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Tempo 80 gilt nachts schon auf der A 995. Die Anwohner in Unterhaching hoffen auf zusätzlichen Lärmschutz durch einen Wall plus Wand. 

A995 und A8

Lärmschutz: Gutachten ärgert Anwohner

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Viel Geld, viel Zeit, wenige Ergebnisse: Anwohner sind enttäuscht vom Gutachten zum Lärmschutz in Unterhaching. Aus mehreren Gründen.

Unterhaching – Am Ende blieb eine gewisse Ratlosigkeit: Was heißt das alles jetzt eigentlich? Dezibelwerte, Immissionsorte, Lärmschutzoptionen, Rasterkarten: Der Diplom-Ingenieur Thorsten Otto vom Fachbüro Müller-BBM präsentierte nach zehn Monaten Vorlauf das mit Spannung erwartete und von der Gemeinde Unterhaching in Auftrag gegebene Lärmschutzgutachten. Bloß: Wesentlich schlauer war danach kaum jemand.

Die Ausgangslage: Viele Unterhachinger leiden unter dem Autobahnlärm von A 995 und A 8. Was lässt sich dagegen tun beziehungsweise wie würden sich Maßnahmen auswirken? Der Gutachter („Alles, was Alltagslärm betrifft, ist mein Thema“) erstellte ein höchst komplexes Rechenmodell mit allerlei Tabellen und Grafiken. Jenseits der Option, gar nichts zu tun, zeigte der Fachmann fünf Varianten auf: unter Einbeziehung des Lärms durch die vier großen innerörtlichen Hauptverkehrsadern, mit der Tempolimit-Aktion „80/80“ der Gemeinden Unterhaching und Taufkirchen, mit unterschiedlich hohen Lärmschutzwänden (drei und zwei Meter auf dem bestehenden Wall ) und mit einem neuen, fünf Meter hohen Lärmschutzwall, der direkt am Standstreifen der A 995 aufzuschütten wäre.

Ab wann ist Lärm überhaupt relevant im Sinne einer „Gesundheits- und Eigentumsverletzung“? Tagsüber ab 70 Dezibel, nachts ab 60 Dezibel. Grenzwerte, die laut Gutachter Thorsten Otto schon jetzt „an keinem Ort in Unterhaching“ überschritten würden. Aber laut sei es halt trotzdem. Und genau darum geht es den Anwohnern, von denen einige zur Gemeinderatssitzung gekommen waren.

Um 80 Minuten komplizierte Präsentation kurz zu machen: Ein Dauer-Tempolimit auf beiden Autobahnen („80/80“) hätte einen spürbaren Effekt; allerdings ist dies nach derzeitiger Rechtslage nicht durchsetzbar, nachts gilt es aktuell sowieso schon. Entlastung brächte auch Tempo 30 innerörtlich. Ein neuer Fünf-Meter-Wall direkt an der A 995 wäre ähnlich effektiv wie die Variante, eine Drei-Meter-Wand auf den alten Wall zu setzen. Und, auf Nachfrage von Karin Radl (SPD): Eine Verlängerung des Walls bei Taufkirchen brächte nichts. „Das ist nicht der Rede wert. Es hat eine gewisse Sinnhaftigkeit, wo der alte Wall jetzt aufhört“, sagte der Gutachter.

Natürlich kam die Frage nach den Kosten auf – und es gab keine Antwort: „Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, räumte Otto ein.

Während die SPD und Bürgermeister Panzer (SPD) sich auf „80/80“ versteiften, obwohl rechtlich derzeit unrealistisch, regte Claudia Köhler (Grüne) den „potenzierten Effekt“ mit Wall plus Wand an. Für diese Kombinationslösung plädierte auch Bernard Maidment (FDP), der zusammen mit Richard Raiser (CSU) das ausschließliche Beharren auf „80/80“ als „ziemlich einseitig“ kritisierte. Raiser sah „Signale in die falsche Richtung“, denn ein Tempolimit liege nicht in der Hand der Gemeinde, sondern des Verkehrsministeriums. Sein Credo: „Im Sinne der Bürger sollten wir die Variante Wall plus Wand nicht begraben.“

All das wird später entschieden. Der Unmut der Bürger indes, die noch während der Debatte den Saal geschlossen verließen, war spürbar. „Den Schmarrn kann man sich ja nicht mehr anhören“, grummelte einer.

Claudia Hilgart, neues CSU-Mitglied und engagierte Unterschriftensammlerin in puncto Lärmschutz, äußerte sich gegenüber dem Münchner Merkur: „Die Gemeinderatssitzung war extrem unzufriedenstellend. Wir Bürger werden in keiner Weise ernst genommen. Das 50 000 Euro teure Gutachten ist nur eine Szenario-Analyse mit ein paar Varianten, die wir gar nicht gebrauchen können. Pure Geldverschwendung, zumal wirtschaftliche Aspekte fehlen.“ Ein Tempolimit könne „nur als Ergänzung“ gesehen werden, aber jenseits der fraglichen juristischen Durchsetzbarkeit müsse es auch kontrolliert werden. Das wiederum gehe nur mit einer teuren Blitzer-Anlage. Quasi umsonst, wie von Panzer propagiert, sei die „Aktion 80/80“ somit ohnehin nicht.

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