Abgeplatzte Farbe, tiefe Löcher: Die ramponierte Ente, ein Kunstwerk von Wolfgang Flatz, ist zum Symbol des Verfalls im FEZ geworden.
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Abgeplatzte Farbe, tiefe Löcher: Die ramponierte Ente, ein Kunstwerk von Wolfgang Flatz, ist zum Symbol des Verfalls im FEZ geworden.

Perspektiven für das FEZ

Leere und Verfall: So soll das Fasanenpark-Einkaufszentrum gerettet werden

  • Martin Becker
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Die große gelbe Ente symbolisiert den Zustand fürs Drumherum. Abgeplatzte Farbe, tiefe Löcher. Und, anders als früher: Sie schwimmt nicht mehr, sondern klemmt fest. Das Kunstwerk von Wolfgang Flatz, 1997 in im „Fasanenpark-Einkaufzentrum“ (FEZ) in Unterhaching errichtet, spiegelt mit seinem Verfall den Zustand des ganzen Areals wider.

Unterhaching - Um gegenzusteuern und die Wiederbelebung zu initiieren, haben die Gemeinderäte Emil Salzeder und Claudia Töpfer von der neuen Neo-Fraktion jetzt erst eine Umfrage und dann eine Videokonferenz organisiert. Ergebnis: Es gibt Perspektiven. „Wir wünschen uns nicht nur neue Farbe, sondern auch neue Knochen“, resümierte Emil Salzeder nach fast zwei Stunden Videokonferenz. An der hatte auch Thilo von Stechow teilgenommen – der Geschäftsführer der Asset One vertritt die Belange der FEZ-Eigentümerin Union Investment. Er sagte: „Wir haben Interesse daran, dass das FEZ vital bleibt.“

Das wünschen sich die Kunden

Genau daran mangelt es seit Jahren. Vor neun Jahren verabschiedete sich Schlecker, später ein Reisebüro. Wunden, die bis heute klaffen – Leerstand verringert die Kundenfrequenz, darunter wiederum leiden umliegende Läden und Praxen. Eine Umfrage hat ergeben: 58 Prozent der FEZ-Kunden vermissen einen Drogeriemarkt, 28 Prozent ein Café. In puncto Gastronomie würden sich 50 Prozent einen Imbiss wünschen und 27 Prozent ein klassisches Wirtshaus.

Neue Geschäftsleute interessieren sich für die Ladenräume im Einkaufszentrum an der Parkstraße.

Neben der Leerstandsbekämpfung ging es bei der Umfrage aber auch um das Enten-Kunstwerk. „Bitte repariert mich“, haben Kinder geschrieben. Als „kaputt, ungepflegt und vermüllt“ wurde die Ente eingestuft, auch als „Platzverschwendung“. Aber: Im Falle einer Restaurierung stimmten 73 Prozent der Befragten für den Erhalt. Weil zugleich der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität, Sitzgelegenheiten und Bepflanzung aufploppte, kam die Frage auf: Nimmt die Ente zu viel Platz weg? Steht sie gar einer Erneuerung des FEZ im Weg?

Die Ente soll bleiben

Bei einem Ortstermin im Februar betonte der Künstler Wolfgang Flatz das Interesse daran, sein Kunstwerk zu erhalten. „Dass die Ente mal schwimmen konnte, war mir gar nicht bewusst“, sagte Thilo von Stechow. „Wir sind nicht dogmatisch dagegen. Wenn der Charme der Ente gewünscht ist, setzen wir sie instand.“ Dies scheint so zu sein. Plus der Wunsch „nach Aufenthaltsqualität“, die sich laut Emil Salzeder aber „mit relativ wenig Aufwand“ schaffen ließe. Ziel: lieber „Mütter mit Kinderwagen als obskure Gestalten mit Bierflasche“.

Neue Geschäftsleute melden Interesse an

Was den jahrelangen Leerstand angeht, so vermochte Thilo von Stechow bemerkenswerte Neuigkeiten zu vermelden. Fürs ehemalige Schlecker-Areal interessiert sich ein lokales Unternehmen, das dort das Thema „Wald, Wild & Wein“ umsetzen möchte mit Hofladenkonzept und Wildkräuterschule, basierend auf Naturalien aus dem Perlacher Forst sowie einem kleinen Bistro. Fürs ehemalige TUI-Reisebüro hatte ein Blumenladen abgesagt, nun steht eine Änderungsschneiderei in den Startlöchern. Beides, so der Tenor, könne mit Laufkundschaft das restliche FEZ neu beleben.

Darüber hinaus gibt es leer stehende Büroflächen, für die von der Kommunalpolitik „Unterstützung für die Umwandlung in Arztpraxen“ erbeten wird. Emil Salzeder, der Ex-Grüne und jetzt Neo-Gemeinderat, formuliert seine Vision so: „Derzeit haben wir ein Abstoßungszentrum – was wir schaffen müssen, ist ein Gravitationszentrum.“ Die Unterhachinger also wieder ins FEZ zu locken, unabhängig davon, ob die Ente schwimmt oder nicht.

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