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Vorbild: Das Stelzenhaus am Dantebad ist ein Musterbeispiel, wie man platzsparend bauen kann.

Stelzenhäuser

Suche nach Wohnraum aus der Luft

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Das Stelzenhaus über dem Dantebad in München hat 2016 für frischen Wind auf dem angespannten Wohnungsmarkt gesorgt. Unterföhring zog mit einem Plan für zwei Wohnhäuser auf Stelzen über einem Parkplatz nach. Mit einem neuen Vorschlag heizen die Grünen im Landkreis die seitdem eingeschlafene Debatte an.

Landkreis– Das Landratsamt wird in dem Antrag aufgefordert, den Landkreis nach geeignetem Raum für platzsparendes Bauen zu durchforsten. Von Flachbauten über Parkplätze bis zu niedrigen Supermärkten – überall wo allzu verschwenderisch mit der Mangelware Platz umgegangen worden ist, will die Kreistagsfraktion der Grünen mit der Lupe drüber gehen. „Das ist nicht allzu aufwendig“, sagt Fraktions-Vize Markus Büchler. Luftbildaufnahmen sollten reichen, um eine Liste geeigneter Objekte in den 29 Gemeinden des Kreises zu erstellen. Baurecht zu erteilen sei zwar Aufgabe der Gemeinden. „Als Anregung sollte sich das Landratsamt aber mit dem Hinweis an die Rathäuser wenden, dass der Kreis mit der BML über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft verfügt.“ In der Tat wäre BML-Chef Ulrich Bittner allzu gern bereit, das Heft in die Hand zu nehmen. Den Münchner Merkur ließ der Geschäftsführer der Baugesellschaft München Land (BML) wissen, jederzeit loslegen zu wollen, sobald man ihm geeignete Projekte vorstellen würde. Als „Dienstleister der Mitgliedskommunen“ schafft die BML preisgünstigen Wohnraum ohne Profite erwirtschaften zu müssen. Bis auf Gräfelfing und Grünwald gehören alle 29 Kreis-Gemeinden der GmbH an. Grundstücke im Eigentum von Kommunen oder Schul-Zweckverbänden wären laut Bittner am ehesten geeignet, Baukosten zu begrenzen.

Wohnungen für Studenten und Azubis

Das auf Stelzen über dem Dantebad errichtete, fünfstöckige Haus mit 100 preisgünstigen Mietwohnungen hatte die Suche nach neuem Wohnraum vor zwei Jahren befeuert. Im Jahr darauf genehmigte Unterföhring zwei Stelzenhäuser über dem Parkplatz an der Apianstraße. Bezahlbarer Wohnraum für Azubis und Studenten soll dort geschaffen werden. Immer mehr Architekten wie der renommierte Investor und Querdenker Ernst Böhm (61) aus Bad Aibling rufen den Gesetzgeber zu Reformen auf. So sollte der Staat beim Ersterwerb auf Grunderwerbssteuer verzichten und für brachliegenden Grund mit Baurecht ab dem fünften Jahr Grundsteuer erheben. Im Gegenzug sollten Grundbesitzer, die Gewinne aus Grundstücksverkäufen in bezahlbaren Wohnraum investieren, Steuererleichterungen erfahren. Vor allem aber wirbt Böhm für die Modulbauweise, für das Bauen mit vorgefertigten Wohnbereichen und Küchenzeilen.

Chance für Supermärkte

Stelzenhäuser und Modulbauweise rufen auch Discounter wie Lidl und Aldi auf den Plan. Preiswerte Wohnungen auf den Dächern der zumeist aus einem ungenutzten Flachbau mit Parkplatz bestehenden Läden sind eine Chance für Aldi, Lidl & Co. auf weitere Standorte in den Innenstädten. So plant etwa Lidl 40 Wohnungen auf einer Filiale im Frankfurter Gallus-Viertel. In Berlin will Aldi 17 Filialen um 2000 Wohnungen ergänzen. Ähnliche Projekte gibt es in München und Köln. In Nürnberg hat sich Norma sogar eine Kindertagesstätte nebst Wasserspielplatz aufs Dach gepflanzt.

Grüne setzen auf Gesellschaften

Ende 2016 lud Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Supermarktketten ein, ihre Filialen um Wohnraum zu ergänzen. So lange aber wollen die Kreis-Grünen nicht warten. Discounter stellen für Markus Büchler allenfalls die zweitbeste Lösung dar. „Wir haben die Baugesellschaft München-Land und eine Reihe von anderen Wohnbaugesellschaften und -genossenschaften in den Gemeinden.“ Warum auf Aldi und Lidl warten, wo doch niemand so günstig baut, wie die BML oder eine der Gesellschaften aus Pullach oder Taufkirchen? Eine Anfrage der Stadt Unterschleißheim, auf der Filiale in der Carl-von-Linde-Straße Wohnungen zu bauen, wies Aldi ohne Angabe von Gründen im Februar allerdings zurück. Discounter konzentrieren sich gegenwärtig lieber große Metropolen.

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