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In seiner „Pension Bergblick“: Peter Ringer.

„Pension Bergblick“ in Unterhaching 

Bürokratie stoppt „Pension Bergblick“

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Die Zimmer sind eingerichtet, interessierte Kunden stehen buchstäblich vor der Tür: Die neue „Pension Bergblick“ in Unterhaching ist startklar – doch das Landratsamt spielt nicht mit. Ein Fall von Bürokratie? Der Betreiber der Pension spricht von sogar von „reiner Schikane“.

Unterhaching – Über den Türen hängen kleine Fotos mit Titeln wie „Wendelstein“ oder „Benediktenwand“, in den Zimmern dahinter sind die Betten schon gemacht und die Nachttischlampen, Modell „Hannah“, aufgestellt. Der Duschraum? Picobello. Das WLAN läuft, über zwei Satelliten können 2500 Fernsehprogramme in zig Sprachen empfangen werden. Am Ende des Flurs tritt Peter Ringer hinaus auf die Terrasse im dritten Stockwerk und zeigt auf das emsige Gewusel der Großbaustelle direkt nebenan: „Da ist meine Kundschaft!“

Als preisgünstige Handwerker-Unterkunft ist die „Pension Bergblick“ in der Unterhachinger Kapellenstraße konzipiert. Die Gemeinde hat das Vorhaben schon im März genehmigt (wir berichteten), nun fehlt nur noch eins: das Placet vom Landratsamt München. Doch just daran hakt es.

Aus ehemaligen Lagerhallen und Büroräumen wird eine einfache, aber solide Handwerker-Unterkunft mit Tagespreisen ab zwölf Euro – was unkompliziert klingt, entwickelt sich für Peter Ringer zum Behörden-Marathon. Im Juli 2017 hat der 68-Jährige mit dem Projekt begonnen, seitdem 20 000 Euro investiert, um die ehemaligen Büroräume, die ganz früher einmal als Papierlager einer Fabrik dienten, in eine kleine Pension zu verwandeln. Allein vier Monate dauerte es, das von der Gemeinde geforderte Brandschutzkonzept zu realisieren. Schließlich gab die Kommune grünes Licht – aber plötzlich stellte sich das Landratsamt quer.

In einem dreiseitigen Schreiben hat das Landratsamt zu Ringers großem Erstaunen allerlei moniert. Unter anderem müssten die Baukosten überprüft werden – 20 000 Euro erschienen dem Landratsamt zu gering. Auch eine „Darstellung der Möblierung“ wurde gefördert für die Zimmerchen, in denen außer Betten, Nachttisch und einem Wäscheständer nichts steht.

Die entscheidenden Knackpunkte aber sind andere. Ringer müsse, obwohl es sich um einen 45 Jahren alten Bestandsbau handelt, Barrierefreiheit beispielsweise bei den Duschen und rollstuhlfahrertaugliche Pkw-Stellplätze nachweisen. „Meine Klientel sind Handwerker und Bauarbeiter, die kommen nicht mit dem Rollstuhl“, hält Ringer diese Forderung des Landratsamts für absurden Irrsinn.

Was ihn aber noch wütender macht, ist die Sache mit der Statik. „Da wiehert der Amtsschimmel“, schimpft der 68-Jährige. „Das ist reine Schikane.“

Fakt ist: Das Landratsamt hat Ringer aufgefordert, eine „statische Berechnung tragender Bauteile“ zu erbringen, in zweifacher Ausfertigung. Ein nicht nachvollziehbares Ansinnen, findet der Pensions-Betreiber in spe. Denn die Statik-Prüfung existiere schon seit 45 Jahren, er zeigt uns einen entsprechenden Vermerk auf alten Plänen. „Was kann ich dafür, wenn die Behörden den Nachweis der Statik-Prüfung verschlampt haben?“ Dass er nun für weitere 10 000 Euro Fachleute engagieren und einen neuerlichen Statik-Nachweis erbringen soll, sieht Ringer nicht ein. Zumal in den Räumlichkeiten in der Kapellenstraße 20 früher tonnenschwere Lasten verschoben wurden (der Aufzug ist bis 1500 Kilo zugelassen), sich später dort Büros befanden.

„Schreibtische raus, Betten rein – wo liegt da der statische Unterschied?“, rätselt Ringer. „Hier sind früher sogar 900 Kilo schwere Papierrollen gelagert worden. Und jetzt regen sie sich über ein paar Betten auf.“

Die Bauarbeiter von nebenan dürfen die Pension nicht nutzen, müssen stattdessen in Containern nächtigen. Übers Wochenende könnte Ringer Skiausflügler aus dem Norden unterbringen – auch sie muss er bis dato abweisen. Vom Sozialamt wurde ihm eine mehrsprachige Arbeitskraft für die Rezeption vermittelt, auch diese (vorerst arbeitslose) Dame hängt in der Warteschleife fest. „Das alles wegen Behördenwahnsinn“, sagt der Unterhachinger. Bis Ende nächster Woche will er noch abwarten, ob das Landratsamt endlich einlenkt. Und wenn nicht? „Dann“, so Ringer, „reiche ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.“

Infos zur Pension

www.pension-bergblick.info

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