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Glück unter der Sonne: Aicha und Nicolas Neuhierl mit Tochter Leia. Kalt wird den dreien das ganze Jahr über nicht mehr.

Serie: die Auswanderer

Die Neuhierls aus Unterhaching leben in Florida 

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Der Sonne hinterher – das war das Ziel von Nicolas Neuhierl und seiner Frau Aicha. Heute lebt das junge Paar aus Unterhaching in Orlando/Florida. Sonne gibt es hier genug, mit ihrer neun Monate alten Tochter sind sie glücklich. Sechs Jahre sind seit der Auswanderung von Nicolas (29) und Aicha (31) Neuhierl vergangen. Eine Zeit, die sie geprägt hat – und die einige Hürden mit sich gebracht hat.

Orlando/Unterhaching – An diesem Mittag steht Nicolas Neuhierl von 11 bis 14 Uhr mit seinem Food-Truck vor „Disney World“, manchmal auch vor den „Universal Studios“. Er verkauft deutsche Klassiker: Curry- und Bratwürste. Frisch aus dem Truck heraus. Und richtig: Dieses Geschäftsmodell erinnert an den aus dem Fernsehen bekannten Auswanderer Chris Töpperwien, der mit seinem Food-Truck durch Amerika tuckert. Bei ihm haben sich die Neuhierls vor drei Jahren als Franchise eingekauft – nachdem sie sich zunächst für 50 000 Dollar um ein Investoren-Visum beworben und anschließend den Truck für 30 000 Euro gekauft hatten. Seitdem brutzeln Bratwürste im Truck der Neuhierls. Anfang dieses Jahres ist der Vertrag mit Töpperwien ausgelaufen, die Neuhierls stehen mit ihrem Unternehmen „A&N German Cuisine“ auf eigenen Beinen.

Ausruhen können sich Nicolas und Aicha Neuhierl nicht. „Wir kämpfen jeden Tag um unseren Status. Wir investieren in die Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze. Das sind die wichtigsten Punkte für das Visum“, erklärt Aicha. In zwei Jahren läuft das Investoren-Visum aus, dann müssen sie für rund 3000 Dollar ein neues beantragen. Was passiert, wenn sie das Visum irgendwann einmal nicht bekommen sollten, damit beschäftigen sie sich nicht. Lieber tun sie alles dafür, ihren Traum weiterhin leben zu können.

In den drei Jahren mit ihrem Food-Truck haben die Neuhierls viel erlebt, neue Leute kennengelernt, dankder Auftraggeber – Firmen, Clubs oder Hochzeitsgesellschaften – fast jede Ecke der Metropolregion Orlando gesehen. „Wir kommen viel rum und verdienen gutes Geld für die Zeit, die wir arbeiten“, sagt Nicolas.

2012 kehren die Neuhierls nach Florida zurück

An drei bis vier Tagen in der Woche arbeitet er sechs Stunden. Die verbleibende Zeit verbringt er mit seiner Familie. Zuhause – in der Zwei-Zimmer-Mietwohnung 20 Minuten außerhalb von Orlando – am Strand oder gemeinsam mit den Freunden. Und noch einen Vorteil gibt es: „Ich habe noch nie Eltern gesehen, die so viel Zeit mit ihrem Kind verbringen können“, sagt Aicha. Seit Tochter Leia auf der Welt ist, hilft sie nicht mehr mit im Truck, sondern bleibt zuhause und erledigt den Papierkram. Nicolas verkauft gemeinsam mit einem Freund aus Österreich.

Es war aber nicht die freie Zeit, die Nicolas und Aisha damals, vor sechs Jahren, hierher nach Orlando gezogen hat. Gefallen hat ihnen, wie man die Freizeit nutzen kann. „Wenn man hier von 7 bis 16 Uhr arbeitet, weiß man, dass man danach an den Pool oder Strand gehen kann“, sagt Nicolas. „In Deutschland muss man Glück haben, dass gutes Wetter ist“, stimmt ihm Aicha zu. Sich jedes Jahr „quasi neun Monate durchkämpfen, um ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen“, das wollten beide nicht mehr. Sie packten die Koffer und kehrten im Mai 2012 nach Orlando zurück. Dorthin, wo ihre Geschichte im Dezember 2009 begonnen hatte.

Nicolas Neuhierl hatte gerade sein Abitur am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching gemacht und war neu in Orlando angekommen, um dort in einem einjährigen Repräsentanten-Programm im Deutschen Pavillon von Disney World zu arbeiten. Aicha ist da schon seit einem halben Jahr bei Disney World. Irgendwann lernen sich der Unterhachinger und die junge Berlinerin mit den tunesischen Wurzeln kennen.

Heute der Food-Truck, in Zukunft ein Restaurant am Strand

Als Aicha im Mai 2010 zurück nach Berlin muss, bleiben sie in Kontakt. 8000 Kilometer voneinander entfernt merken sie: Wir vermissen uns, da ist mehr als Freundschaft. Als Nicolas im November zurückkehrt, ziehen sie in Unterhaching zusammen. Sie sind glücklich, heiraten nach gerade einmal einem Jahr. Doch irgendetwas fehlt. Die Sonne. Sie wollen zurück nach Orlando. 2012 wagen sie den endgültigen Schnitt. Der Kontakt zu einer Freundin, die noch immer in Orlando lebt, hilft am Anfang.

Leicht wird es ihnen trotzdem nicht gemacht. In Orlando beginnt vom ersten Tag an ein Kampf ums Überleben: „Als Student durfte Nick mit seinem Visum nicht arbeiten und ich als Ehefrau auch nicht“, erklärt Aicha die Probleme von damals. Zum Glück kann sie das Programm bei Disney World ein zweites Mal absolvieren, arbeitet teilweise sechs Tage Doppelschicht pro Woche, um das Leben zu finanzieren. Dazu kommen allein 32 000 Dollar pro Jahr für Nicks Studium, International Business Administration. „Meine Eltern haben uns finanziell geholfen. Sie haben gesagt, ihr kümmert euch um die Wohnung und um euer Leben, wir übernehmen die Studienkosten“, sagt Nicolas. Im zweiten Jahr dürfen beide nicht arbeiten, sie leben von ihrem Ersparten, im dritten Jahr arbeitet Nicolas im Loews-Hotel in der Nähe der Universal Studios. Dann läuft sein Studentenvisum ab. „Was machen wir jetzt?“ Deutschland ist keine Option. Sie entscheiden sich für den Food-Truck.

Heute sichert er ihre Existenz, ihren Traum vom Leben im Sonnenstaat Florida – und ist Ausgangspunkt für ein neues Ziel: Ein Restaurant am Strand an der Atlantikküste.

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