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Eine beispielhafte Polit-Karriere hat Kerstin Schreyer von Unterhaching aus hingelegt. In ihrem Amt als Sozialministerin fühlt sie sich bestens aufgehoben. 

Landtagskandidaten im Porträt

Kerstin Schreyer (CSU): Ihr Antrieb ist das soziale Gewissen

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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„Schon seit meiner Kindheit bin ich immer für Menschen eingetreten, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, sagt Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer. Die erfahrene CSU-Politikerin aus Unterhaching tritt erneut für den Landtag an und setzt auf  Kompetenz und klare Kante. 

Unterhaching – Bei dieser langen Liste an Terminen, morgens hier und abends dort und zwischendrin irgendwo, da kann das schon passieren. „Wo bin ich dann?“, fragte also Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) etwas überrascht, als wir sie Mitte Juli bei einer Podiumsdiskussion trafen und beiläufig erwähnten, dass vier Tage später ja schon wieder ein gemeinsamer Termin anstehe.

Eine kleine Episode, die zeigt, wie prall gefüllt der Berufsalltag der 47-Jährigen aus Unterhaching ist, seit Ministerpräsident Markus Söder sie in sein Kabinett berufen hat. Übrigens, bei dem ein bisschen „vergessenen Termin“ handelte es sich um Kerstin Schreyers „Münchner Rede“ zur Sozialpolitik. Für den Stimmkreis München land Süd tritt die erfahrene Politikerin jetzt erneut als Landtagskandidatin an.

„Ich arbeite sieben Tage die Woche. Einen klassischen Arbeitstag gibt es nicht, jeder Tag ist anders.“ Oft beginnt es morgens vor 7 Uhr und endet gegen Mitternacht. In den Sommerferien hat sich Kerstin Schreyer fünf Tage Urlaub gegönnt, in dieser Zeit 790 E-Mails beantwortet. Für das Interview mit dem Münchner Merkur, in einer Unterhachinger Eisdiele, kann sie sich exakt 60 Minuten Zeit nehmen. Zwischen zwei Terminen.

Doch bei allem Pensum, von Stress keine Spur bei der 47-Jährigen: „Ich liebe diese Abwechslung – völlig unterschiedliche Termine jeden Tag, in den verschiedensten Regionen Bayerns, sowohl für den Stimmkreis als auch fürs Ministerium.“

Ihr Antrieb ist das soziale Gewissen. „Schon seit meiner Kindheit“, erinnert sich Kerstin Schreyer, „bin ich immer für Menschen eingetreten, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Später tat sie das beruflich als Sozialpädagogin, dann als Kommunalpolitikerin und seit 2008 als CSU-Landtagsabgeordnete. „Jetzt, als Ministerin, habe ich nochmal mehr Durchschlagskraft.“ Insofern hat der neue Job die Unterhachingerin nicht wesentlich verändert – er gibt ihr nur mehr Möglichkeiten.

Dazu gehört auch, Politik zu erklären in einer Zeit, in der Zusammenhänge immer komplexer werden, es nicht immer einfache Lösungen gibt. Selbst während unseres Interviews stimmt die vierköpfige Presseabteilung Medienmitteilungen ab, nimmt im Detail Korrekturen vor, die Kerstin Schreyer danach absegnen muss. Denn die Resonanz auf ihre Arbeit ist der Unterhachingerin wichtig: „Ich studiere jeden Tag den Pressespiegel, um zu sehen, welche Themen schlagen wie auf, wo muss ich vielleicht nochmal etwas erklären? Ich will nur an Fehlern gemessen werden, die ich gemacht habe, und nicht an welchen, die erfunden wurden.“

Keine Kontroverse scheuen

Ihre Themen im Sozialministerium sind praktischerweise ziemlich identisch mit denen im Stimmkreis, eine Bandbreite der Gesellschaft: Integration und Asyl, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bezahlbarer Wohnraum, Kinderbetreuung, Verkehr, Rente. Feedback holt die 47-Jährige bei Infoständen in allen Kommunen im Stimmkreis: „Ich will nah an den Bürgern dranbleiben. Anders als Umfragewerte sind diese direkten Reaktionen der Lackmustest.“

Im Dialog, egal ob in- oder extern, scheut die Unterhachingerin keine Kontroverse. „Ich bin sperrig, kantig und anstrengend“, betont die CSU-Ministerin. „Wir haben in der Politik zu viele weichgespülte Menschen, die immer nur schauen, was das Gegenüber hören möchte.“ Manches könne sie sicher diplomatischer formulieren, weiß Kerstin Schreyer, aber: „Der Bürger hat ein Recht darauf, dass er weiß, wofür stehe ich und wofür nicht und dass ich mir nicht die Wähler dadurch erkaufe, dass ich jedem nach dem Mund rede. Ich werde von meinem Weg kein Jota abweichen.“

Klare Kante, klare Linie. Eine, die Kerstin Schreyer langfristig sieht, über den Wahltermin am 14. Oktober hinaus. Sie habe im zuvor schon gut aufgestellten Sozialministerium neue Akzente gesetzt, beispielsweise beim Familiengeld oder der Gewaltprävention gegenüber Frauen. Diese Dinge gelte es „in die Länge zu denken, über Legislaturperioden hinaus Konzepte für die Zukunft zu entwickeln, wo soll Bayern 2030 stehen?“ Fragestellungen, der sich die CSU-Fraktion im Landtag kontrovers und – wegen der breit gefächerten Kompetenzen – auf fachlich hohem Niveau annehme.

Ihre Tochter schaut sich jede Rede an

Der Blick von außen allerdings schade nie, und so ganz von außen, verrät die dynamische Unterhachingerin, ist er gar nicht. „Meine Tochter schaut sich bei Youtube fast jede Rede an, die sie von mir findet, und stellt mir dann Fragen dazu, weil sie das wahnsinnig interessiert“, sagt Kerstin Schreyer. „Aus der gedanklichen Klarheit dieser fast 13-Jährigen nehme ich sehr viel mit, wir Erwachsenen drehen uns nämlich oft im Kreis.“ Ähnlich gehe es ihr bei Debatten mit Schulklassen: „Diese Perspektiven sind enorm viel wert.“ Denn: „Viele Dinge kann man ja verschieden entscheiden.“

An Ideen mangelt er der Sozialministerin beileibe nicht, die nächsten stimmt sie unmittelbar nach dem Interview mit ihrem Mitarbeiterstab ab. Und dann naht auch schon der Fahrer – ab zum nächsten Termin.

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus den Stimmkreisen München- Land Süd und Nord vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Gewichtung.

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