Leistungssportklassen

Kündigen oder abspecken?

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Unterhaching - Die Gemeinde Unterhaching lässt sich von Schulleiterin Christ Grasl umstimmen und hält vorerst an den Leistungssportklassen fest.

Die Marschrichtung war an sich von vornherein klar. „Der Vertrag mit der Regierung von Oberbayern über die Leistungssportklassen vom 17.05.2013 wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt“: So lautete wörtlich der ursprüngliche Beschlussverschlag im Unterhachinger Kultur- und Sozialausschuss.

Denn nach Auffassung der Rathausverwaltung würden „die Schülerzahlen so sehr steigen, dass wir keinen Platz mehr haben“, rechnete Hauptamtsleiter Thomas Portenlänger vor. Also: Schluss mit Fußballförderung und anderem Leistungssport – es gebe „keine andere Möglichkeit“.

Die gab es am Ende, nach 70-minütiger Debatte, doch. Weil Christa Grasl, die Leiterin der Grund- und Mittelschule am Sportpark, und Sportlehrer Kai Hintzer massiv intervenierten; weil die beiden ein Raumkonzept vorlegten; und weil die kommunalen Entscheidungsträger ihre Kündigungs-Vision nicht gründlich genug zu Ende gedacht hatten.

Das Aus fürs @Leistungssportprojekt würde zwar das Raumproblem lösen (den Schülerprognosen zufolge fehlen ab 2017 vier Klassenzimmer), gleichzeitig aber neue, ganz andere Probleme aufwerfen. Wie Christa Grasl darlegte, seien dem Kultusministerium und dem Bayerischen Fußballverband ein „Verbundsystem München Süd für alle drei Schularten“ sowie der Standort Unterhaching wegen der Nähe zur SpVgg und der Sportschule Unterhaching „sehr wichtig“. Überdies sei das Sportprofil der Unterhachinger Mittelschule „im Großraum München einzigartig“ und ein bedeutsames Charakteristikum für die Reputation: „Andere Mittelschulen müssen um Schüler kämpfen, bei uns werden sie über den Sport generiert.“

Auch auf die schulinterne Struktur hätte das Sport-Aus negativen Einfluss, führte Grasl aus. Denn: „Ohne die Leistungssportklassen gäbe es nur noch eine fünfte Klasse statt zwei. Der M-Zug ist in der siebten und achten Klasse momentan auch nur durch die Leistungssportschüler möglich.“ Kein M-Zug mehr, große statt kleine Klassen (Mindestzahl 13 Schüler): Die Mittelschule Unterhaching könnte rapide an Attraktivität verlieren. „Der Ruf würde leiden, der Charakter verloren gehen“, fürchtet die Rektorin ums (noch) gute Image.

Kai Hintzer, der das Fußballprojekt leitet, konkretisierte die Argumente mit Zahlen. 96 Leistungssportschüler gibt es aktuell, davon 42 im Fußballzweig und 54 aus anderen Sportarten. 18 Kinder spielen beim FC Bayern, dem TSV 1860 oder der SpVgg Unterhaching. Insgesamt kommen 15 Prozent der Schüler aus Unterhaching selbst, weitere 22 aus Nachbargemeinden. Die M-Zug-Klassen existieren in den Jahrgangsstufen sieben und acht nur aufgrund der Sportschüler. Was das Platzmangel angeht, so boten Grasl und Hintzer Alternativen an: Unter anderem könne der Presseraum im benachbarten Stadion genutzt werden, auch eine „Wanderklasse“ ohne festen Raum sei eine Option.

Claudia Köhler (Grüne) warnte „vor dem ersten Reflex, das Angebot für Schüler zu verknappen“ – das sei der falsche Weg. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) indes sind die „polysportiven Schüler“ ein Dorn im Auge – die stünden, anders als die Fußballkinder, nicht im Vertrag mit der Regierung von Oberbayern. Ihre Anzahl, so die finale Lösung, soll nun „je nach Schulhauskapazität“ reguliert werden.

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