Ein musikalisches Band verbindet Dirigent Alois Rottenaicher mit dem Akademischen Orchesterverband München seit vielen Jahren. Seit 2002 dirigiert Rottenaicher die rund 60 Laienmusiker. Foto: Brouczek

Konzert im "Kubiz": Effektvoll wie ein Gewitter

Unterhaching - Im ausverkauften „Kubiz" in Unterhaching ließ Dirigent Alois Rottenaicher mit dem Akademischen Orchesterverband München beste Stimmung aufkommen.

Die etwa 60 Amateurmusiker, darunter Studenten, Berufstätige und pensionierte Akademiker, begannen auch mit der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“, als schwungvolles Vorspiel im reizvollen Wechsel der Motive unerreicht. Auch brauchten die beiden Sängerinnen des Abends nicht lange auf Auftritte zu warten, es war der „Csárdás für Gesang und Orchester“ von Johann Strauß Sohn, erstmals aufgeführt 1873, im Jahr vor der Uraufführung der „Fledermaus“, dann in diese übernommen. Einst sang ihn die Sängerin der Rosalinde, nun steigerte Maria Amiradis ihren Sopran zu Leuchtkraft: „Klänge der Heimat, ihr weckt mir das Sehnen“. Ungarn war gemeint, „Csárdás tönt so hell“. Handelte bereits die zweite Nummer der Zeitschrift „Tritsch-Tratsch“ vom „Wiener Walzerkönig und seinen russischen künstlerischen und privaten Affären“, so entfaltete Rose Bihler Shah ihren vollen Mezzosopran zur „Tritsch-Tratsch-Polka“, die vor Übermut nur so sprudelte“.

Zu flottem Tempo wie hier motivierte Rottenaicher das Orchester bei der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“. Hofballmusikdirektor Strauß hatte der Künstlervereinigung „Hesperus“ (Abendstern) zwar ursprünglich den Titel „Sternschnuppe“ angekündigt, leuchtete doch damals ein verglühender Meteorit auf. Effektvoll wie ein Gewitter zog das Stück vorbei.

Gemächlicher ging es bei der reizend musizierten Annen-Polka zu, die wegen ihrer großen Beliebtheit einst im Wiener Prater sogar bei einem Waldmusikfest erklang. In Unterhaching sorgte die Mezzosopranistin mit dem Schwips-Lied aus der Feder des Operetten-Kapellmeister Alfred Jerger für gute Laune. Wiederum instrumentierte Strauß den Walzer „Frühlingsstimmen“ für Orchester anders als für Koloratursopran und Orchester, womit dessen Bruder Eduard im Frühjahr 1883 beim Strauß-Konzert im Goldenen Saal des Musikvereins enormen Erfolg hatte. Maria Amiradis zauberte Frühlingsgefühle herbei, denn „Die Lerche in blaue Höh entschwebt, der Tauwind weht so lau“ begann dieses Lied des Operettentexters Richard Genée, ein Romantiker.

Schlug das Orchester mit jenem Csárdás magyarische Töne an, so spielte es die Walzer „Geschichten aus dem Wienerwald“ im Original. Da nahm Strauß einen Zitherspieler der Umgebung ins Orchester, der zweimal mit einem Solo den Zusammenhang zwischen wienerischer Musik und Tanzweisen und Volksliedern verdeutlichte.

Im Kubiz gefiel Hans Berger mit besinnlichem Zitherspiel alpenländischer Tradition. Bei der Zugabe, „Oiss Guade“, antworteten seinem Solo Holzbläser und Streicher, helle Zither und sonores Kontrabass-Pizzicato kontrastierten reizvoll. Mit dem „Intermezzo“ und der vom Gesansduo vorgetragenen „Barkarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ sowie Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ rundete das Orchester sein Gastspiel ansprechend ab und erhielt viel Applaus. Arno Preiser

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