Autofahren im Alter
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Im Alter lassen Reaktionsfähigkeit und Sehvermögen nach. Auch das können Gründe für Verkehrsunfälle durch Senioren sein. 

Vorschlag der Kreis-SPD

Senioren sollen Führerschein gegen kostenloses MVV-Ticket eintauschen

  • vonAndreas Sachse
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Den freiwilligen Verzicht auf die Fahrerlaubnis will die SPD mit dem MVV-Seniorenticket belohnen. Wer ab 65 Jahren seinen Führerschein abgibt, soll Bus, Bahn und Zug im Landkreis München kostenlos nutzen dürfen.

Landkreis– Mit ihrem Antrag will die SPD-Fraktion im Kreistag, Senioren eine Alternative zum Auto anbieten. „Viele Leute ab 65 Jahren überlegen, auf den Führerschein zu verzichten, wollen aber mobil bleiben“, sagt Fraktionssprecherin Ingrid Lenz-Aktas. „Und jedes Auto weniger dient dem Klimaschutz.“ Für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) würde zudem neues Fahrgastpotenzial erschlossen. 

Keine Debatte um Altersdiskriminierung

Jedes Auto weniger erhöhe auch die Sicherheit für Radfahrer, pflichtete Lenz-Aktas bei und ergänzte: „Es ist aber nicht unser Ziel, dezidiert Senioren aus dem Verkehr zu nehmen.“ Eine Debatte der Art „Altersdiskriminierung versus Verkehrssicherheit“ habe die SPD nicht im Sinn. 

Genauso wenig wie es der Fraktion um eine Altersgrenze geht. Der MVV definiert 65 Jahre als Untergrenze für das Seniorenticket. Zwar würden Senioren ab einem gewissen Alter als Risikogruppe auffällig, konstatiert Lenz-Aktas: „Dieses Alter aber ist sehr hoch, und dagegen steht die Erfahrung älterer Verkehrsteilnehmer.“

Ältere Autofahrer oft Verursacher von Unfällen

Studien zeigen, dass 75-jährige Autofahrer bei Unfällen zu 75 Prozent auch die Verursacher sind. Während Tauglichkeitstests in der Schweiz ab 70 Jahren Pflicht sind, bleiben sie hierzulande freiwillig. Teilnehmerzahlen halten sich aus Sorge vor etwaigen Konsequenzen in Grenzen. Der Mangel an einer offenen Debatte produziert Ängste und Meldungen wie diese: Ein 83-Jähriger rast im März in Nordrhein-Westfalen in eine Gruppe von Senioren, tötet eine 92-Jährige. In Düsseldorf wird ein 91-Jähriger auf Bewährung verurteilt, der eine 69-Jährige auf dem Zebrastreifen tödlich verletzte. Wie sich herausstellte, litt der 91-Jährige an einer Sehschwäche. In Winsen an der Luhe ist ein 90-Jähriger sieben Mal ohne Fahrerlaubnis erwischt worden, bis die Polizei zu Jahresbeginn sein Auto kassierte.

Den Menschen eine alternative Mobilität anbieten

Derart uneinsichtig erweist sich nicht jeder Senior am Steuer. Nachdem Prinz Philip (97), Gatte von Queen Elizabeth II, sich mit seinem Landrover überschlug, gab er im Februar den Führerschein ab. Der Prinz befindet sich in guter Gesellschaft. Tausende von Senioren ergriffen bundesweit die Gelegenheit, Führerschein gegen Busticket zu tauschen. „Das ist der Punkt“, sagt Lenz-Aktas: „Wir müssen den Leuten eine alternative Mobilität anbieten.“

Städte wie Dortmund, Essen und Augsburg, die Landkreise Günzburg, Esslingen und Unterallgäu bieten Senioren zum Teil seit 2002 an, Führerschein gegen Busticket zu tauschen. Von den guten Erfahrungen der Kommunen sollte der Landkreis nach Ansicht der SPD profitieren.

Anders als Dortmund oder Essen würde Lenz-Aktas das Seniorenticket zeitlich unbefristet anbieten. In Dortmund ist Busfahren nur zwei Monate frei, andernorts ein Jahr. „Wir wollen aber doch echte Alternativen schaffen, den Leuten nicht die Mobilität nehmen.“ Die SPD-Sprecherin ist überzeugt, zufriedene Senioren als Multiplikatoren für die gute Sache zu gewinnen. „Wer feststellt, dass der öffentliche Nahverkehr gar nicht mal so übel ist, spricht darüber mit Gleichaltrigen.“

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