Glücklich sind die Fahrradschüler, die schon die praktischen Übungsstunden absolviert haben. Denn obwohl das Kultusministerium die Praxisausbildung wieder zulässt, verzichten viele Schulen darauf.
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Glücklich sind die Fahrradschüler, die schon die praktischen Übungsstunden absolviert haben. Denn obwohl das Kultusministerium die Praxisausbildung wieder zulässt, verzichten viele Schulen darauf.

Trotz Botschaft aus dem Kultusministerium

Radunterricht hat an Schulen keine Priorität

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Das Bayerische Kultusministerium hat den Schulen im Freistaat grünes Licht für die Wiederaufnahme des praktischen Verkehrsunterrichts gegeben. Trotzdem werden zahlreiche Viertklässler an den Schulen im Landkreis München, die bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie keine Fahrradschulung durch die Polizei hatten, am Ende leer ausgehen.

Landkreis – Die Schulen im Landkreis München dürften nach einer entsprechenden Pressemitteilung des Kultusministeriums in Zusammenarbeit mit der Polizei wieder praktischen Verkehrsunterricht anbieten. Das machen die meisten aber wohl nicht. Der Grund:  Viele Schulen setzen im derzeit laufenden Notbetrieb andere Prioritäten. „Wir müssen schauen, dass wir bis zum Ende des Schuljahres in den Kernfächer die im Lehrplan festgehaltenen Lehrziele erreichen“, sagt Christa Grasl, Rektorin an der Grund- und Mittelschule am Sportpark in Unterhaching. So sieht es auch der Rektor der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule in Höhenkirchen, Torsten Bergmühl. Es sei wichtig, den Viertklässlern einen möglichst problemlosen Übertritt an die weiterführenden Schulen zu ermöglichen, betont er.

Wie berichtet,hatte das Bayerische Kultusministerium in Abstimmung mit dem Innenministerium vor Wochen entschieden, aus Gründen des Infektionsschutzes die praktische Verkehrserziehung an Bayerns Schulen bis zum Schuljahresende auszusetzen. Davon betroffen waren unter anderem die Praxisteile der Radfahrerausbildung in den 4. Klassen. Vor wenigen Tagen folgte die Kehrtwende: Aufgrund der positiven Entwicklungen des Infektionsgeschehens und einem entsprechend neuen Hygienekonzept sei die praktische Fahrradprüfung nun wieder zu verantworten, heißt es in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums.

Eltern starten Online-Petition

Womöglich hat aber auch Kritik aus der Elternschaft zum Kurswechsel beigetragen. Schließlich äußerten nicht nur im Landkreis München Eltern ihre Sorgen über die Aussetzung der praktischen Verkehrserziehung. Im Landkreis Starnberg brachten Bürger gar eine Online-Petition auf den Weg, die innerhalb weniger Tage über 800 Unterstützer fand.

„Für die Sicherheit der Kinder im Verkehr ist das eine sehr gute Nachricht“, sagt Kultusminister Michael Piazolo zur Entscheidung seines Ministeriums, die Praxis-Einheiten an Schulen wieder zu ermöglichen. Er wünscht sich, „dass in den verbleibenden Schulwochen noch so viele Übungseinheiten und so viele Fahrradprüfungen wie möglich durchgeführt werden können“. Allerdings hat sein Ministerium den Schulen vor Wochen ausdrücklich nahe gelegt, sich bis zu den Sommerferien beim Vermitteln von Lerninhalten auf die Kernfächer zu konzentrieren, wie mehrere Schulleiter aus dem Landkreis auf Merkur-Nachfrage bestätigen.

Und so äußern sich die Schulen, was die Wiederaufnahme des praktischen Verkehrsunterrichts angeht, auch sehr zurückhaltend. Rektorin Birgit Streidl von der Grundschule Garching-Ost hält es für fraglich, ob ihre Viertklässler noch die fehlende Übungseinheit im Realverkehr wahrnehmen können. Schließlich seien es nur noch wenige Wochen bis Ferienbeginn und an manchen Schulen hätten Viertklässler noch an keiner der fünf Übungseinheiten mit der Polizei teilnehmen können.

Schulen sind mit Nachholen des Kernfächer-Inhalts beschäftigt

An der Erich-Kästner-Schule ist man beispielsweise nicht über die Theorie hinausgekommen. Trotzdem hätten seine Lehrer bei der Polizei nur die praktische Schulung zum Toten Winkel nachgeordert, erzählt Bergmühl. Zum einen, weil die Polizei sowieso in diesem Schuljahr nicht mehr alle Schulen bedienen könnte, wie der Rektor gehört hat. Zum anderen, weil man mit dem Nachholen und Festigen des wichtigen Lernstoffs sowie dem digitalen Schulausbau derzeit genug beschäftigt sei. Möglicherweise, so Bergmühl, könne man die Praxiseinheiten in der 5. Klasse der Mittelschule nachholen.

Auch Schulleiterin Grasl hat letztlich das Angebot der Polizei ausgeschlagen, im Anschluss an die ausstehende Tote-Winkel-Schulung noch eine praktische Stunde in Verkehrserziehung dranzuhängen. Ihrer Ansicht nach steht der Aufwand in keinem Vergleich zum Ertrag. So sei fraglich, wer letztlich die von der Polizei zur Verfügung gestellten Fahrräder desinfizieren müsse. „Die Schule ist letztlich für das Desinfektions- und Hygienekonzept verantwortlich“, sagt sie.

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