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Die Kalina-Anlage in Unterhaching hat ausgedient. Sie ist am Grünwalder Weg untergebracht.

Pilotprojekt gescheitert

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Das Kalina-Kraftwerk der Geothermie Unterhaching soll stillgelegt werden. Einst war die Anlage ein Leuchtturm-Projekt. Nun ist Schluss.

Grünwald/Unterhaching – Der Handlungsdruck auf die Wärmeverbundpartner Unterhaching und Grünwald ist groß. Es geht um die Zukunft der Wärmeproduktion und im Speziellen um die Kalina-Verstromung. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist, soll die Anlage nun endgültig stillgelegt werden. Kalina, einst ein bundesweites Leuchtturm-Projekt, hat in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Pannen in der Hachinger-Tal-Gemeinde viel von seiner Magie eingebüßt (siehe Interview unten). Im Zusammenhang mit der Stilllegung diskutierten die Gesellschafter auch darüber, den Anteil Grünwalds an der Produktionsgesellschaft von derzeit 50 auf 95 Prozent zu erhöhen. Der Kaufpreis soll sich in einer Größenordnung um die 2,5 Millionen Euro bewegen.

Wie der Geschäftsführer der Erdwärme Unterhaching, Wolfgang Geisinger, gegenüber dem Münchner Merkur erklärt, habe man beim Thema Kalina, von Anfang an eine Strategie des zeitlichen Übergangs gefahren. Am Anfang spielte die Verstromung eine große Rolle, jetzt aber nicht mehr. Die Heißwasserförderung besitzt die Eigenart, dass die Pumpen unmittelbar nach der Bohrung zu 100 Prozent Energie liefern, die Leitungen zu den Haushalten aber noch nicht existieren. Um die Ressourcen von Anfang an nicht ungenutzt in die Erde zu verpressen, habe man die Umwandlung von Wärme in Strom entwickelt. Mittlerweile erreicht Unterhaching 7000 Haushalte oder 14 000 Einwohner von 26 000. Mehr als man sich je erträumt habe. Der Wärmeverkauf steht laut Geisinger auf stabilen Füßen. Die Verstromung, das gibt der Geothermie-Experte unumwunden zu, ist mittlerweile nicht mehr rentabel – „das Betriebsfenster“ relativ klein. Im Winter gebe es kaum einen Wärmeüberschuss, den Gewinn im Sommer aber drückten technische Probleme. Damit ist jetzt Schluss.

Künftig soll die ORC-Anlage in Laufzorn als Ersatz für das Kalina-Kraftwerk Wärme in Strom umwandeln. Der Betrieb läuft rund. Wie der Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald, Andreas Lederle, im Geothermie-Ausschuss erläuterte, sei das Kraftwerk 2016 mit über 98 Prozent fast das ganze Jahr in Betrieb gewesen. Eine fünf bis sechs Kilometer lange Fernwärmeleitung von Unterhaching bis zum Gelände existiert bereits. Es muss lediglich an Ort und Stelle eine Leitung die Rohre mit dem Kraftwerk verknüpfen. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) stellte in Aussicht, dass die Arbeiten auf dem Gelände im nächsten Jahr ausgeführt werden können.

Wenig angetan von der Entwicklung im Wärmeverbund zeigt sich der Grünwalder Gemeinderat Oliver Schmidt (PBG) gegenüber dem Münchner Merkur. Er hält die Risiken für zu hoch, für den Steuerzahler nicht für vertretbar. Er habe davor schon gewarnt, als Grünwald sich an der Produktionsgesellschaft vertraglich beteiligt habe: „Jetzt müssen wir den Schlamassel ausbaden.“ Rund 24 Millionen Euro habe Grünwald bereits in das Projekt Unterhaching gesteckt. Mittlerweile wisse man, dass man das Geld nicht wieder zu Gesicht bekomme. Schmidt: „Deshalb hat man jetzt damit angefangen, einen Teil der Summe abzuschreiben, nämlich zwei Millionen Euro für das Jahr 2016. Das ist nichts anderes als eine Geldvernichtung.“ Dabei will Schmidt den ideellen Wert nicht klein reden, den die Geothermie als Ersatz für fossile Brennstoffe hat. „Aber wir leisten uns hier in Grünwald mit einer Investition von rund 230 Millionen Euro so etwas wie einen kleinen Berliner Flughafen.“

Wie viel die Gemeinde Grünwald als bald alleiniger Chef der Unterhachinger Produktionsgesellschaft an zusätzlichen Mitteln investieren muss, werden die nächsten Monate ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Bis zum Vertragsabschluss bleiben die Details unter Verschluss.

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