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Schon heute lernen Schüler mit Tablets im Unterricht.

SERIE: 40.000 MENSCHEN MEHR ALS HEUTE SOLLEN BIS 2037 IM LANDKREIS LEBEN

So könnten sich Schulen in den nächsten 20 Jahren verändern

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40 000 Menschen mehr als heute sollen bis 2037 im Landkreis leben, darunter rund 11 000 Kinder und Jugendliche. Schon jetzt plant der Landkreis neue Schulen, bis dahin könnte er noch mehr brauchen. Wie sieht die Schullandschaft dann aus? Ein Blick in die Glaskugel.

Landkreis – Wo einst grüne, mit Kreidestaub überzogene Tafeln hingen, starren Schüler im Jahr 2037 auf eine weiße Wand. Auf Knopfdruck startet der Lehrer die Stunde, in der Mitte der Wand flimmert die Projektion eines überdimensionalen Handy-Bildschirms. Im Fach „Digital Technologies“ geht es heute um den richtigen Umgang mit dem Smartphone. Der Lehrer zeigt den Fünftklässlern, wie sie sicher Apps auf ihre Geräte laden, ohne dabei in eine Kosten- oder Abofalle zu tappen.

 Mit seinem Handy macht er alles vor, projiziert jeden Schritt direkt an die Wand. Mit ihren Schul-Smartphones – jeder Schüler hat eines, das aber in der Schule bleiben muss – machen die Schüler die Schritte nach. Stift und Papier brauchen sie nur noch selten, die meisten Übungen machen sie digital, schreiben auf in den Schreibtisch integrierten Touch-Bildschirmen.

Schulen im Landkreis München: Die Prognosen steigen

Ob die Digitalisierung die Schulen in den kommenden 18 Jahren derart verändert, ist heute natürlich noch nicht absehbar. Aber: dass sich die Schullandschaft im Landkreis verändern wird. Schon jetzt korrigieren Planer die Bedarfsprognosen regelmäßig nach oben. In vielen Gemeinden simuliert der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) im Auftrag des Landkreises, ob sich eine Schule lohnen würde. 18 Simulationen führt der PV für zusätzliche Gymnasien, Realschulen oder eine FOS/BOS landkreisweit seit 2017 durch.

17 Simulationen (S) laufen für neue Schulstandorte im Landkreis. In der dichten Schullandschaft gibt es künftig wohl mehr Gymnasien (rot), Realschulen (blau) und FOS/BOS (gelb) als bisher. Die gefüllten Punkte stehen für eine bestehende Schule, leere Kreise für eine genehmigte. Punkte mit einem Kreis drumherum sind Schulen im Ausbau, durchgestrichene Punkte sind Schulen im Bau. Ein P steht für private Träger.

Nicht erst seit der neuesten Bevölkerungsprognose, diebis 2037 kapitale 388 300 Landkreis-Bewohner – also rund 40 000 mehr als heute – voraussagt, ist klar, dass weitere Schulen benötigt werden. Das Landesamt prognostiziert dann rund 11 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mehr als heute. 14 Gymnasien und 7 Realschulen im Landkreis reichen nicht aus. Vor allem, da auch Schüler aus den umliegenden Landkreisen oder aus München dazukommen.

Schulen im Landkreis München: S-Bahn-Anschluss kein Muss mehr

Carola Seis

Sogar die vergleichsweise kleine Gemeinde Putzbrunn (6778 Einwohner) hat Ende des vergangenen Jahres bekundet, dass sie gerne ein Gymnasium hätte – trotz fehlenden S-Bahn-Anschlusses. „Vor zehn Jahren wäre das ein noch K.o.-Kriterium gewesen“, sagt Carola Seis, Stadtplanerin vom PV. Auch Hohenbrunn ist an einem eigenen Gymnasium interessiert.

Unter dem zunehmenden Druck, allen Schülern einen Platz bieten zu müssen, rücken ehemals nahezu chancenlose Gemeinden in den Mittelpunkt. Denn im Landkreis München schaffen es über 60 Prozent der Grundschüler aufs Gymnasium. Der beste Fall: „Jede Kommune hat mindestens eine weiterführende Schule“, sagt Seis. Insgesamt gäbe es dann weit über 30 weiterführende Schulen im Landkreis.

Wohnen in, um und auf der Schule

Wobei Schule 2037 nicht nur Schule ist. Seis schwebt vor, dass Schulorte mehr ins soziale Zentrum rücken, hier auch andere Veranstaltungen stattfinden. Öffentliche Nutzungen der Außenanlagen, lebendige Orte mit mehr Möglichkeiten, Treffpunkte für Jugendliche, Volkshochschule und Musikschule, wie es heute bereits der Fall ist. Oder dass ganz neue Konzepte entstehen, die Lern-, Arbeits-, und Wohnorte zusammen bringen. Aktuelles Beispiel: Auf der Turnhalle der neuen Michael-Ende-Schule in Unterschleißheim entstehen sechs Apartments.

Doch damit nicht genug, Carola Seis favorisiert flexible Modulbauten, die sich am Bedarf orientieren: „Wenn Räume in Zukunft einmal nicht mehr von der Schule genutzt werden, dann werden sie für andere zentrale Einrichtungen wie etwa ein Pflege- oder Gesundheitszentrum interessant.“ Hier sei die Schulpolitik gefragt, mit den Kommunen Konzepte zu entwickeln.

Da der Anteil der älteren Menschen im Landkreis bis 2037 laut Landesamt für Statistik um fast 22 000 Personen steigt, könnte sich dieses Thema zu einem wichtigen Aspekt entwickeln. Um Schulen später als Pflegeheim nutzen zu können, müssten sie von Beginn an barrierefrei sein. Wobei es freilich unwahrscheinlich ist, dass bei steigendem Bedarf Klassenräume oder ganze Schulen frei werden.

Christian Breu

Gleichzeitig gilt es aber auch, das Hier und Jetzt zu beachten. „Bei der Schulplanung muss man mehr die einbeziehen, die es betrifft: die Kinder“, sagt PV-Geschäftsführer Christian Breu. Das sei bei der Planung von neuen Schulen ebenso möglich, wie bei der Mittagsbetreuung. „Es geht nicht darum, Schulen für Kinder, sondern mit Kindern zu bauen. Oft ist man überrascht, wie mutig die schon sein können.“ In Unterhaching gebe es das Konzept, dass regelmäßig mit den Kindern und dem Kreisjugendring gesprochen wird, um neue Ideen zu bekommen. Dabei ging es etwa um die Gestaltung des Ortsparks oder die Möbel in den Kindergärten.

Schulen im Landkreis München: Unterricht wird immer digitaler

Wenn die Kinder beim Aussehen der Schule mitreden dürfen, wäre das auch bei neuen Unterrichtsfächern, gerade im digitalen Bereich, eine Idee. Schließlich wissen die Schüler, was sie hier lernen müssen. Ansätze gibt es bereits: Das Kultusministerium hat alle Schulen in Bayern angewiesen, „ihre Medienarbeit zu systematisieren und in Medienkonzepten zu dokumentieren“. Das soll dabei helfen, die Lehrpläne zu verbessern. „Schülerinnen und Schüler können somit Einfluss auf die pädagogische Schwerpunktbildung der Schule nehmen.“, schreibt das Kultusministerium auf Anfrage. Auch neue Schulfächer seien denkbar.

Lerninseln sind eines der aktuellen Lernkonzepte.

Außerdem arbeitet das Ministerium daran, die digitale Entwicklung in den Schulen voranzutreiben. Bayernweit gebe es bereits 10 000 digitale Klassenzimmer – also Klassenzimmer mit Lehrer-PC, Audiosystem und der Möglichkeit für Schüler, Tablets oder Smartphones zu nutzen. Digitale Bildung ist im sogenannten LehrplanPlus verankert, stellt „neben Lesen, Schreiben und Rechnen eine vierte Kulturtechnik dar“.

Heißt: Block und Stift gibt es wohl weiterhin. Gleichzeitig hält die Digitalisierung immer mehr Einzug in die Klassenzimmer. Smartphone, Tablet und Co. spielen eine immer größe Rolle. Wie das Klassenzimmer 2037 aussieht, lässt sich durch den Fortschritt der Technik nur erahnen.

Zur Serie

Wie sieht der Landkreis in knapp 20 Jahren aus? Der Münchner Merkur spielt Szenarien durch. Im ersten Teil konnten Sie lesen, wie sich der Verkehr entwickeln könnte. Im zweiten Teil ging es um die Wohnungssituation im Landkreis München. Im vierten Teil lesen Sie, wie sich das Freizeitangebot verändern könnte.

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