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Neu bepflanzt wird der Friedensplatz mit Eichen, Vogelkirschen, Bergahornen und Apfelbäumen. Dazu Wiesen und Staudenbeete, gesäumt von einer Rotbuchenhecke.

Mehr Bäume, Sträucher, Hecken, Wiese

Lob für neues Konzept: Friedensplatz in Unterhaching wird grüner als zuvor

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Große Proteste hatte die Rodung des Unterhachinger Friedensplatzes ausgelöst. Doch die Kritik war wohl vorschnell, verrät ein Blick aufs neue Konzept.

Unterhaching– Natürlich kamen auch die jüngsten Proteste zur Sprache. Als Kinder 33 selbst gebastelte Holzkreuze aufgestellt und Anwohner über den Kahlschlag geschimpft hatten. Der Friedensplatz in Unterhaching sieht nach den radikalen Baumfällungen momentan hässlich aus, das gab sogar Landschaftsarchitekt Stefan Kalckhoff zu.

Doch das Ambiente ändert sich bald: Nach Kalckhoffs finaler Präsentation im Bauausschuss erteilten die Kommunalpolitiker einstimmig den Auftrag zur Neugestaltung des Friedensplatzes rund ums 1925 dort eingeweihte Kriegerdenkmal. Mit der Umsetzung des satte 860 000 Euro teuren Vorhabens wird schon im April begonnen – bis Oktober sollen sämtliche Arbeiten, inklusive der Straßenerneuerung, abgeschlossen sein.

Viele Bäume waren morsch

Trotz völliger Abwesenheit all der Kritiker machte sich Stefan Kalckhoff die Mühe, die Unausweichlichkeit der Baumfällungen im Nachhinein zu erklären. Anhand von Fotos zeigte er, dass insbesondere die großen Bäume in den Kronen morsch gewesen seien, mehr Totholz in luftiger Höhe vor sich hingefault habe, als frische Triebe nachwuchsen. Einen gesunden Baum habe man allerdings auch fällen müssen, eine amerikanische Eiche: Die war, warum auch immer, unmittelbar neben der historischen Jahneiche gepflanzt worden und hätte dieser mittelfristig Konkurrenz gemacht. Und was das Abholzen des Busch-Urwalds beim Anhängerverleih angeht: „Dort war es abends stockfinster, ein Angstraum.“ Das neue Konzept schaffe mehr Licht und klare Strukturen.

In einem Leserbrief an den Münchner Merkurwar zudem Kalckhoffs Wortkreation von einem „Asphaltsee“ angeprangert worden. Der Landschaftsarchitekt griff auch diese Kritik auf – und veranschaulichte anhand von Grafiken, worum es ihm geht: Flächen zu entsiegeln, trotzdem Parkplätze zu mehren und damit insgesamt einen ökologischen Mehrwert zu schaffen. „Das Schwarze wird kleiner“, verwies er auf die Bildschirm-Animation. Insgesamt 200 Quadratmeter Asphalt verschwinden.

Der Bach war nie ein Bach

Was den aktuellen Kahlschlag angeht: Der musste sein wegen der Neubepflanzung. Eine Eichengruppe werde es geben, Vogelkirsche, Bergahorn und drei Apfelbäume; dazu eine hüfthoche Rotbuchenhecke, die das Dreieck des Friedensplatzes am äußeren Rand umsäumt, sowie Staudenbeete und Wiesenflächen rund um den inneren Zirkel mit Sitzbänken ums Denkmal. Kalckhoff schwärmte von einem „wunderschönen Rahmen“. Und was die Diskussion ums Zuschütten des Grabens angeht, den viele Kinder zum Spielen genutzt hätten: „Das ist nie ein Bach gewesen, völliger Schmarrn, sondern ein Hochwasserüberlaufkanal.“ Das Hochwasser werde nun anderweitig aufgefangen. Zur angeblich verloren gegangenen Spielfläche sagte der Planer: „Die Kinder können künftig auf einer schönen Blumenwiese einen Strauß für die Mama pflücken.“

Bei den Kommunalpolitikern stieß die Präsentation auf Beifall. „Danke für die deutlichen Worte und Richtigstellungen nach all dem, was zuletzt so rumgegeistert ist“, sagte der Denkmalschutzbeauftragte Harald Nottmeyer (SPD). „Der Platz bekommt wieder seine historische Gestalt, das Konzept ist harmonisch und ausgewogen.“ In ökologischer Hinsicht wertete er Kalckhoffs Pläne sogar als „Kunstwerk“.

Langzeit- statt Billiglösung

Auch die Grünen fanden den Entwurf „sehr gelungen“, nur an einer Sache störte sich Gertraud Schubert: den Kosten. Die Platzumgestaltung an sich mit 280 000 Euro ist unstrittig, aber dass die Straßenbaumaßnahmen drumherum mit 580 000 Euro zu Buche schlagen, sei „schockierend“.

Stefan Kalckhoff hatte eine Antwort parat: Alles mit Asphalt zuzuklatschen sei die Billiglösung – sein Konzept sieht einen Pflasterbelag aus gesägtem Granit vor, was schöner aussehe, trotzdem rollstuhltauglich und zugleich wasserdurchlässig sei. Der Chef der Bauverwaltung, Stefan Lauszat, ergänzte: „Wir denken weit in die Zukunft, gehen nicht so verschwenderisch mit Platz um und drängen den Autoverkehr zurück.“ Auch er sei bei den Kosten zusammengezuckt. „Aber das ist die sinnvollste und nachhaltigste Lösung, so haben wir mindestens 30 Jahre Ruhe“.

Neugestaltung bis November

Spätestens zum Volkstrauertag am 17. November soll der Friedensplatz sein neues, wieder historisch geprägtes Gesicht erhalten haben. Die Hoffnung: dass nach all dem Zwist dort Frieden einkehrt.

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