Alle Plätze im Katzenhaus des Tierheims in Riem sind belegt. Auffällig ist, dass in letzter Zeit vermehrt unversehrte Tiere abgegeben werden, weil die Besitzer überfordert sind. 
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Alle Plätze im Katzenhaus des Tierheims in Riem sind belegt. Auffällig ist, dass in letzter Zeit vermehrt unversehrte Tiere abgegeben werden, weil die Besitzer überfordert sind. 

Immer mehr Vierbeiner werden abgegeben

Aus Langeweile angeschafft, dann ausgesetzt: Tierheim maßlos überfüllt

  • Laura May
    VonLaura May
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Während der Corona-Pandemie und vor allem im Lockdown haben sich viele Menschen ein Haustier angeschafft. Jetzt stellt sich heraus, dass viele Tierbesitzer dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Immer mehr Hunde und Katzen werden ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben. 

Landkreis – Lautes Bellen dröhnt schon von Weitem über das Gelände des Riemer Tierheims. Die Zwinger sind während der Pandemie noch knapper geworden – und auch im Katzenhaus drängen sich immer mehr abgegebene oder ausgesetzte Vierbeiner. „Wir sind voll. Jedes einzelne Zimmer ist belegt“, sagt Pflegerin Theresa Fleischhauer mit besorgter Miene, während sie durch die Gänge mit den vergitterten Parzellen geht und aus dem Augenwinkel ihre Schützlinge kontrolliert.

Es ist wie ein Abbild der Gesellschaft: Die kranken und aggressiven Tiere möchte niemand haben. Doch seit der Corona-Pandemie werden auch immer mehr gesunde und junge Tiere ins Heim gebracht, die sich irgendwer unüberlegt angeschafft hat – und die dann auch genauso schnell wieder abgegeben oder ausgesetzt wurden. „Niemand gibt gerne zu, dass er sich aus Langeweile ein Tier zugelegt hat“, erklärt Kristina Berchtold, Pressesprecherin des Tierheims. Es sei auffällig, „dass so viele junge und unproblematische Tiere zu uns kommen, die vom Alter genau in die Coronazeit passen“, beobachtet auch Pflegerin Fleischhauer. Ihr Appell: Auch im Tierheim gibt es, gerade momentan, wunderbar zutrauliche und unkomplizierte Tiere – man muss nicht zum Züchter gehen, um Traumhund oder Traumkatze zu finden.

Eine unsaubere Katze will niemand

Katzendame Susi etwa ist so ein Beispiel. Sie wurde vor ein paar Wochen auf der Straße gefunden und hier ins Tierheim gebracht. „Sie ist schön, nett und zutraulich“, sagt Theresa Fleischhauer, „da ging die Vermittlung schnell.“. Susi wird noch heute abgeholt und kommt in ihr neues Zuhause. Nicht so viel Glück hatte die fünfjährige europäische Kurzhaar-Kätzin Saskia. Nach einem Unfall kam sie schnell ins Heim und wurde nach erfolgreicher Vermittlung direkt wieder zurückgebracht, da sie nach einem teilweisen Schwanzabriss etwas inkontinent ist. „Eine unsaubere Katze will halt niemand“, sagt Fleischhauer.

Der Einsatz für die Tiere ist keinesfalls für die Katz. Das Herzblut der Tierfreunde bügelt das unverantwortliche Verhalten anderer aus. Neben Hunden, Katzen und Kleintieren landen auch Exoten wie Leguane, Reptilien oder Wildtiere aus dem Landkreis, der Landeshauptstadt und der Welt hier in Riem. Auch illegal mitgenommene Tiere vom Flughafen, wie etwa das Totenkopfäffchen von Popsänger Justin Bieber, der dieses nicht im Flugzeug mitnehmen wollte.

Mit viel Herzblut und Zuneigung kümmert sich Pflegerin Theresa Fleischhauer um die Tiere.

Die Probleme hier im Tierheim haben sich zwar durch die Pandemie verstärkt, „das war aber auch alles schon vor Corona da“, so Pressesprecherin Berchtold. „Menschen suchen vermehrt unversehrte Tiere.“ Wenn irgendwas nicht passt, kommen sie ins Tierheim. Laut Pflegerin Fleischhauer seien die häufigsten Abgabe-Gründe Überforderung, Aggression der Tiere oder Allergien eines Familienmitglieds; Funde von Privatleuten, Polizei oder Feuerwehr; Tod oder Verwahrung in Gefängnis und Psychiatrie.

Zwei Fundkatzen: Waldhörnchen und Wild heißen die beiden Jungtiere, die erst im Tierheim aufeinander trafen und seitdem unzertrennlich sind. 

Viele engagierte Menschen kümmern sich um die Tiere

Alle Tiere kommen zunächst mindestens für eine Woche auf die Quarantänestation, wo sie in kleinen Käfigen eingesperrt abwarten müssen, damit sie keine Krankheiten auf die Station bringen. „Das ist Stress für die Tiere, aber Hygiene geht einfach vor“, weiß die Pflegerin. Viele engagierte Menschen versuchen den Tieren hier in Riem ein würdiges Leben zu ermöglichen. Nicht nur Pflegerin Fleischhauer, die eigentlich in der Fernsehbranche eine Karriere begann. „Dort habe ich das Dreifache verdient, war aber unglücklich“, erinnert sie sich. Die Arbeit im Tierheim bringt ihr zwar keinen großen Verdienst – dafür aber Glück und Sinnhaftigkeit. Auch viele Ehrenamtliche bereichern die Tiere mit Zuneigung. So etwa Pensionist Henning, der dem Tierheim seit vielen Jahren seine Zeit schenkt. Oder Katzen-Streichlerin Gabi, die auch schon stundenlang bei einer ängstlichen Katze saß, um ihr Vertrauen zu gewinnen.

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