Mitarbeitermangel

Rathäusern geht das Personal aus

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Unbesetzte Stellen in den Rathäusern im Landkreis sorgen für massive Probleme. Immer mehr Arbeit wird auf immer weniger Schultern der noch verbliebenen Mitarbeiter verteilt. Die Belastung steigt. Anträge und Anliegen der Bürger bleiben länger liegen, weil sie nicht abgearbeitet werden können.

Landkreis – Dreimal hat die Stadt Unterschleißheim die Stelle für einen Straßenbaumeister ausgeschrieben. Dreimal Fehlanzeige. „Wir haben ein Jahr lang niemanden gefunden“, unterstreicht Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Dann wurde die Stellenbeschreibung samt Anforderungsprofil geändert – und schließlich ein neuer Mitarbeiter gefunden. Ein Einzelfall ist dies nicht. Nahezu alle Kommunen kämpfen mit erheblichem Personalmangel – und zwar nicht nur im Bereich Kinderbetreuung, sondern auch in der Rathausverwaltung.

Kaum brauchbare Bewerbungen

„Der Markt ist wie leer gefegt, gut ausgebildete Kräfte gibt’s immer weniger“, bestätigt Feldkirchens Gemeindeoberhaupt Werner van der Weck (SPD). Seit 1. Januar fehlt auch ihm ein Mitarbeiter im Bauamt. In diesem Bereich ist der Personalmangel besonders akut. Bislang „kamen keine brauchbaren Bewerbungen“, ähnlich sieht es für eine Stelle im Bereich Kasse aus, die spätestens Mitte 2018 neu besetzt sein muss.

Hohe Fluktuation, geringe Bezahlung

Kommunen haben ein „relativ starres Gehaltsgefüge“, das ihnen im Kampf um Fachkräfte erhebliche Nachteile gegenüber der freien Wirtschaft bringt, weiß Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos). „Die Fluktuation ist sehr hoch.“ Auch in seiner Verwaltung sind zwei Stellen unbesetzt, unter anderem die Leitung des Bauamts (wir berichteten). Die Ausschreibung läuft seit Dezember, bislang sei keine einzige Bewerbung eingegangen. Kommunen sind an den Tarif des öffentlichen Diensts gebunden, die Ballungsraumzulage von 75 Euro pro Vollzeitstelle „löst das Problem auch nicht“, sagt Sander. Etliche Städte und Gemeinden im Landkreis zahlen daher zusätzlich eine Arbeitsmarktzulage. In Feldkirchen beispielsweise erhalten die Angestellten rund 300 Euro pro Monat an Zulagen, um das teure Leben im Landkreis auszugleichen.

Engpässe in den Ferienzeiten

Unbesetzte Stellen sorgen für massive Probleme – und Ärger. Nicht nur durch „erheblich größere Belastungen der Kollegen und schlimmstenfalls Verzögerungen“ in der Bearbeitung von Anliegen, wie van der Weck darstellt. Auch Bürger trifft es – in Form von längeren Warte- und Bearbeitungszeiten. Wobei gesagt werden muss: Diese sind im Landkreis im Vergleich zur Situation bei der Stadtverwaltung München gering. Dort stehen oft 50 Bürgern schon morgens vor der Öffnung einiger Fachbereiche Schlange. Aber auch in den Kommunen des Landkreises „kann es zu Engpässen kommen“, gesteht Unterhachings Rathaussprecher Simon Hötzl. Beispielsweise in Ferienzeiten. Gerade die Abteilungen mit Kundenverkehr „versuchen wir aber zu verstärken“ – und so den Service hochzuhalten. Durch mehr Personal und ein steigendes Online-Angebot, mit dem Bürger ihre Anliegen im Internet erledigen und sich den Weg ins Rathaus sparen können.

Respektloser Umgang

Dieser Servicegedanke wird immer wichtiger. Denn „der Anspruch der Bürger an die Verwaltung ist gestiegen“. Ein Urteil von Hötzl, dem sich nahezu alle Bürgermeister anschließen. „Diese Obrigkeitshörigkeit gibt es nicht mehr“, nicht alle Informationen und Entscheidungen würden ohne Widerspruch geduldet. Die Gemeindechefs betonen, ihre Verwaltung ganz klar als Dienstleister zu verstehen. Doch manchmal reiche das Anspruchsdenken der Bürger von „fordernd bis unverschämt“, stellt Sander fest.

Auch sein Feldkirchner Amtskollege hat „in Einzelfällen“ das Gefühl, seine Mitarbeiter seien „Fußabstreifer. Respektlosem Umgang wird höflich, aber bestimmt entgegengetreten“. Zumal „die teils erkennbare Ungeduld die Mitarbeiter unter Druck setzt. Und unter Druck passieren Fehler“, fügt Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hinzu. Und „manche Wünsche kann man leider einfach nicht erfüllen“.

Verstärkt eigenes Personal ausbilden

Um dem Anspruch der Einwohner so gut wie möglich gerecht zu werden und fehlendes Fachpersonal zu kompensieren, setzen die Kommunen verstärkt auf die Ausbildung eigenen Personals. In diesem Bereich ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt gut. Viele junge Leute wissen die Vorteile einer Tätigkeit in der Kommunalverwaltung zu schätzen. „Wir haben in den letzten Jahren eine erhebliche Steigerung bei den Ausbildungszahlen zu verzeichnen“, betont Daniel Hajduk Leiter des Fachbereichs Öffentlichkeitsarbeit bei der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS), die die Azubis aus der Verwaltung zusätzlich zur Berufsschule besuchen – und dort auch praxisnah in Planspielen den Umgang mit Kunden trainieren. „Wir befinden uns auf dem höchsten Stand der fast 100-jährigen Geschichte der Bayerischen Verwaltungsschule.“ Bayernweit begannen vor fünf Jahren 621 Personen eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Zum Ausbildungsstart im September 2017 waren es 827 (plus 33 Prozent).

Rubriklistenbild: © dpa

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