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„Die Partei“-Ortvorsitzender Tom Gutbrod (vorne l.) an der Spitze des Protestzugs.

Gegendemonstration

„Die Partei“ raucht das AfD-Programm im Fake-Joint

45 Mitglieder der Satire-Gruppierung „Die Partei“ haben sich am S-Bahnhof Unterhaching versammelt zu einer Demonstration gegen die AfD unter dem Motto: „Nein zur AfD – Ja zur Bundestagswahl“.

Die AfD stellt an diesem Nachmittag ihren Direktkandidaten für den Bundestagswahlkreis München-Land in Unterhaching auf.

Tom Gutbrod, Ortsvorsitzender aus Unterhaching, begrüßt mehrere kleine Delegationen aus Augsburg, Ingolstadt, Bad Tölz, sogar aus Aschaffenburg. Gekommen sind überwiegend junge Männer. Sie begrüßen sich, lachen, einige haben Bierflaschen bei sich. „Für Pegida und AfD-Geschwerl keine Chance“, steht auf Pappschildern oder: „AfD – Auffangbecken für Doofe“.

Das Landratsamt habe keine Kosten und Mühen gescheut und etliche Auflagen gemacht, sagt Tom Gutbrod durch ein Megafon. Das Verbrennen von Gegenständen – wie etwa des AfD-Wahlprogramms – wurde untersagt, nicht aber, liest Gutbrod vor, „der Genuss von handelsüblicher Tabakware“. Auch er habe keine Kosten und Mühen gescheut: „Ich habe mir dieses Megafon über Ebay besorgt. Danke Ebay!“ Gelächter. Die Demonstranten machen sich gut gelaunt auf den Weg zur Pschorr-Klause an der Fasanenstraße, die im selben Haus wie die AfD-Geschäftsstelle zu finden ist. Es ist ein Wohngebiet“, sagt Gutbrod, „es wird sehr spannend werden.“ Humor hat er ja.

Sprechchöre vor dem Versammlungslokal der AfD

Das Partei-Lied wird gesungen, an jeder roten Ampel warten die Demonstranten und ulken: „Nur bei Grün, der Kinder wegen.“ Mit Fahnen und Plakaten zieht die Schar begleitet von zwei Einsatzwagen der Polizei durch die Fasanenstraße. Vor der Pschorr-Klause angekommen, rufen die Demonstranten: „Wir dürfen nicht rein, wir wollen auch nicht rein.“ Tom Gutbrod hält das Parteiprogramm der AfD hoch. „Es hat nur zwei Seiten, ich habe noch was dazu gefügt, damit es nach mehr aussieht.“ Der 47-Jährige baut aus dem Wahlprogramm einen Fake-Joint, zündet die Papier-Tüte an und tut so, als nehme er einen tiefen Zug.

Ernster Hintergrund trotz aller Satire

Trotz aller Satire, hat der Protestmarsch der Spaß-Partei doch einen ernsten Hintergrund: „Bei der AfD hat bei mir der Spaß ein Loch“, sagt Tom Gutbrod: „Da muss man sich engagieren. Dass die hier in meinem schönen Unterhaching ihre Aufstellungsversammlung machen, geht gar nicht. Wir machen eine Demo zur Rettung der Demokratie.“

Beim Rückweg über die Münchner Straße holen sich ein paar Demonstranten unterwegs im Getränkemarkt ein Bier. „Wir sind ein Wanderstammtisch“, sagt einer, „wir haben uns danach ein Bier verdient.“ Hier und da erscheinen Gesichter hinter Fensterscheiben, vereinzelt beobachten Leute das Treiben von ihren Balkonen aus, aber bis auf das Skandieren einzelner Sprüche bleibt es ruhig. Die „Partei“-Mitglieder bleiben unter sich, niemand schließt sich an.

Gibt es ein geheimes Papier, in dem die AfD ihre Wahlstrategie für die Bundestagswahl 2017 festgelegt hat?

icb

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