„Wir sind eh am Ende“, sagt Puppenspieler Thomas Fischer aus Oberhaching. Seit Ausbruch des Virus verdiene er kein Geld mehr. Auch jetzt, nach den Lockerungen in der Veranstaltungsbranche, sind seine Auftragsbücher leer.
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„Wir sind eh am Ende“, sagt Puppenspieler Thomas Fischer aus Oberhaching. Seit Ausbruch des Virus verdiene er kein Geld mehr. Auch jetzt, nach den Lockerungen in der Veranstaltungsbranche, sind seine Auftragsbücher leer.

Künstler und Eventplaner erzählen

Veranstaltungen: Katerstimmung nach der Öffnungs-Euphorie

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Aufführungen sind im Landkreis wieder möglich. Trotzdem ist die Stimmung bei vielen Künstlern gedrückt: Veranstalter halten sich nämlich mit Buchungen zurück.

Landkreis – Endlich: Die Inzidenz ist unter 50. Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel, Theaterauftritte und Live-Musik. Trotz der Lockerungen, Thomas Fischer aus Oberhaching ist schlecht gelaunt. Obwohl er seinen Beruf als Kasperl nun wieder ausüben darf, kann er nicht arbeiten. Er bekommt keine Aufträge. „Die Veranstalter trauen sich nicht ein Event aufzuziehen, weil sie Angst haben, es wieder absagen zu müssen“, sagt Fischer, bei Puppentheater-Fans besser bekannt als „Kasperl Fischer“.

Die Gefahr bleibt nämlich: Die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus kann wieder steigen. Veranstaltungen, die heute erlaubt sind, können eine Woche später verboten sein. Das halte viele Veranstalter ab, Events zu organisieren, sagt Fischer. Aus Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Fischer: „Wir sind eh am Ende

„Wir sind eh am Ende“, sagt Fischer. Seit letzten März verdiene der Puppenspieler kein Geld mehr. Lediglich „ein paar“ Kindergarten hätten ihn gebucht. Vor der Pandemie sei er um diese Zeit ausgebucht gewesen: Olympiapark, Festivals, Geburtstage. Heuer: nichts. „Das ist so schlimm“, sagt Thomas Fischer.

Hans Peter Flinner von der Musikgruppe „KirtaBlosn“ aus Neubiberg bestätigt das Zögern von Veranstaltern. „Die Wirte halten sich sehr zurück mit Buchungen“, sagt er. Zumindest proben kann die Fünf-Personen-Gruppe wieder, am Sonntag war das erste Treffen – nach sechseinhalb Monaten. „Fürs erste Mal war es echt gut“, sagt Flinner. Aber man merke, dass das Zusammenspiel etwas gelitten habe.

Luis Eisenreich blickt mit einem tränenden Auge auf das Jubiläumsjahr 2021. Das Bauerntheater Ismaning wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Im Juni und Juli hätte es ein Freilichttheater geben sollen. „Das Jubiläum haben wir auf 2022 verschoben“, sagt Vereinsvorstand Eisenreich.

Die Theatergruppe sei jetzt „auf Lauerstellung“. Eisenreich hat die Hoffnung, dass doch noch Veranstaltungen im Innenbereich erlaubt werden. Drei Monate brauche seine Gruppe zur Vorbereitung auf ein Theaterstück. „Es könnte noch sein, dass ein Herbst- und Weihnachtstheater stattfindet“, so Eisenreich.

Eine Freilichtbühne sei eine „Mordsvorbereitung“

Spontan eine Freilichtbühne für diesen Sommer aufzubauen, gehe nicht „von heute auf morgen“. Es sei eine „Mordsvorbereitung“. Die Ismaninger hätten gerne eine Sommerbühne organisiert, Anfang des Jahres sei die Möglichkeit aber noch nicht abzusehen gewesen.

„Gastmahl“-Veranstalter Michael Hofmarksrichter hingegen will schon am 18. Juni mit einem Live-Konzert durchstarten – und das sogar drinnen. Eine Tango-Band tritt dann in den historischen Tassilo-Gewölben in Großhesselohe auf. Weil das Gewölbe als Veranstaltungslokalität eingetragen sei, dürfe es dort Konzerte geben, sagt Hofmarksrichter. Er veranstaltet die Konzerte als gemeinnützige Events für die Musikszene.

„Jetzt geht’s endlich los“, sagt Hofmarksrichter

„Jetzt geht’s endlich los“, sagt Hofmarksrichter. Eine tickende Uhr auf der Internetseite der Konzertreihe zeigt die verbleibenden Tage und Stunden bis zum Konzert an: „Die Musiker dürsten danach, die Gäste freuen sich“, sagt er. Gleich drei Konzerte gibt es im Juli. Das Hygienekonzept könne man vom Vorjahr übernehmen. Statt 120 Menschen dürfen in das Gewölbe 45 Gäste, so Hofmarksrichter. Alle müssten namentlich erfasst werden, Sitzreihen würden grüppchenweise aufgestellt. Die Vorgaben der Staatsregierung seien noch schwammig, etwa was die Maximalanzahl an Gästen angehe.

Dass kommerzielle Veranstalter keine Events planen, könne er gut verstehen. „Bei einer Absage steckt ein ganzer Apparat dahinter“, so Michael Hofmarksrichter. Nun hofft der Konzertliebhaber, dass keine „miesen Überraschungen“ kommen. „Wenn die Inzidenz wieder steigt, wird abgesagt“, sagt er. Den Bands, denen er coronabedingt absagen müsse, könne er aber keine Entschädigung zahlen.

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