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Kaminkehrer nach Wunsch: Seit 2013 müssen die Schornsteinfeger mit Konkurrenz kämpfen. Ein Monopol gibt’s nicht mehr.

Hausbesitzer in der Verantwortung

Kaminkehrer nach Wunsch: Angst um Sicherheit

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Seit 2013 kann sich jeder Hausbesitzer den Kaminkehrer aussuchen. Schön, aber nicht ungefährlich, meint Dieter Wöstenbrink aus Unterhaching. Denn nun steht der Hausbesitzer in der Verantwortung.

Unterhaching – Mehr Wettbewerb und eine Liberalisierung des Marktes: Das klingt schön. Nach breitem Angebot und günstigeren Preisen. Im Fall der Schornsteinfeger ist aber nicht unbedingt alles besser geworden. Der SPD-Gemeinderat Dieter Wöstenbrink aus Unterhaching fürchtet um die Sicherheit: Er bezweifelt, dass durch das neue Schornsteinfeger-Handwerksgesetz, das zum 1. Januar 2013 in Kraft trat, und der daraus resultierenden Liberalisierung des Kaminkehrerwesens alle Heizungen (Öl, Gas) und Feuerstätten (Holz- und Kachelöfen) in den vorgeschriebenen Intervallen wirklich überprüft werden.

Bis 2013 lag das Kehrmonopol beim bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger, der auch heute noch für die technische Kontrolle der Brandsicherheit zuständig ist, die sogenannte Feuerstättenbeschau vornimmt und dies im Kehrbuch dokumentiert. Aber: Kehr-, Mess- und Überprüfungsarbeiten können von Hauseigentümern seit 2013 auch an andere Kollegen vergeben werden. Was in er Praxis bisweilen zu Problemen führt.

„Es ist eine schwierige Grätsche“, sagt der für Unterhaching zuständige Bezirksschornsteinfeger Sebastian Kopp aus Raubling auf Nachfrage des Münchner Merkur. „Früher ging alles automatisch. Seit der Gesetzesumstellung wissen viele Hausbesitzer gar nicht Bescheid.“ Kopps Eindruck von der Liberalisierung: „In der Theorie hört sich das nett an. Aber in der Praxis...“

Ein Beispiel: Es gibt gesetzlich vorgeschriebene Prüfintervalle, für moderne Gasheizungen alle drei Jahre, für Holzöfen im Dauerbetrieb vier Mal pro Jahr. Es liegt seit 2013 in der Eigenverantwortung der Hausbesitzer, dafür Fachleute zu beauftragen. Tun sie das – möglicherweise aus Unwissenheit – nicht, muss Kopp seiner staatlichen Hoheitspflicht nachkommen und Druck ausüben.

Bloß, so einfach ist das nicht. „Das hat ein bisschen den Charakter von Anschwärzen“, findet der Bezirkskaminkehrer. Bei einer Fristüberschreitung müsse er den Fall eigentlich sofort beim Landratsamt anzeigen. Lässt er Kulanz walten, spricht er zunächst eine Ermahnung aus, telefoniert hinterher. Bis ihm keine Wahl mehr bleibt und er das Landratsamt informiert. Selbst aktiv werden darf er, anders als früher, nicht: „Ich habe keine Handhabe, sondern müsste als Kaminkehrer die überfällige Kontrolle einklagen“, beschreibt er die Situation.

Im Fall von Peter Wöstenbrink war es so, dass dessen Gasheizung gemäß Prüfplakette im Juni fällig war, aber erst im November kontrolliert wurde. Im Kehrbuch wurde intern eine Fristverlängerung vermerkt, was Wöstenbrink grundsätzlich nicht gutheißt. „Fristverlängerungen im Kehrbuch sind eine schlechte Alternative, denn es geht um die Sicherheit. Solche Situationen bergen Brand-, Explosions- und Erstickungsgefahren“, glaubt der SPD-Gemeinderat. „Außerdem muss man Sorge haben, dass man bei der geringsten Fristüberschreitung den Schutz seiner Wohngebäudeversicherung riskiert.“

Kopp indes beschwichtigt: Ganz so dramatisch sei es nicht. „Im Regelfall ist das Risiko minimal, wenn eine Heizanlage mal zwei Monate später überprüft wird.“ Die „schlimmen Mängel“ würden immer erkannt, bevor etwas passiert. Und wenn es dann doch irgendwo mal zu Brand, Explosion oder Vergiftung komme, „dann liegt die Ursache meist in Manipulationen“. Die nicht rechtzeitig aufgeflogen sind.

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