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Schluss, aus, vorbei : Nach dem Scheitern von Jamaika ist guter Rat teuer. Folgen nun doch Verhandlungen für eine neue Große Koalition oder gibt es Neuwah len?

Abwegig ist gar nichts mehr

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„Schade“, „schade“, „schade“: Das Aus für Jamaika nehmen die Vertreter der drei beteiligten Parteien im Landkreis mit Bedauern zur Kenntnis. Gleichzeitig üben viele Kritik an der SPD.

Landkreis – Ein „Wunschbündnis“ war Jamaika nicht, sagt Tobias Thalhammer (38) aus Neubiberg, FDP-Landtagskandidat für den Stimmkreis München-Land-Süd. Insofern seien jetzt auch „die anderen Parteien in der Pflicht, den Versuch zu wagen“, betont er. Gemeint ist die SPD: Sie hatte als Reaktion auf das historisch schlechte Ergebnis noch am Wahlabend eine Fortführung der Großen Koalition ausgeschlossen. Gestern Mittag bestätigte der Parteivorstand diesen Beschluss. FDP-Chef Lindner steht derweil in der Kritik, die Gespräche kurz vor dem Durchbruch abgebrochen zu haben.

Dem widerspricht der FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz (49) aus Hohenbrunn: „Ich finde es schade, aber wenn es nicht geht, muss man konsequent und ehrlich sein.“ Sein Eindruck: „Auch Dinge, die schon fertig verhandelt waren, lagen plötzlich wieder auf dem Tisch. Irgendwann fehlt dann eben die Vertrauensbasis.“ Schulz sieht nun Angela Merkel (CDU) am Zug: „Die Kanzlerin muss auch mal Wege beschreiten, die unerwartet sind“, fordert er. Ob eine „Minderheitsregierung mit Schwarz-Gelb oder Schwarz-Grün – ich halte nichts für abwegig“. Bei den Jamaika-Gesprächen beklagt Schulz am Tag danach einen „Konstruktionsfehler“: „Man ist viel zu sehr in die Kleinteile gegangen.“ Dazu kam eine „vollkommen unklare Situation der CSU, was für deren Verhandlungsverhalten sicher nicht einfach war“.

Deutliche Kritik am Aus übt Markus Büchler (44) aus Oberschleißheim, Vorsitzender der Grünen in Oberbayern und Landtagskandidat im Stimmkreis München-Land-Süd. „Es ist wahnsinnig schade, dass Jamika nicht zustande kommt.“ Was die Bundespolitik da abgebe, sei „ein ganz schlechtes Bild“. Als die zwei „Hauptschuldigen“ benennt Büchler die „Krawallbrüder von der CSU, die sich über die Kompromissangebote der Grünen in der Klimapolitik nur lustig gemacht haben“, aber auch die Kanzlerin: „Sie hat mal wieder alles laufen lassen und sich davor gedrückt, zu führen.“ So habe sie es nicht vermocht, dem Bündnis eine Idee zu geben. Wofür könnte Jamaika stehen? „Dieser Geist hat gefehlt.“

Führungsverantwortung und solides Handeln erwartet auch CSU-Landrat Christoph Göbel (42) von der Kanzlerin. „Jamika hätte ich in vielen Themen für einen interessanten Weg für Deutschland gehalten“, sagt er und appelliert an Union und SPD, „die Verantwortung für das Land zu übernehmen“. Dass Personaldebatten in der CSU eine Mitschuld an den gescheiterten Gesprächen haben sollen, weist Göbel zurück. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ Zumal „die FDP die Verhandlungen nicht abgebrochen hat, weil sie mit der Union nicht einig war, sondern mit den Grünen.“ Grünen-Kreischef Christoph Nadler (61) aus Taufkirchen betont indes die „gute Arbeit“ seiner Partei und übt Kritik an FDP-Chef Christian Lindner: „Kompromisse einzugehen ist er in seiner Partei nicht so gewöhnt.“

Der CSU-Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis München-Land-Nord, Ernst Weidenbusch (54), hält nichts von Schuldzuweisungen und verweist auf die Aussagen des Bundespräsidenten gestern Nachmittag: „Der hat die Verantwortung aller gewählten Parteien schön auf den Punkt gebracht.“ Neuwahlen? Damit rechnet Weidenbusch nicht. „Wenn sich alle erholt haben, wird auch wieder Vernunft einkehren.“ Die gescheiterte Bundestagskandidatin der SPD, Bela Bach (27) betont derweil: „Die Absage an eine Regierungsbeteiligung und der begonnene Erneuerungsprozess sind für die SPD der richtige Weg.“

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