Impftermine gibt es jetzt nur noch über www.impfzentren.bayern. Foto: Frank Molter/dpa
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Direkt einen Termin zu vereinbaren ist indes nicht mehr möglich. (Symbolbild)

Über 5400 Menschen geimpft

Landratsamt München: „Wir glänzen nicht mit Platz 1“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Aus dem Landratsamt gibt es weiter keine verlässlichen Infektionszahlen. Direkt einen Termin zu vereinbaren ist jetzt nicht mehr möglich.

Landkreis – Landrat Christoph Göbel (CSU) muss sich dieser Tage oft entschuldigen. Dafür, dass Menschen mit Impf-Termin ins falsche Impf-Zentrum geschickt und dort abgelehnt wurden. Dafür, dass es seit zwei Wochen keine verlässlichen Infektionszahlen gibt. Und zumindest muss Göbel bedauern, dass von rund 1700 Verfahren wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz nur 400 von seiner Behörde abgearbeitet wurden. „Wir glänzen nicht mit Platz 1“, sagt der Amtschef.

1300 Anzeigen aus dem Vorjahr muss das Landratsamt noch bearbeiten. Es sind großteils Verstöße gegen die Masken-Pflicht oder Abstandsregeln. Die 400 bereits bearbeiteten Fälle waren zum großen Teil eingestellte Verfahren, die zu keiner Geldstrafe für Betroffene führten.

Göbel hofft jetzt auf „schnellen Vollzug“. Damit das gelingt, hat das Landratsamt nun eine dreiköpfige Arbeitsgruppe gebildet. Sie soll einzig die Ordnungswidrigkeiten bearbeiten, für die das Landratsamt zuständig ist.

Meldesystem: Darum gibt es keine verlässlichen Infektionszahlen

Erkenntnisse fehlten auch an „unbekannter“ Stelle bei der Zusammenführung eines bestehenden Datenprogramms in der Kreisverwaltung mit dem neuartigen Meldesystem „Demis“. Seit Neujahr ist die Software für die Meldung von Infektionszahlen für Landratsämter verpflichtend. Die teils funktionsunfähige Schnittstelle zwischen beiden Programmen ist Grund dafür, dass es seit zwei Wochen keine richtigen Infektionszahlen gibt.

Somit können Mitarbeitende in der Kreisverwaltung Infektionsketten nicht vollständig unterbrechen. „Ich halte das für ausgesprochen unerfreulich und vermeidbar“, sagt Landrat Göbel.

Fehler für Landrat Göbel nicht nachvollziehbar

Denn bisher hätte die Kreisverwaltung mit dem Programm „Äskulap“ keine „exotische“ Software verwendet. Im Gegenteil: Die Verwendung sei im Infektionsbereich üblich. Deswegen sei für Göbel nicht nachvollziehbar, dass von „heute auf morgen“ eine Plattform verpflichtend werde, die „keine funktionierende Schnittstelle“ zu den üblichen Programmen in den Gesundheitsämtern habe. Wer diesen Fehler zu verantworten habe, wisse Göbel nicht.

Froh ist der Landrat aber darüber, dass dieser Fehler „vergleichsweise wenig Probleme“ gebracht hat, weil die Meldezahlen nicht vollkommen falsch seien. Göbel geht davon aus, dass die Infektionszahlen aus dem Landkreis den Landesdurchschnitt nicht übersteigen. Mitte kommender Woche sollen die Infektionszahlen wieder richtig dargestellt sein. Bis dahin müssen Mitarbeitende insgesamt 10 000 Datensätze überprüfen.

Über 5400 Menschen haben sich bereits impfen lassen

Erfreulich sei zudem die gesteigerte Impf-Bereitschaft beim Pflegepersonal. Insgesamt haben sich bisher 5420 Menschen im Landkreis piksen lassen, davon 3758 Bewohner und Pfleger in 42 Alten- und Pflegeheimen sowie Behinderteneinrichtungen. Damit sind etwa die Hälfte aller Bewohner und Pflegekräfte in den Landkreis-Einrichtungen geimpft. Dennoch sind in Pflegeeinrichtungen aktuell 143 Bewohner und 65 Mitarbeitende mit dem Coronavirus infiziert. 24 Angehörige von Asylunterkünften wurden ebenfalls positiv getestet.

Morgen kommt die erste Lieferung mit dem Zweit-Impfstoff in den Kreis. Wann die nächsten Dosen für die Erst-Impfung eintreffen, weiß Göbel nicht. Dementsprechend sind auch keine neuen Impf-Termine bekannt. Indes hat der Ansturm auf FFP2-Masken in den Landkreis-Apotheken begonnen.

Weitere Schwierigkeiten: Keine Telefon-Registrierung möglich

Impf-Termine können künftig nicht mehr direkt vereinbart werden. Nach einer telefonischen Registrierung oder Online-Anmeldung werden Betroffene nach Priorisierung mit einem Terminvorschlag kontaktiert, verfügbarer Impf-Stoff vorausgesetzt. Im Impf-Zentrum in Oberhaching kam es gestern zu technischen Schwierigkeiten. Eine Telefon-Registrierung war dort bis Redaktionsschluss nicht möglich. Trotzdem: „Jeder soll sich bitte registrieren“, sagt Landrat Göbel.

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