mader und Archäologin Cornelia Renner auf den Dachboden, der im Rahmen der Renovierungsarbeiten freigelegt worden war. „Ich schaute hinunter in die Gewölbeteile und war plötzlich wie elektrisiert.“ Zwischen den Stichkappen im Mauerwerk. War da nicht etwas?

Mit dem Handy Bilder vergrößert

Die Augen haben den Althistoriker und Archäologen nicht getäuscht. Also nahm er sein Handy, hielt drauf und sieht durch die Vergrößerung, um was es sich genau handelt. „Ich war ja schon drei Mal in Pompeji, aber alte Malereien dieser Qualität vor der Haustür zu finden und in einem Bereich, in dem man überhaupt nicht damit rechnet, war für mich ein erquickendes Gefühl.“ Das Landesamt für Denkmalpflege wurde informiert. Alle Beteiligten waren verzückt.

Gesamte Kirche war wohl bemalt

Ursprünglich dürfte die gesamte Kirche innen bemalt gewesen sein. Bei St. Korbinian handelt es sich um eine romanische Filialkirche, der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Eine Auswertung des Holzgebälkes ergab eine zeitliche Datierung auf 1272. Es ist die Zeit König Barbarossas und der Stauffer. Hinter massiven Türmen schlossen sich Kirchenschiffe an, die wie Hütten anmuten. Die Betenden setzten sich nicht auf eine Bank, sondern standen auch in den Gottesdiensten, und die Bürger stifteten Altäre. Für reiche Verstorbene wurden Messen abgehalten.

In diesem Kontext muss man sich die Kirche in ihrer Anfangszeit vorstellen. Das Kirchenschiff hatte eine Länge von 15 Metern. Das ist kurz, die Gläubigen nahmen nicht Platz, sondern standen während der Predigt. Unklar ist, ob das Gebäude von Anfang aus Stein gebaut war oder aus Holz. Ein Jahrhundert später jedenfalls war ein Steinbau vorhanden mit Flachdecke. Vermutlich zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff auf 22 Meter erweitert. Die Malerei bestand immer noch ein Jahrhundert fort.

30-Jähriger Krieg brachte Katastrophe

Dann aber führte man die Stuckatur der Kirche und den Gewölbebau ein. Mit den sogenannten Fresken konnte man nichts mehr anfangen, weshalb sie übermalt wurden. Im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht um Fresken, da die Malereien nicht in den nassen Verputz eingearbeitet, sondern auf die Wand aufgetragen wurden. Jahrelang, während des 30-jährigen Krieges, so heißt es aus Visitationsberichten, sei die Kirche in einem erbärmlichen Zustand ohne Dach dagestanden. Gustav Adolph wütete mit seinem Schwedenheer im Oberland, und auch Unterhaching blieb nicht ungeschoren von den Plünderungen der Soldateska. Man kann nur erahnen, was sich abgespielt haben muss: Die Höfe wurden abgebrannt, das Vieh geschlachtet, Bauern ergriffen die Flucht oder wurden erschlagen. Daher sind aus dieser Zeit auch keinerlei sakrale Gegenstände übrig.

Entdeckung nur wegen Renovierung möglich

Die Entdeckung der Malereien ist der derzeitigen Renovierung des Dachstuhls zu verdanken. Dazu wurden die Dachziegel abgetragen und der Dachstuhl mit großen Folien überhängt. Allerdings machten sich dabei die Witterungseinflüsse bemerkbar. Je nach Temperatur, Helligkeit und Luftfeuchtigkeit treten unterschiedliche Farbgebungen hervor und verstärken die Motive der christlichen Abbildungen. Sie sind schlecht zu erkennen, weshalb die Szenen nicht leicht zugeordnet werden können. Nottmeyer: „Sie befinden sich nicht in einem nicht so guten Zustand, dass ich sofort einen Topos entdecken kann.“ Der Restaurator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Peter Siebert, hat zwei Schichten ausgemacht. Im 15. Jahrhundert wurde demnach eine zweite Malerei aufgetragen.

Kunsthistorische Auswertung steht noch aus

Vor diesem Hintergrund muss zunächst einmal eine kunsthistorische Auswertung stattfinden. Eine Abbildung mit zwei Figuren im Vordergrund und einer Burganlage im Hintergrund lässt Raum für Spekulationen. Möglicherweise handelt es sich um einen Bau in der Umgebung Unterhachings. Der erste Gedanke Nottmeyers zielte auf das Schloss Wolfratshausen. Aber das muss anders ausgesehen haben. Jedenfalls dürfte es sich um eine schützende Feste gehandelt haben, die Forschung könnte noch Genaueres herausfinden.

Mittlerweile hat das Landesamt für Denkmalschutz zur Konservierung Sperrholzplatten über die Fresken gelegt – zum Schutz im Zusammenhang mit den Bauarbeiten, die dort ausgeführt werden. Mit der neu gefertigten Treppe kann man bald sicher auf den Dachstuhl steigen, aber nur in begrenzter Personenzahl. Viel Platz für eine bequeme Besichtigung ist auch nicht vorhanden. Und wenn das Dach wieder drauf ist, wird es dunkel. Im Grunde müsste extra eine Galerie angefertigt werden, um die Bilder schön auszuleuchten. Das Licht könnte den Werken allerdings auch Schaden zufügen. Sicher ist immerhin jetzt schon, dass Stücke des alten Gebälkes das Heimatmuseum in Unterhaching bereichern werden.

Jesus bei einem Schlafenden? Handelt es sich um einen Heiligen? Die Malereien geben Rätsel auf.
Eine sehr gut erhaltene Malerei mit Abbildung einer Burganlage in der oberen Hälfte.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare