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Der Lärm von der A995 ist für viele Anwohner eine echte Belastung. 

Brief und Unterschriften an Bürgermeister und Gemeinderat

Lärmschutzwand in Unterhaching: Bürger machen Druck

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Erst weder Lärmschutzwall noch -wand, dann Waldumbau als Puffer für den Autobahnkrach, jetzt vielleicht doch eine Lärmschutzwand auf einem Wall: Das Thema wabert seit Jahren durch Unterhaching. Nun gibt es einen neuen Vorstoß.

Unterhaching– Die Bürgerfrage-Viertelstunde im Ferienausschuss des Gemeinderats war recht schnell abgehandelt. Nein, man werde 2019 beim strittigen Thema Waldumbau „keine vollendeten Tatsachen mehr schaffen“, ließ Vize-Bürgermeister Professor Alfons Hofstetter wissen. Auch fänden parallel keine Verhandlungen mit den Bayerischen Staatsforsten statt. Und was das ewige Gerücht angeht, die Gemeinde lasse die Chance verstreichen, den Erdaushub vom Tunnelbau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke nahezu kostenfrei für Lärmschutzzwecke zu erwerben: „Da bin ich anders informiert“, sagte Hofstetter.

Unterschriften und klare Forderung

Einer der Fragesteller in der öffentlichen Sitzung war Wolfgang Busch. Der seit 1995 in Unterhaching lebende Anwohner hatte zuvor einen mehrseitigen Brief plus Unterschriftensammlung an Bürgermeister und Gemeinderäte verschickt. Tenor: kein Waldumbau, dafür eine Lärmschutzwand auf dem bestehenden Wall, und dies alles vor der Kommunalwahl 2020 eindeutig fixiert.

Fakt ist: Im November 2018 hatte der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung gefällt und jeglichen baulichen Lärmschutz aus Kostengründen abgelehnt. Anfang 2019 brachte die Kommune als Alternative ins Spiel, den Waldgürtel entlang der A 995 als Lärmschutzpuffer umzubauen, also den Bestand zu größeren Teilen abzuholzen und durch Fichten zu ersetzen. Diese Maßnahme würde allerdings erst in etwa 30 Jahren einen Effekt entfalten und wird zudem von den Bayerischen Staatsforsten als ökologisch nicht sinnvoll eingestuft. Dann schließlich präsentierte Lärmschutz-Aktivistin Catia Hilgart das Angebot einer Firma, die für 2,8 Millionen Euro eine begrünte Lärmschutzwand auf den bestehenden Erdwall bauen würde; weil der Preis weit unter den Schätzungen der Gemeinde liegt, lässt diese nun eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen, sucht dafür allerdings noch ein passendes Ingenieurbüro.

Der Druck steigt, denn in seinem Schreiben äußert Wolfgang Busch Zweifel daran, dass die Gemeinde in puncto Lärmschutz „zeitnah und fachlich richtig entscheidet“. Der von Rathaus-Seite angedachte „Waldumbau“ sei „ökologischer Wahnsinn“, ein „weitgehender Kahlschlag“, „grausamer Eingriff“ und „Geldverschwendung“.

Lärmschutz-Aktivisten wollen Lärmschutzwand auf Erdwall

Busch und Hilgart fordern eine vier bis fünf Meter hohe Lärmschutzwand auf dem Erdwall – als Variante 4 habe die Gemeinde diese Lösung schon 2018 in einem Gutachten vorgestellt. In seinem Schreiben fordert Busch die Kommune auf, bis zum Jahresende die Lärmschutzwand zu beschließen und die Kosten ins Budget für 2020 aufzunehmen. Dann ist nämlich Kommunalwahl, und es bestehe Gefahr, „potenzielle Wähler zu verärgern“. In diesem letzten Punkt des Schreibens steckt ein fast erpresserischer Zug, auf den die Gemeinde sich nicht einlassen wird. Aber eine objektive Prüfung der Sachlage ist angezeigt und vom Gemeinderat im Juni beschlossen worden.

Gemeinde-Sprecher: „Wir kaufen nicht die Katze im Sack“

Simon Hötzl, Pressesprecher der Gemeinde, bewertet die Sachlage so: „Wir prüfen, ob das eingereichte Angebot für eine Lärmschutzwand zum Preis von 2,8 Millionen Euro tatsächlich realisierbar ist.“ Ob der Kostenrahmen tatsächlich stimme, werde sich dann zeigen. „Wir kaufen nicht die Katze im Sack, sondern sind verpflichtet, solch ein Angebot genau zu prüfen.“ Es gehe um diverse Detailfragen: Stimme die Zusage der Absorption von Feinstaub und Schall? Inwiefern ist der Erdwall statisch gerüstet für den Aufbau einer Lärmschutzwand? Und, weil die Unterhachinger Lärmschutz-Aktivisten immer wieder auf eine vergleichbare Wand im Fasangarten verweisen: „Diese Wand befindet sich an einer Strecke der Bahn. Wir kennen weder die technischen Anforderungen noch die Kosten.“ Und auf noch ein Manko in der Argumentation der Lärmschutz-Aktivisten weist Hötzl hin. Sollte der Auftrag erfolgen, sei die Gemeinde verpflichtet, ihn europaweit auszuschreiben. Einfach den Zuschlag erteilen für die Option von Catia Hilgart? Keine Chance. Das Ziel sei klar: „Wir wollen bis zum Herbst ein Ergebnis. Was dann geschieht, muss der Gemeinderat entscheiden“, sagt Hötzl.

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