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Sumpfohreule im Landschaftspark.

Rücksichtslose Ausflügler bedrohen Brutvögel im Landschaftspark Hachinger Tal

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Naturschützer sorgen sich um die Zukunft vieler seltener Vogelarten im Landschaftspark Hachinger Tal. Störfaktor: der Mensch.

Landkreis – Markus Dähne bewahrt Sekunden für die Ewigkeit. Den Flügelschlag einer Sumpfohreule in der Luft. Den wachsamen Blick einer Wasserralle bevor sie ihre Beute tötet. Um solche Momente festzuhalten, streift Dähne (44) oft schon um 7 Uhr morgens mit Fernglas und Fotoapparat durch den Landschaftspark Hachinger Tal. Auf dem ehemaligen Flugplatzgelände und in seiner Nähe finden seltene Arten Zuflucht, es ist ein Eldorado für Vogelkundler.

Naturfotograf Markus Dähne im Hachinger Tal.

Doch rücksichtslose Ausflügler bedrohen das Paradies. Seit einigen Jahren beobachtet Markus Dähne aus Oberhaching Flora und Fauna im Hachinger Tal durch seine Kameralinse. Auf den ersten Blick sei die Vogelwelt dort gewöhnlich, sagt er. Die Wasserralle überwintert regelmäßig in der Region und wenn er nicht brütet, kann man den türkis-schillernden Eisvogel bei der Fischjagd am Bach beobachten.

Schwarzmilan in den Kiesgruben Oberhaching.

Mit geübtem Auge sichtet Dähne jedoch auch bemerkenswerte Besucher wie den Schwarzmilan, einen Steinadler und das Braunkehlchen, das laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern vom Aussterben bedroht ist. Beide machen als Durchzügler Rast im Tal. Auch die Sumpfohreule ist ein selten gewordener Brutvogel. Dem Naturschutzbund (NaBu) zufolge steht sie auf der Roten Liste, denn ihr Lebensraum – weite, baumfreie Feuchtgebiete – schrumpft. Im Landschaftspark findet sie Zuflucht. Bisher wurde die Sumpfohreule dort jedes Jahr gesehen, sagt Dähne.

Wasserralle am Hachinger Bach bei Unterhaching.

Er beschäftigt sich als Kartograf bei einer Ottobrunner Firma mit Luftbildauswertungen, ist Hobby-Ornithologe und -Fotograf. Seine Bilder macht er oft auf dem Weg zur Arbeit, denn wenn er morgens losradelt, sind die Tiere am aktivsten. Über die Jahre hat er zahlreiche Aufnahmen gemacht und präzise seine Beobachtungen notiert. Sie sind ein wichtiger Anhaltspunkt für Naturschützer, die sich um den Fortbestand der Vogelpopulation im Hachinger Tal sorgen.

Eisvogel am Hachinger Bach.

Eine von ihnen ist Gertraud Schubert (70), seit 1982 Mitglied bei der Unterhachinger Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Sie fürchtet, dass Spaziergänger und Sportler die Vögel vertreiben. Zahlen stützen ihre These: Als der 126 Hektar große Landschaftspark 2001 auf dem Areal des ehemaligen Fliegerhorsts Neubiberg entstanden ist, haben 36 Brutpaare der Feldlerche dort ihre Jungen aufgezogen, sagt Schubert. „Jetzt sind es acht.“ Mit seinem braunen Gefieder und dem weißen Bauch kommt das Vögelchen unscheinbar daher. Es zählt zu den häufigsten Brutvogelarten Europas, kämpft hierzulande aber ums Überleben.

Braunkehlchen, Kiesgruben Oberhaching.

Nur ein Beispiel für das Artensterben. Laut Naturschutzbund ist in den vergangenen 20 Jahren jede vierte Feldlerche verschwunden. Um auf ihr Verschwinden aufmerksam zu machen, wurde sie heuer zum zweiten Mal zum „Vogel des Jahres“ gekürt.

Durch sein abwechslungsreiches Gelände bietet der Landschaftspark Hachinger Tal vielen Tierarten ein Zuhause. In den Teichen legen Frösche und Kröten ihre Eier ab. Hecken dienen als Kinderstube für Gebüschbrüter wie den Neuntöter, und auf dem weiträumigen Magerrasen finden Zauneidechse und Feldlerche beste Bedingungen – theoretisch.

Feldlerche im Landschaftspark.

In der Praxis teilen die Tiere den Park mit Besuchern, die ihn als Naherholungsgebiet nutzen. Das Problem: Nicht allen genügt es, auf der Landebahn und auf den Wegen zu spazieren. Hundebesitzer lassen ihre Tiere über die Felder jagen. Kitesurfer preschen mit ihrem Lenkdrachen durchs Grün. Dabei weisen Tafeln auf das Betretungsverbot hin, das vor allem den Feldlerchen eine sichere Aufzucht ihres Nachwuchses ermöglichen soll.

Neuntöter, Keltenschanze Deisenhofen.

Bald beginnt die Brutsaison, und die Parkwächter achten verstärkt darauf, dass die Tiere ungestört sind. Gertraud Schubert ist froh um die Aufpasser. Doch allein mit erhobenem Zeigefinger könne man keine bedrohte Art retten, sagt sie. Die Menschen müssten zum Nachdenken gebracht werden, etwa, indem sie erfahren, welchen Reichtum sie mit etwas Rücksichtnahme bewahren können. Dazu bietet der Bund Naturschutz Führungen im Landschaftspark an, organisiert Ausstellungen und Vorträge. Markus Dähne liefert die Bilder dazu. Aus dem Vogelparadies vor Ort.

Die Ausstellung

„Vogelvielfalt im Landschaftspark“ gastiert vom 6. bis 10. Mai in der Ökoschule im Umweltgarten Neubiberg, Hauptstraße 10. Am Donnerstag, 9. Mai, um 17 Uhr zeigt Markus Dähne dort einen Foto-Vortrag.

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