Etwa 30 Minuten dauert die Bearbeitung einer Kontaktperson.
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Etwa 30 Minuten dauert die Bearbeitung einer Kontaktperson.

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Bei Anruf Quarantäne: Zahl der Kontaktpersonen steigt

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Die Infektionszahlen steigen: 35 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sind derzeit mit der Kontaktpersonen-Ermittlung beschäftigt.

Landkreis – Nur ein einziges Telefonat kann derzeit den Alltag auf den Kopf stellen. Durch die steigenden Infektionen mit dem Coronavirus schnellt auch die Zahl der Kontaktpersonen im Landkreis in die Höhe. Und jeder Infizierte bedeutet auch eine Menge Arbeit für das Gesundheitsamt. Täglich greifen Mitarbeiter der Gemeinden und des Gesundheitsamtes zum Hörer und informieren Kontaktpersonen über ihre Situation. Empfindlich dürfen sie dabei nicht sein, denn ihre Gesprächspartner reagieren nicht immer verständnisvoll. Für viele ist eine 14-tägige-Quarantäne eine Horrorvorstellung.

Seit Anfang der Pandemie im Frühjahr organisiert die Gemeinde Unterhaching das Kontaktpersonenmanagement selbst. „Aktuell sind zweieinhalb Dienstkräfte fest im Team“, erklärt Rathaussprecher Simon Hötzl. „Bei Bedarf ziehen wir aber Kollegen hinzu.“ Seit zwei Wochen unterstützen auch zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Kommune dabei, Kontaktpersonen zu ermitteln und zu informieren. Eine große Hilfe, trotzdem bleibt Alltägliches bei einem hohen Infektionsaufkommen auf der Strecke oder wird aufgeschoben. „In den einzelnen Abteilungen geht die Arbeit langsamer voran“, erklärt Hötzl. Im Gegensatz zum März ist der Aufwand pro Kontaktperson gestiegen. „Wir müssen ja nicht nur die Personen informieren“, sagt der Rathaussprecher, der selbst Teil des Kontaktpersonenmanagements ist. Neben den Gesprächen tragen die Mitarbeiter die Daten in die Unterstützungs-Software des Gesundheitsamtes ein. „Da ist man mit 30 Minuten pro Person schon dabei“, sagt Hötzl.

Simon Hötzl: „Letzte Woche hatten wir einen Fall mit 67 Kontaktpersonen“

In der Regel hat jeder Infizierte Kontakt zu zwei bis drei weiteren Bürgern. Es gibt aber auch Ausnahmen. „Letzte Woche hatten wir einen Fall mit 67 Kontaktpersonen“, sagt Simon Hötzl. Stundenlanges Herumtelefonieren und Informationen bearbeiten. Auch in der Gemeinde Haar variiert die Anzahl der Kontaktpersonen. „Das hängst davon ab, wie viele Kontakte der oder die Infizierte im Alltag hat“, erklärt eine Rathausmitarbeiterin. Etwa zehn Gemeindeangestellte kümmern sich – auf Rufbereitschaft – um die Kontaktpersonenermittlung. Dazu kommen unterstützend zwei Kräfte aus dem Gesundheitsamt.

Die Zuständigen sind nicht nur von Montag bis Freitag im Dienst, sondern auch am Wochenende. „An einem Sonntag hat ein Kollege mal bis 21 Uhr gearbeitet“, erinnert sich Hötzl. Trotz der enormen Leistung werden die Gemeindemitarbeiter nicht immer freundlich am Telefon begrüßt. „Manchmal trifft man auf grobes Unverständnis“, sagt Hötzl. „Wir versuchen die Leute dann abzuholen, doch das gelingt nicht immer.“ Die 14-tägige-Quarantäne, die man als Kontaktperson der Kategorie 1 (siehe Kasten) zuhause verbringen muss, sei für viele Bürger eine fundamentale Einschränkung. „Das ist ein großer Einschnitt in das Privat- und oft auch Berufsleben“, sagt auch eine Rathausmitarbeiterin aus Haar, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Das größte Glaubwürdigkeitsproblem hätten die Bürger jedoch damit, dass die Gesundheitsämter der Landeshauptstadt und im Landkreis unterschiedlich reagieren, sagt Hötzl. In den meisten Fällen zeigen sich die kontaktierten Personen jedoch verständnisvoll.

35 Mitarbeiter für Kontaktpersonenmanagement

Bis die Bürger jedoch einen Anruf bekommen, können oft mehrere Tage vergehen. „Wir können erst mit der Kontaktpersonenermittlung starten, wenn die infizierte Person im System des Gesundheitsamtes registriert ist“, erklärt Hötzl. „Das dauert manchmal seine Zeit.“ Laut Landratsamt sind derzeit 35 Mitarbeiter mit dem Kontaktpersonenmanagement beauftragt, 20 Personen mehr als noch im März. Sie kümmern sich unter anderem auch um die Gemeinden Sauerlach, Gräfelfing und seit etwa drei Wochen auch um Taufkirchen. Die Kommune hat die Kontaktpersonenermittlung vor Kurzem an das Gesundheitsamt abgegeben. „Die Aufgaben sind viel komplexer geworden, das kostet wahnsinnig viel Zeit“, sagt Rathausmitarbeiter Florian Müller.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis München steigt rasant an. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.

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