Zwischen den „Feel Home“-Häusern in Oberschleißheim stehen Fahrräder. Düstere Wolken sind am Himmel.
+
Düstere Aussichten: Die Bewohner der Unterkünfte wie hier in Schleißheim müssen bald umziehen.

„Tickende Zeitbombe“

Probleme für Landkreis: Genehmigungen für Asylunterkünfte laufen aus

  • vonAndreas Sachse
    schließen

Etliche Genehmigungen für Flüchtlingsunterkünfte laufen demnächst aus. Die Bewohner müssen dann wohl umziehen. Die Frage ist: Wohin?

Landkreis – Auf den Landkreis rollt ein Problem zu: Für zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte laufen in absehbarer Zeit die Genehmigungen aus. Ersatz ist im Großraum München kaum zu finden. Wohin also mit all den Bewohnern?

„Schon heute ist es nicht möglich, unsere Quote von 3060 Plätzen zu erfüllen“, stellte Landrat Christoph Göbel (CSU) im Kreisausschuss fest. Mit 2895 Betten in Flüchtlingsunterkünften des Kreises und 168 Plätzen in Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Oberbayern sind die Möglichkeiten dezentraler Unterbringung in Einrichtungen wie „Feel Home“ ausgereizt.

Zahl der Fehlbeleger nimmt zu

Staatliche Unterkünfte gelten ohnehin nur als zweitbeste Lösung. Den Weg zu echter Integration sieht man nicht nur im Landratsamt über eigenen Wohnraum geebnet. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes könne man aber kaum davon ausgehen, in nächster Zeit ausreichend Wohnraum für Flüchtlinge zu finden, sagte Göbel. In Oberschleißheim etwa kommt der Helferkreis-Koordinator Peter Lemmen „auf eine Zahl im unteren Promillebereich“, die in den zurückliegenden Jahren in Wohnungen unterkamen. „Drei Familien vielleicht und vier, fünf Einzelpersonen.“

Dabei drängt die Zeit. Familienzusammenführung und die wachsende Zahl von sogenannten Fehlbelegern verschärfen die Lage. Als Fehlbeleger gelten anerkannte Flüchtlinge, die keine Wohnung finden und daher in Unterkünften weiter geduldet sind, um den Gemeinden keine Obdachlosen-Problematik aufzuhalsen. Die Zahl der Fehlbeleger (aktuell: 546) im Landkreis soll bis Jahresende auf 1100 steigen.

„Fünf Jahre sind schnell vorüber“

Hinzu kommt, dass ein Gutteil der Unterkünfte Genehmigungsverfahren während der Flüchtlingskrise zügig durchliefen; Behörden mitunter das ein oder andere Auge zudrückten. Damals geschaffene Ausnahmeregelungen sind inzwischen hinfällig. Genehmigungen waren meist auf zehn Jahre befristet, laufen mitunter in fünf Jahren aus. 130 Plätze fallen schon in den kommenden Monaten wegen auslaufender Mietverträge weg.

Ob es gelingt, den ein oder anderen Vertrag zu verlängern, steht in den Sternen. Verlassen mag Göbel sich darauf nicht. Neben den gegenwärtig 2726 vom Kreis untergebrachten Flüchtlingen fehlen rund 1100 Plätze. Ohne neue Unterkünfte droht Ärger mit der Quote. Die Gemeinden sähen sich mit obdachlosen Flüchtlingen konfrontiert. Im Kreisausschuss machte das geflügelte Wort von der „tickenden Zeitbombe“ die Runde. Genügend Unterkünfte zu schaffen, nimmt der Kreis daher selbst in die Hand. „Fünf Jahre“, sagte Göbel im Hinblick auf tickende Zeitbomben, „sind schnell vorüber. Da müssen wir rasch Vorsorge treffen.“

„Ich wüsste nicht, wie sich das Problem lösen lässt“

Ismaning zählt zu den Gemeinden, für die die Uhr in fünf Jahren abläuft. „Die Genehmigung für unsere Unterkunft läuft aus.“ Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) vermag noch immer nicht zu fassen, wie diese Regelung zustande kam. Abseits jeglicher Realität, rüffelte er. Viele Gemeinden seien doch gar nicht in der Lage, für Ersatz zu sorgen. Wer hat schon genügend eigenen Baugrund?

In Oberschleißheim, wo die Unterkunft erst 2018 entstand, hat man etwas mehr Zeit. Dafür mussten die Flüchtlinge drei Winter in Containern ausharren. Dennoch, mit den Fehlbelegern stellt sich auch Schleißheim ein echtes Problem, wie Helferkreis-Koordinator Lemmen konstatiert: Nicht nur, dass die Leute auf dem freien Markt keine Wohnung fänden. „Die Wohnsitzauflage zwingt sie, im Ballungsraum München zu bleiben“, beklagte Lemmen. „Ich wüsste nicht, wie sich das Problem so lösen lässt.“

Auch interessant

Kommentare