Die „Himmelsschreiber“ aus Unterhaching, Peter (l.) und Sebastian Ruppert.
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Volles Lager, Verkauf verboten: Die „Himmelsschreiber“ aus Unterhaching, Peter (l.) und Sebastian Ruppert, bleiben heuer auf ihren Feuerwerksartikeln sitzen.

Volles Lager, kein Verkauf

250.000 Euro Verlust: „Himmelsschreiber“ bleiben auf Feuerwerk sitzen

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Normalerweise würde in diesen Tagen bei den „Himmelsschreibern“ aus Unterhaching das Telefon pausenlos läuten und das Ladengeschäft wäre gerammelt voll. Doch stattdessen herrscht Tristesse bei Peter Ruppert (60) und seinem Sohn Sebastian (30). Der Verbot des Feuerwerk-Verkaufs trifft die Pyrotechniker hart.

Unterhaching – Normalerweise würde in diesen Tagen bei den „Himmelsschreibern“ aus Unterhaching das Telefon pausenlos läuten und das Ladengeschäft wäre gerammelt voll. Doch stattdessen herrscht Tristesse bei Peter Ruppert (60) und seinem Sohn Sebastian (30). Für die ausgebildeten Pyrotechniker sind heuer wegen der Corona-Pandemie schon diverse Feuerwerks-Aufträge bei Volksfesten, Hochzeiten oder runden Geburtstagen ausgefallen. Und jetzt auch noch das Silvestergeschäft. „Durch Ware, die wir nicht verwenden oder verkaufen durften, ist uns ein Gesamtschaden von 250 000 Euro entstanden“, rechnet Peter Ruppert vor. „Das ist brutal für einen kleinen Familienbetrieb wie uns.“

Feuerwerk wird eingelagert

Nach einem „für uns sehr ruhigen Jahr“, ergänzt Sebastian Ruppert, „hatten wir die Hoffnung, den Menschen zumindest an Silvester eine Freude bereiten zu können“. Ausgangssperre, Verkaufsverbot: Auch dieser letzte Traum ist geplatzt. „Wir haben rechtzeitig reagiert, bei Lieferanten auf die Bremse gedrückt und die Produktion unserer Eigenmarken ,Luna‘ und ,Peterchens Mondfahrt‘ gestoppt“, berichtet Peter Ruppert. Die Regale sind trotzdem voll bis unters Dach: „Wir lagern die Ware nun fachgerecht ein. Aber das ist gebundenes Kapital, auf diesem Verlust bleiben wir sitzen.“

Ob es 2021 besser wird? Sebastian Ruppert hat so seine Zweifel: „In der ersten Hälfte des Jahres sehen wir noch keinen Ausblick, dass sich die Lage für uns und unserem Berufsstand verbessert. Aber wir sind voller Vorfreude, unseren Kunden und Zuschauern bei Veranstaltungen wieder ein Lächeln abzuringen.“

Denn darum geht es den Rupperts, wie ihr Firmenname „Himmelsschreiber“ sagt: „Wir sind keine staatlich geprüften Böllerer, sondern Großfeuerwerker. Unsere Handschrift ist die leise Klaviatur – wir hassen das Reißerische, viel lieber zaubern wir Sonnenräder oder Goldregen an den Nachthimmel.“

Verbot sieht Peter Ruppert mit Skepsis

Feuerwerk zum Jahreswechsel sei „Tradition pur“, und das Verbot, egal ob privat oder von Profis wie ihm kunstvoll arrangiert, sieht Peter Ruppert mit Skepsis. Der 60-Jährige rechnet „mit schlimmen Unfällen“, weil manch einer sich nun mit Feuerwerkskörpern aus Österreich eindeckt, wo fast viermal soviel Pyrotechnik in einer Rakete stecken darf wie in Deutschland, oder gar mit illegalem Material aus Tschechien, „wo teils Industriesprengstoff zum Einsatz kommt“. In Deutschland dagegen liege eine seriöse Branche danieder, allein der europäische Marktführer Weco aus Köln müsse 20 Millionen Euro für Logistik zur Rücknahme der Feuerwerksartikel aufbringen.

Keine staatliche Coronahilfe

Apropos Geld: Staatliche Corona-Hilfe erhalten die „Himmelsschreiber“ nicht – weil sie ein Mischbetrieb mit angeschlossener Druckerei sind. Immerhin: Da sie mit als Erste Plexiglas-Trennscheiben produzierten und in der Corona-Pandemie unter anderem den Flughafen Frankfurt und mehrere Landratsämter ausstatteten, floss wenigstens mit dem Verkauf dieser Viren-Stopper Geld in die Kasse. „Das hat uns gerettet“, sagen Vater und Sohn.

Feuerwerk-Verbot an 35 ausgewählten Orten im Landkreis – 500 Euro Geldbuße beim Verstoß

Per Allgemeinverfügung, die vom 30. Dezember bis 1. Januar gilt, erlässt der Landkreis München an 35 öffentlichen Orten ein striktes Feuerwerksverbot. Der Verkauf von Silvesterfeuerwerk der sogenannten Kategorie F 2 (Raketen, Batterie-/Verbundfeuerwerk, römische Lichter und Knallkörper) ist ohnehin untersagt; möglicherweise haben Bürger aber Restbestände vom Vorjahr. Die in der Allgemeinverfügung festgelegten Orte seien „typische Silvestertreffpunkte“, an denen Menschengruppen für eine „unvertretbar hohe Infektionsgefahr“ mit Blick aufs Coronavirus sorgen würden. Bei Verstößen gegen das Böller-Verbot drohen 500 Euro Bußgeld; zudem verweist der Landkreis auf die bayernweite Ausgangsbeschränkung von 21 bis 5 Uhr, die auch in der Silvesternacht gelte – das Abbrennen von Pyrotechnik stelle „keinen triftigen Grund zum Verlassen der Wohnung dar“.

An diesen 35 Orten im Landkreis München gilt das strikte Feuerwerk-Verbot:

. Aschheim: Erdinger Straße 12 – 18, Feldkichner Straße (Marktplatz), Ismaninger Straße/Ecke Kirchenweg, Münchner Straße 8 (Ecke Herdweg)

. Baierbrunn: Am Kirchberg

. Garching: Bürgerhaus, Fußgängerzone, Professor-Angermair-Ring; Römerhofweg 12 und 12 c

. Gräfelfing: Am Anger

. Hohenbrunn: Pfarrer-Wenk-Platz

. Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Bahnhofplatz, Kirchenweg, Leonhardiberg, Leohardikirche, Skatepark, Waldfriedhof

. Neubiberg: Landschaftspark-Friedhof

. Neuried: Marktplatz

. Oberschleißheim: Bürgerplatz

. Ottobrunn: Freizeitanlage im Landschaftspark

. Putzbrunn: Innenhof/Neubiberger Straße 36 – 70, Kapellenplatz 1 – 11, Kriegerdenkmal

. Taufkirchen: Sportpark/Köglweg, Pappelstraße, Rathausplatz, S-Bahnumgebung, Gelände SV-DJK Taufkirchen (am Postweg)

. Unterhaching: Landschaftspark, Ortspark, Rathausplatz

. Unterschleißheim: Bezirksstraße, Rathausplatz, Valentinspark.

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