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Trampelpfad an der Stumpfwiese in Unterhaching
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„Da stößt Recht an Realität“: Im Rathaus weiß man um die vielgenutzte Abkürzung. Eine offizielle Lösung per Bauleitplanung ließe sich aber erst schaffen, wenn das letzte Stück der Stumpfwiese fertiggestellt ist.

Anwohner und Verkehrsplaner: „Halsbrecherische“ Situation

Trampelpfad an der Stumpfwiese: Neue Kritik an altem Provisorium

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Der halblegale Trampelpfad an der Unterhachinger Stumpfwiese ist von Fußgängern und Radlern rege frequentiert. Ein Anwohner und ehemaliger Verkehrsplaner rügt die Gemeinde.

Unterhaching – Es liegt in der Natur der Menschen, dass sie Umwege vermeiden und eine direkte, logische Verbindung von A nach B suchen. Existiert die offiziell nicht, entstehen bisweilen halblegale Trampelpfade. Wie beispielsweise im Unterhachinger Wohngebiet Stumpfwiese zwischen Witney- und Ludwig-Specht-Straße. Dieses umstrittene Fleckchen in der sogenannten „grünen Mitte“ ist seit Jahren ein Ärgernis, über das sich jetzt ein Anwohner mit Fachkenntnis aufregt: Wolfgang Wirth (74) ist emeritierter Professor und hat als Verkehrsplaner einst die Gemeinde beraten.

Aus einer ursprünglich geplanten Verbindung zwischen Witney- und Ludwig-Specht-Straße wurde nichts.

Durchstich oder nicht zwischen Witney- und Ludwig-Specht-Straße? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet. Ursprünglich war eine Verknüpfung beider Straßen vorgesehen, dann wurde dieser Plan nach Anwohnerprotesten zurückgestellt – es entstanden zwei Sackgassen mit Wendekreisen. Dazwischen: wilde Wiese. Mit einem rege frequentierten Trampelpfad.

„Eine notdürftig zusammengeflickte Kfz-Sperre“, kritisiert Wolfgang Wirth, ehemaliger Professor und Verkehrsplaner. Autos fahren bis zu 1,7 Kilometer Umweg.

„Am Anfang sind sogar Autos über die Wiese gefahren“, erinnert sich Professor Wirth. Um das zu unterbinden, stellte die Gemeinde Absperrungen auf wie bei einer Baustelle. „Eine notdürftig zusammengeflickte Kfz-Sperre“, sagt Wirth über das ewige Provisorium. Fußgänger und Radfahrer ignorieren die Sperre – so entstand der Pfad. Autofahrer indes, die an dieser Stelle 50 Meter von einem zum anderen Wendekreis kommen möchte, müssen einen – je nach Fahrtrichtung – 1,2 bis 1,7 Kilometer langen Umweg fahren.

Durchschlupf sei „in desolatem Zustand“ und bei Dunkelheit „halsbrecherisch“.

Gegen beides, Trampelpfad und Umweg, richtet sich die Kritik des 74-Jährigen. Der halblegale Durchschlupf sei „in desolatem Zustand“ und bei Dunkelheit „halsbrecherisch“. Trotz wiederholter Bitten habe die Gemeinde „nichts unternommen, um die Situation zu bereinigen oder wenigstens zu entschärfen“. Und was den Umweg für die Autofahrer, insbesondere auch die vielen Paketdienstleister, angeht: „Die Umweltbelastung durch die zusätzlichen Abgase sind unglaublich. Mir als Asthmatiker tut das besonders weh.“

Im Rathaus nimmt Pressesprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur Stellung zu den Vorwürfen. „Die Passage mit dem Trampelpfad gehört nicht der Gemeinde, sondern ist Privatgrund und so neuerdings auch beschildert. Das Dilemma ist: So lange keine verbindliche Entscheidung über die ,grüne Mitte‘ getroffen ist, kann man hier nichts zementieren, was nicht in der Bauleitplanung vorgesehen ist.“ Vom Grundstückseigentümer, der Firmengruppe Schrobenhauser, werde der Trampelpfad in seiner rudimentären Form geduldet, laut Polizei und Ordnungsamt sei der Durchgang „mit etwas Vorsicht zu tolerieren“. Mehr könnten weder Grundbesitzer noch Gemeinde tun. Die Alternative wäre, so Hötzl, „den Weg so zu versperren, dass wirklich keiner mehr durchkommt“. Was Fußgänger und Radfahrer ebenfalls nerven würde.

Gemeinde will abwarten, bis das letzte Stück des Baugebiets Stumpfwiese fertiggestellt ist.

Zur Kritik von Professor Wirth, es gebe hier bis heute keinen rechtskräftigen Bebauungsplan und dies sei „ein Trick der Gemeinde“, um eine Problemlösung „zu verschleppen“, sagt Hötzl: „Wir wollen abwarten, bis das letzte Stück der Stumpfwiese mit insgesamt über 4000 Bewohnern fertiggestellt ist. Dann werden wir die Wegebeziehungen gesamthaft betrachten und unter vermutlich übergroßer Bürgerbeteiligung die ,grüne Mitte‘ und das Thema Durchstich diskutieren.“ Fixiert sei nichts, vielmehr „alles vollkommen offen“. Die Einbahnregelung in der Walter-Paetzmann-Straße, die ohne Durchstich den Umweg verlängert, bleibe wegen der Großbaustelle bis Juni 2021 bestehen.

Dass Fußgänger und Radfahrer den regulären Umweg vermeiden, trifft bei Hötzl auf Verständnis: „Da stößt Recht an Realität.“ Dass hier endlich Klarheit geschaffen und ein Durchstich den Trampelpfad ersetzen müsse, ist für Professor Wirth die einzig logische Konsequenz: „Alles andere stünde wegen der unnötigen Mehr-Emissionen im Widerspruch zur ,nachhaltigen Mobilität‘, die vom Rathaus vollmundig verkündet wird.“

Lesen Sie weiter: Nach Bürgerprotesten: Ende der Matschlandschaft auf der Stumpfwiese

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