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Charmanter Podiumsdialog: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (r.) im Gespräch mit Natascha Kohnen.

Franziska Giffey im Kubiz

„Ich habe den Zauber guter Kindheit erlebt“

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gibt bei Podiumsdialog mit Natascha Kohnen persönliche Einblicke.

Unterhaching – Plötzlich, um Punkt 18.30 Uhr, hieß es: „Wir haben das Zeichen bekommen!“ Tür auf, Spot an – mit 30 Minuten Verspätung traf Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) doch noch zur Podiumsdiskussion im Unterhachinger Kubiz ein. „Eineinhalb Stunden später losgeflogen, eine halbe Stunde später angekommen – das ist gar nicht so schlecht, oder?“, entschuldigte die 40-Jährige mit charmanter Schlagfertigkeit ihr Festsitzen auf dem Flughafen in Berlin.

Die halbe Stunde Verzögerung überbrückte die Gastgeberin des Abends, Natascha Kohnen aus Neubiberg, nicht minder charmant. Die SPD-Landtagsabgeordnete und Bundes-Vizevorsitzende der Sozialdemokraten nutzte die unverhoffte Zusatzzeit, um ihr Format „Kohnen plus“ sowie die Bezirkstagskandidatin Ramona Greiner vorzustellen. Und die gut 150 Zuhörer erfuhren nebenbei, wie 1986 bei den Demonstrationen in Wackersdorf Natascha Kohnen ein Schlüsselerlebnis hatte: „Da habe ich gesehen, was ein Staat mit Menschen machen kann. Das war mein Moment – in dem ich wusste, dass ich jetzt politisch aktiv werden muss.“

Es waren immer wieder diese persönlichen Einblicke, die den Abend interessant machten und jenseits des SPD-Wahlkampfs die ein oder andere ungewöhnliche Anekdote publik werden ließen. Eine Karriere in der Politik? „Nein, das war nicht mein Plan“, gab Franziska Giffey zu. „Ich wollte Lehrerin werden, das war mein Traumjob. Aber meine Stimme sei dazu nicht geeignet, hieß es.“ Als Bezirksbürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln kümmerte sie sich dann auf andere Weise intensiv ums Thema Bildung – und hatte Skrupel, als Bundeskanzlerin Angela Merkel sie heuer im März in ihr Kabinett berief. „Meine erste Reaktion war: Ich kann noch meine Leute nicht im Stich lassen!“ Dann aber habe ihr Vater überzeugend interveniert: „Unter den 82 Millionen Bundesbürgern sind auch die 330 000 Menschen aus Neukölln dabei.“

In diesem Kontext outete sich die Bundesfamilienministerin als „klassisches Arbeiterkind“, der Vater Kfz-Meister, die Mutter Buchhalterin, „es war nicht übermäßig viel Geld da“. Na und? Rückblickend schwärmte Franziska Giffey: „Ich habe den Zauber guter Kindheit erlebt: dass einem Menschen liebevoll zur Seite stehen.“

Natürlich ging es auch um Politik, schwerpunktmäßig um Bildung und Integration. „Die Kita ist die erste Bildungseinrichtung, und genau deshalb ist Qualität das alles Entscheidende“, sagte Franziska Giffey. Es gehe nicht nur um die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern auch um Chancengleichheit: „Nicht allen Kindern wird zu Hause vorgelesen. Doch Kinder aus sozial schwachen Familien werden nicht automatisch dümmer geboren.“ Ihnen helfe das Aufwachsen in der Kita, insbesondere auch Flüchtlingskindern – die Ministerin sprach von „Integration durch Normalität“.

Bei diesem Thema konnte sich Natascha Kohnen einen scharfen Seitenhieb gegen die CSU („Derzeit die Mehrheitspartei in Bayern“) nicht verkneifen. „Wenn man allen Kindern behilflich sein will, bräuchte man kostenlose Kitas“. Das von der CSU in Bayern eingeführte Familiengeld verurteilte die SPD-Abgeordnete: „Der Ministerpräsident und seine Sozialministerin (Markus Söder und Kerstin Schreyer; d. Red.) schlittern mit ihrem Familiengeld sehenden Auges in einen Rechtsbruch wegen der Frage der Anrechenbarkeit. Hier wird Wahlkampf auf dem Rücken der sozial Schwächsten betrieben, denn kurz vor Weihnachten müssen Hartz-IV-Empfänger Teile des Wahlgeschenks zurückzahlen. Das ist unanständig!“

Ohne dass die Stadt namentlich erwähnt wurde, ging es ein einziges Mal auch kurz um Chemnitz. Nämlich, als Franziska Giffey für das Demokratiefördergesetz der SPD-Fraktion im Bundestag warb: „Wir müssen zivilgesellschaftliche Strukturen, die sich für demokratische Bildung einsetzen, dauerhaft stärken. Die aktuellen Ereignisse im Land zeigen, wie bitter das nötig ist.“

Beim Publikum, das am Schluss Fragen stellen durfte, war die Resonanz auf den Podiumsdialog überwiegend positiv. „Es war ein inspirierendes Gespräch, ich habe mich sehr wiedergefunden“, lobte eine junge Mutter am Saalmikrofon. Dann kam wieder das Zeichen, für den Rückflug nach Berlin wurde Eile angemahnt. Franziska Giffey verabschiedete sich herzlich: „Es war schön bei Ihnen!“

Zitate von der Podiumsdiskussion

„Mein erstes Auflehnen begann in der Schule, als wir ,zivilen Ungehorsam’ geleistet haben.“ 

Ramona Greiner

 „Wir reden über Gott und die Welt.“

 Natascha Kohnen übers Format „Kohnen plus“ 

„Wichtig ist nicht, woher du kommst, sondern wer du sein willst.“ 

Franziska Giffey zu Integration 

„Es ist nicht so, dass alles ganz furchtbar ist. Aber viele Menschen haben Zukunftsängste. Darauf müssen wir uns konzentrieren: dass es Zuversicht gibt für Kinder und Enkelkinder.“ 

Franziska Giffey

 „Ich habe meine Bakterien echt geliebt.“ 

Natascha Kohnen über ihre Diplomarbeit zu Schwefelbakterien 

„Im Festzelt muss man so reden, oder?“ 

Giffey fordert Kohnen auf, einen Satz auf Bayrisch zu sprechen 

„Ein Applaus für den Herrn Bürgermeister! Von welcher Partei sind Sie denn? Ach, von der SPD? Na, dann können wir uns ja duzen.“

 Giffey zu Wolfgang Panzer

 „Müttern mehr Karriere, Vätern mehr Familie – das brauchen wir, um Gleichberechtigung zu erreichen.“ 

These einer Mutter im Saal

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