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„Jeder braucht ein Dach über dem Kopf“, lautet der Slogan der Wohnungsnotfallhilfe der AWO. Immobilienfachfrau Christina Mittermaier setzt sich deshalb für obdachlose Menschen im Landkreis ein. 

Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt

Sie hilft obdachlosen Menschen bei der Wohnungssuche

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Wer mit einem Einkommen in München und Umgebung eine Wohnung sucht, hat es schwer. Wer als Obdachloser eine Wohnung sucht, hat kaum eine Chance. Es sei denn, er klopft an die Bürotür von Christina Mittermaier (30).

Landkreis– Die resolute junge Frau ist seit Oktober als Immobilienfachfrau für die Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) tätig. Zielsicher hilft sie Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, darunter Familien, alleinerziehende Mütter und Senioren. Wie jene ältere Dame, die in einer Obdachlosenunterkunft im Landkreis lebt. Sie konnte ihre Drei-Zimmer-Wohnung nicht mehr zahlen, seit sie Rentnerin ist.

„Die Dame hat drei Kinder groß gezogen und ihr Leben lang gearbeitet“, Christina Mittermaier richtet den Blick auf die Stärken. Das motiviert. Statt Zögern und Klagen erleben die Menschen, die in der Wohnungsnotfallhilfe an der Balanstraße 55 Hilfe suchen und Christina Mittermaier gegenüber sitzen, Zuversicht und Optimismus.

Rechte und Pflichten

In Praxiskursen erstellt Mittermaier mit den Klienten eine persönliche Bewerbungsmappe. Das wird heutzutage erwartet“, sagt die 30-Jährige und hebt energisch die Augenbrauen, „mittlerweile geht es beim Besichtigungstermin zu wie im Bewerbungsgespräch.“ Die gelernte Maklerin vermittelt ihren Klienten, welche Rechte und Pflichten sie als Mieter haben – „sie sind ja keine Bittsteller“ – und wie sie sich beim Besichtigungstermin verhalten sollten. Bei Bedarf richtet sie den wohnungslos gewordenen Menschen ein E-Mail-Konto ein und stellt Laptop und Handy zur Verfügung. So ausgestattet schreibt auch jene Rentnerin Vermieter an und fährt zu Besichtigungsterminen bis nach Wolfratshausen, Augsburg oder Rosenheim. „Sie hat die Internetsuche schnell gelernt. Aber nicht jeder hat die Energie“, sagt Mittermaier. Gerade Senioren sei das Entsetzen anzumerken, wenn sie mit Mieten von 1000 bis 2000 Euro konfrontiert werden.

Nach ihrer Ausbildung zur Immobilienkauffrau arbeitete Christina Mittermaier in Berlin für ein Unternehmen. „Bis ich merkte, dass ich gegen meinen Chef arbeitete.“ Damals besichtigte eine Familie eine Wohnung, die der jungen Mutter auf Anhieb gefiel. „Der Haken an der Wohnung war, dass es im Flur eine gebrochene Asbestfliese gab.“ Statt sie auswechseln zu lassen, gab ihr Chef die Anweisung: „Legen Sie einfach einen Teppich drüber.“

Weil das Einatmen von Asbestfasern krebserregend ist, machte Christina Mittermaier die ahnungslose Familie auf das Problem aufmerksam und riet von der Wohnung ab. „An diesem Tag wurde mir klar, dass ich nicht mehr als Maklerin arbeiten wollte.“

Ihre Berufserfahrung nutzt sie nun im Dienst der Obdachlosen, vorausgesetzt, dass sich deren Lebensverhältnisse stabilisiert haben und finanzielle, psychische und gesundheitliche Fragen geklärt sind. Dafür sind zuvor die Sozialarbeiter im FOL-Team zuständig.

Vermieter gesucht

Und auch für Vermieter ist die Immobilienfachfrau Ansprechpartnerin und berät in Sachen Vertrag, Miethöhe und Zuschüsse. „Viele Vermieter sind bereit, sozial zu handeln, sie wissen nur nicht wie.“ Neulich meldete sich eine Dame, die im Auftrag ihrer Tante im Landkreis München ein Haus vermieten möchte. „Ein sehr schönes Haus, groß genug für sechs Personen.“ Christina Mittermaier wird der Dame interessierte Familien vermitteln. „Die Entscheidung, wer einzieht, trifft aber der Vermieter. Wir stellen nur den Kontakt her.“

Wer Wohnraum vermieten will, kann sich an die Wohnungsnotfallhilfe wenden. Neben dem sozialen Aspekt hat das auch einen finanziellen Vorteil: „Man spart sich die Maklerprovision“, sagt Mittermaier.

Kontakt

Die Anlaufstelle „Wohnungssuche WoHin FOL“ ist ein Projekt der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im Landkreis München, Balanstraße 55, 81541 München, Tel. 089/ 672 08 70, Koordinatorin ist Christina Mittermaier, Tel. 0176/ 167 20 877.

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