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Wegen interner Querelen musste die CSU ihre Kandidatenliste für den Gemeinderat neu aufstellen. In den letzten Monaten vor der Wahl wollen die Christsozialen und ihre Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger (vorne, weißer Pullover) noch mal richtig durchstarten und präsenter sein. 

Ortsvorsitzender und Wahlkampfleiter treten zurück

Wahlkampfbeben erschüttert Unterhachings CSU

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Zwei Monate vor der Kommunalwahl rütteln Turbulenzen die CSU Unterhaching mächtig durch: Der Ortsvorsitzende Michael Stiller und Wahlkampfleiter Stefan Drozkowski sind zurückgetreten, die Listenaufstellung für den Gemeinderat musste wiederholt werden.

Unterhaching – „Aufmachen in die Zukunft“: Unter diesem Titel hatte Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger zur öffentlichen Präsentation des Wahlprogramms der CSU eingeladen. Die Türen im großen Rathaus-Sitzungssaal blieben jedoch zunächst minutenlang verschlossen – außerplanmäßig musste die CSU ihre Gemeinderatsliste, eigentlich im Juli 2019 fixiert, neu aufstellen. Scheibchenweise sickerten danach die Gründe dafür sowie für einige Personalien durch.

Anwesenheitsliste war verschwunden

Von der Aufstellungsversammlung im Juli war beim CSU-Ortsvorsitzenden Michael Stiller die damalige Anwesenheitsliste nicht mehr auffindbar. Ein banal klingender Formfehler, der schlimmstenfalls aber hätte dazu führen können, dass die CSU-Liste nicht zur Kommunalwahl zugelassen worden wäre. Deshalb verwarf man schnell den Gedanken, den Formfehler „intern zu heilen“ durch ein nachträgliches Einholen der Unterschriften. „Kurz vor Weihnachten“, berichtet der Fraktionsvorsitzende Richard Raiser auf Nachfrage des Münchner Merkur, fiel also die Entscheidung: Neuaufstellung der Listenkandidaten im Januar.

Unterhachinger CSU-Größen schalten sich ein

Nun hätte die CSU einfach die alte Kandidatenliste 1:1 übernehmen können, aber dazu kam es nicht. Dem Vernehmen nach auch deshalb, weil Unterhachinger CSU-Größen wie Altbürgermeister Engelbert Kupka und Sozialministerin Kerstin Schreyer interveniert hatten. „Ein paar Positionierungen waren in der Tat unglücklich“, gibt Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger (mit deren Aufstellung formal übrigens alles in Ordnung war) zu.

Die CSU wollte nachbessern

Es ging um drei Bereiche. Erstens waren Frauen auf den Top-Ten-Plätzen unterrepräsentiert. Zweitens fühlte sich der JU-Nachwuchs zu wenig berücksichtigt. Und drittens ging es um die Platzierung bekannter Namen: Richard Raiser als Fraktionsvorsitzender an neunter und der preisgekrönte Develey-Chef Richard Durach nur an 13. Stelle? Gegenüber der Juli-Liste wollte die CSU plötzlich nachbessern.

Stiller und Drozkowski werten es als Affront und treten zurück

Doch die angedachten Korrekturen stießen bei denjenigen, die ihre Plätze räumen sollten, auf Widerstand. Der CSU-Ortsvorsitzende hätte mit Richard Raiser die Position tauschen und von fünf und neun rutschen sollen, das gleiche Wechselspiel war für Wahlkampfleiter Stefan Drozkowski vorgesehen, er hätte Michael Durach vorrücken und sich an Listenplatz 13 setzen lassen sollen.

Beide, Stiller und Drozkowski, werteten dies als Affront und traten mit sofortiger Wirkung von ihren Posten zurück. Zudem sind ihnen Fehler im bisherigen Wahlkampf vorgeworfen worden. Die Hauptkritik: Sie hätten es nicht geschafft, der Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger und Aktionen (wie beispielsweise die Sicherheitsmesse) die nötige öffentliche Wahrnehmung zu verschaffen.

„Ja, der Wahlkampf ist bisher nicht optimal gelaufen. Ich spürte das fehlende Vertrauen“, sagte Michael Stiller dem Münchner Merkur. Und die Rückstufung habe ihn verletzt, sein Rücktritt sei „eine Frage der Selbstachtung“ gewesen; der CSU als Partei werde er aber treu bleiben.

Bürgermeisterkandidatin findet neue Liste „wirklich cool“

Was die Personalie Droskowski angeht: „Den Rücktritt meines Wahlkampfleiters bedaure ich sehr, vieles beruht auf seiner Vorarbeit“, sagt Renate Fichtinger. Sie findet aber auch: „Die neue Liste ist jetzt wirklich cool und sehr attraktiv.“ Neu unter den 30 Kandidaten sind Rammlerbräu-Gründer Stefan Lettl und Karl Schmid von der JU, Markus Uhlig sowie Claudia Marini und Monika Datz. Außer Stiller und Drozkowski sind gegenüber der Liste vom Juli 2019 auch Michael Seidling, Benedikt Weidmann und Matthias Schmid ausgeschieden.

Die neue Liste wurde „mit großer Mehrheit, aber nicht ohne Gegenstimmen“ verabschiedet, sagt Richard Raiser. Dass die CSU jetzt ohne Ortsvorsitzenden und ohne Wahlkampfleiter dasteht, sieht der Fraktionsvorsitzende als „Kollateralschaden“ im Bestreben, die neue Liste „weiblicher und jünger“ zu machen. Nachfolger gebe es vor der Kommunalwahl nicht mehr: „Wir werden das als Team schultern und alle Kräfte bündeln, um unsere Bürgermeisterkandidatin sichtbarer zu machen.“

Die neue CSU-Liste

1. Renate Fichtinger, 2. Stefan Zöllinger, 3. Josefina Köster, 4. Korbinian Rausch, 5. Richard Raiser, 6. Franz Felzmann, 7. Anton Schrobenhauser, 8. Michael Durach, 9, Michaela Aschberger-Hedel, 10. Georg Gusbeth, 11. Brigitte Hochholzer-Ulrich, 12. Julia Probst, 13. Heike Schwarz, 14. Lorenz Kroll, 15. Sebastian Geigenberger, 16. Klaus Weidlich, 17. Catia Hilgart, 18. Markus Probst, 19. Steffen Haag, 20. Kurt Heininger, 21. Silvia Rettenweber, 22. Stefan Lettl, 23. Claudia Marini, 24. Alexander Mager, 25. Alexander Spahr, 26. Maria Primessnig, 27. Markus Uhlig, 28. Monika Datz, 29. Karl Schmid, 30. Elisabeth Deindörfer.

Alles zur Kommunalwahl

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München  haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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